Was ist die Flexibilitätsprämie?

Definition

Bereits mit dem EEG 2012 wurde die Flexibilitätsprämie für Betreiber von Biogasanlagen und Biomethananlagen geschaffen, die ihren Strom direkt an der Strombörse vermarkten. Anspruch auf die Flexibilitätsprämie (gerne auch kurz "Flexprämie" genannt) haben alle Betreiber von Anlagen, die im Marktprämienmodell vergütet werden. Das Ziel der Flexibilitätsprämie ist es, den Anteil an der regelbaren ("an- und abschaltbaren", also flexiblen) Stromproduktion zu erhöhen, um möglichst dann viel Strom aus erneuerbaren Energien zu produzieren, wenn die Stromnachfrage hoch ist. Daher werden Anlagenbetreiber finanziell unterstützt, sobald sie die installierte Leistung ihrer Anlagen erhöht haben.

Unterschiede zwischen Flexibilitätsprämie und Flexibilitätszuschlag

Mit dem EEG 2014 teilte sich die Förderung von Flexibilität in zwei Bonusmodelle (Abschnitt 5, EEG 2014). Die grundsätzlichen Bestimmungen haben sich auch im EEG 2017 nicht geändert. (§ 50a,b und c). Für Bestandsanlagen, die bis zum 31. Juli 2014 in Betrieb genommen wurden, gilt weiterhin die mit dem EEG 2012 eingeführte Flexibilitätsprämie. Für alle Anlagen, die seit dem 1. August 2014 in Betrieb genommen werden, greift der Flexibilitätszuschlag.

Berechnung der Flexiblitätsprämie nach EEG 2014 (auch EEG 2017)

Die Flexibilitätsprämie besitzt einen Zubaudeckel von insgesamt 1350 MW. Der aktuelle Stand der über die Flexibilitätsprämie vergüteten Leistung ist bei der Bundesnetzagentur erhältlich. Bestandsanlagen, die vor dem 01.08.2014 in Betrieb genommen worden sind, erhalten nach § 54 EEG 2014 je zusätzlich installiertem Kilowatt pro Jahr 130 Euro. Die Flexibilitätsprämie berechnet sich somit wie folgt:

Flexibilitätsprämie = PZusatz * EUR 130 / kWPZusatz = Pinstalliert – ( PBemessung * 1,1) (Der Faktor 1,1 gilt für Biogasanlagen - bei Biomethan gilt der Faktor 1,6 )PBemessung = Jahresarbeit / Jahresstunden

Ein vereinfachtes Rechenbeispiel: Der Betreiber einer Biogasanlage mit einer installierten Leistung von 500 kW erhöht die Kapazität seiner Anlage um 50% auf 750 kW. Jährlich erhält er für die zusätzlich installierte Leistung von 250 kW unter Berücksichtigung des Korrekturfaktors eine Flexibilitätsprämie in Höhe von ca. 26.000 Euro. Da die Flexibilitätsprämie auf zehn Jahre garantiert ist, erhält er somit innerhalb von zehn Jahren rund 260.000 Euro.

Wichtig für das Verständnis der Flexibilitätsprämie ist nun aber, dass die zusätzlich installierte Leistung nicht durchgängig abgerufen werden darf. Sinn des Anlagenumbaus ist es ja wie eingangs erwähnt, dass der flexible Anteil an der Stromproduktion der Biogasanlage erhöht wird. In einem wiederum stark vereinfachten Beispiel würde die umgebaute Anlage in den 12 Tagesstunden, in denen die Stromnachfrage gering ist, nur 250 kW produzieren, in den restlichen 12 Tagesstunden hingegen, in denen die Nachfrage besonders hoch ist, die Vollleistung von 750 kW abrufen. Im Mittel ruft die Anlage also wieder ihre bisherige Durchschnittsleistung (Bemessungsleistung) ab.

Seit dem EEG 2014 ist es gesetzlich vorgeschrieben, bei einer flexiblen Fahrweise der Biogasanlage die vorherige jährliche Durchschnittsleistung nicht zu überschreiten (Höchstbemessungsleistung). Sollten Anlagenbetreiber die Grenze der Höchstbemessungsleistung überschreiten, verlieren sie für den zusätzlich produzierten Strom oberhalb der Höchstbemessungsleistung den Anspruch auf die Marktprämie.

In der Praxis wird sich die Ausgestaltung des "Fahrplans" natürlich an die vorhandenen Gegebenheiten jeder Biogasanlage (z.B. die Wärmenachfrage) anpassen. Der Vorteil eines solchen marktorientierten Fahrplans ist es, dass die an der Strombörse erzielten Preise zuzüglich der fixen Marktprämie höher sein werden als die bisherige EEG-Vergütung.Bei dem oftmals notwendigen Zubau von BHKW-Leistung, Gasspeicher und/oder Wärmepuffer sind natürlich anlagenindividuell verschiedene Restriktionen zu beachten: etwa die Zustimmung des Landkreises, des örtlichen Netzbetreibers, Vorgaben des Bundesimmissionsschutzgesetzes (BIMSCH), der Störfallverordnung und des Baugesetzbuchs. Beispielhaft lassen sich zwei Szenarien des Anlagenumbaus grob skizzieren:

  • Die im jährlichen Durchschnitt eingesetzte BHKW-Leistung („Bemessungsleistung“) bleibt gleich, in unserem obigen Beispiel bei 500 kW. Auch hier ist eine Genehmigung der zusätzlich installierten Leistung notwendig – in unserem Beispiel der zusätzlich installierten 250 kW. In diesem Fall verliert der Betreiber jedoch natürlich nicht eine eventuell vorhandene Privilegierung nach BauGB §35, Absatz 6.
  • Die im jährlichen Durchschnitt eingesetzte BHKW-Leistung („Bemessungsleistung“) wird im Zuge des Anlagenumbaus ebenfalls erhöht, zum Beispiel auf 600 kW. Hierbei müssen natürlich anlagenindividuell ebenfalls die oben genannten behördlichen und gesetzlichen Restriktionen beachtet werden. Zusätzlich muss bedacht werden, dass sich in diesem Fall die Höhe der Flexibilitätsprämie verringert, da sich die Differenz zwischen Bemessungsleistung und installierter Leistung, die ja ausschlaggebend für die Ermittlung der Flexibilitätsprämie ist, ebenfalls verringert.
Flexprämie Biogas 500 kW Bemessungsleistung Flexibilitätsprämie für eine Biogasanlage mit einer Bemessungsleistung von 500 kW in Abhängigkeit von der installierten Leistung. Die Prämie steigt, wenn sich die Differenz zwischen installierter Leistung und Bemessungsleistung erhöht, weil so das Flexibilitätsband der Anlage zunimmt.

Anspruch auf die Flexibilitätsprämie haben explizit auch Betreiber von Bestandsanlagen. Interessant dabei ist, dass für die Inanspruchnahme der Flexibilitätsprämie allein die Fähigkeit der Biogasanlage zur flexiblen Fahrweise ausschlagegebend ist. So können auch Bestandsanlagen, die bauseits bereits über die nötige Flexibilität verfügen, etwa über zusätzliche BHKWs oberhalb der Bemessungsleistung sowie einen ausreichenden Gasspeicher, die Flexibilitätsprämie beanspruchen.

Anforderungen Flexibilitätsprämie

Die Anforderungen an Anlagenbetreiber, die die Flexibilitätsprämie erhalten möchten, sind verschiedener Natur. In den letzten Monaten haben die zuständigen Umweltgutachter, die über die Zuteilung der Flexibilitätsprämie anlagenindividuell entscheiden, eine ganze Reihe an Kriterien festgelegt (nachfolgende Liste erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit):

  • Es müssen ein geschlossenes Endlager für Gärreste sowie eine Gasfackel oder eine andere zusätzliche Gasverbrauchseinrichtung vorhanden sein.
  • Es muss der Nachweis über die erforderlichen Gasspeicherkapazitäten für den flexiblen Betrieb der Anlage erbracht werden, insbesondere was Anlagenstillstandzeiten und Zeiten mit reduzierter Fahrweise in Teillast betrifft. Es muss zudem der Nachweis erbracht werden, dass BHKW und Gasspeichervolumen harmonieren.
  • Es muss der Nachweis über die flexible Fahrweise der Anlage erbracht werden. Dies geschieht über das Fahren einer dreitägigen fahrplangestützten Lastkurve. Ein Umweltgutachter muss die Anlage während dieses dreitägigen Probebetriebs besuchen.
  • Es müssen Nachweise über 100%ige Direktvermarktung des produzierten Biogasstroms, über die Durchleitung über das öffentliche Netz, über die Nichtausstellung von Rechnungen über vermiedene Netzentgelte und über die Anpassung von Einspeisezusage und Trafo des Netzbetreibers auf die höhere Leistung erbracht werden.
  • Es müssen reale Bedarfsverläufe (etwa der Fahrplan des Vermarkters oder des Netzbetreibers) vorgelegt werden, die von der Anlage verarbeitet werden.
  • Es muss der Nachweis über die Möglichkeit zur viertelstündlichen Messung und Bilanzierung der Ist-Einspeisung erbracht werden.
  • Es muss die behördliche Genehmigung für die gesamte installierte Leistung am Standort der Biogasanlage vorgelegt werden. Hier muss besonders auf den flexiblen Betrieb und seine sicherheitstechnischen und anlagentechnischen Besonderheiten geachtet werden.
  • Es muss nachgewiesen werden, dass das Brandschutzkonzept der Anlage für den Einsatz der Feuerwehr auf die neuen Gegebenheiten der flexiblen Fahrweise abgestimmt wurde.
  • Es müssen eine aktuelle Gefährdungsbeurteilung, ein aktuelles Explosionsschutzdokument sowie ein aktueller Prüfbericht nach BetrSichV vorgelegt werden, welche die neue, flexible Fahrweise der Biogasanlage und mögliche Sicherheitsimplikationen berücksichtigen.
  • Es muss der Nachweis über fachgerechte Wartungen der Anlage erbracht werden.
  • Es muss die Versicherungsgesellschaft über die veränderte Betriebsweise informiert werden, ebenso wie ggfs. der Anlagenhersteller, falls noch Gewährleistung besteht.
  • Es muss schließlich ggfs. eine Anzeige nach Störfallverordnung (ab 7600 m3 Biogas inkl. Gasspeicher) vorgelegt werden.

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