Obwohl Wind-, Solar-, Wasser- und Bioenergieanlagen im Juni gemeinsam mehr als 70 Prozent der deutschen Stromproduktion bereitstellten und damit grundsätzlich eine preisdämpfende Wirkung entfalteten, verzeichnete der Spotmarkt zugleich einige der höchsten Stundenpreise des bisherigen Jahres. Ausschlaggebend hierfür war eine außergewöhnlich lang anhaltende Hitzewelle, die weite Teile Europas erfasste und den Energiemarkt auf mehreren Ebenen erheblich belastete.

Der Höhepunkt dieser Wetterlage wurde am 27. Juni erreicht. Mit durchschnittlichen Tageshöchsttemperaturen von bis zu 36 Grad Celsius lagen die Werte in Deutschland rund 15 Grad über dem saisonüblichen Niveau. Über nahezu zwei Wochen hinweg hielt sich eine stabile Hochdrucklage über Mitteleuropa und führte nicht nur zu einer deutlich reduzierten Windeinspeisung in Deutschland und den angrenzenden Staaten, sondern beeinflusste zugleich die Stromnachfrage sowie die Leistungsfähigkeit konventioneller Kraftwerke. Während in vielen europäischen Ländern der verstärkte Einsatz von Klimaanlagen den Strombedarf bis in die Abendstunden auf hohem Niveau hielt, beeinträchtigten die extremen Temperaturen gleichzeitig die Stromerzeugung. So sank die Effizienz von Photovoltaik- und Biogasanlagen, thermische Kraftwerke litten unter begrenzten Kühlwasserkapazitäten und auch mehrere französische Kernkraftwerke sahen sich zeitweise zu Leistungsdrosselungen gezwungen.
Infolgedessen öffnete sich eine außergewöhnlich große Preisschere zwischen den sonnenreichen Mittagsstunden und den Abendstunden. Tagsüber drückte die hohe Einspeisung aus Solaranlagen die Strompreise vielerorts bis an die Nulllinie oder sogar in den negativen Bereich. Mit fortschreitendem Abend kehrte sich dieses Bild jedoch nahezu täglich um. Insbesondere gegen 21 Uhr wurden regelmäßig Spitzenwerte erreicht. Besonders markant zeigte sich diese Entwicklung am 18., 23. und 24. Juni. Bereits im Day-Ahead-Markt überschritten die Preise für die Abendstunden die Marke von 933 €/MWh. Im Intraday-Handel verschärfte sich die Situation infolge ungeplanter Erzeugungsausfälle und einer weiterhin hohen Nachfrage zusätzlich. Am 24. Juni erreichte der Preis für eine Viertelstunde zeitweise sogar 933 €/MWh.
Für Betreiber flexibel steuerbarer Anlagen erwies sich die Hitzewelle als unerwarteter Vorteil. Batteriespeicher, Bioenergieanlagen, Pumpspeicherkraftwerke, flexible Verbraucher sowie Gaskraftwerke profitierten erheblich von den großen Preisunterschieden zwischen Mittag und Abend. Bemerkenswerterweise galt dies teilweise auch für Photovoltaikanlagen: Da der Juni die längsten Tage des Jahres bietet, war die Sonneneinstrahlung in vielen Fällen selbst zu den teuersten Handelsstunden noch nicht vollständig abgeklungen. Dadurch konnten Solaranlagenbetreiber auch von den hohen Abendpreisen profitieren.
Neben den meteorologischen Einflüssen prägte im Juni noch ein weiterer, eher ungewöhnlicher Faktor das Lastprofil: die Fußball-Weltmeisterschaft. Während des Deutschlandspiels am frühen Abend lag der Stromverbrauch zeitweise unter den Erwartungen. Offenbar waren zwar zahlreiche Fernsehgeräte in Betrieb, andere Verbraucher blieben jedoch vielfach ausgeschaltet. Bei den Nachtpartien am 20. und 25. Juni zeigte sich hingegen eine gegenteilige Entwicklung: Die Netzlast übertraf die Prognosen, da deutlich mehr Menschen als gewöhnlich wach blieben. Auf das Preisniveau wirkte sich dieser Effekt jedoch nur in begrenztem Umfang aus.
Der mengengewichtete Spotmarktpreis, der als Referenzgröße für die Vergütung von Bioenergie- und Laufwasserkraftwerken dient, erhöhte sich im Juni spürbar. Gegenüber dem Vormonat stieg er von 9,754 auf 10,952 ct/kWh und verzeichnete damit ein Plus von 12,3 %. Maßgeblich für diesen Anstieg waren insbesondere die wiederkehrenden Preisspitzen in den Abendstunden, die das allgemeine Preisniveau am Strommarkt deutlich anhoben.
Von dieser Entwicklung konnte die Windenergie jedoch nicht profitieren. Der Marktwert von Onshore-Windstrom sank gegenüber Mai von 9,534 auf 7,855 ct/kWh, was einem Rückgang von 17,6 Prozent entspricht. Ein ähnliches Bild zeigte sich bei der Offshore-Windenergie, deren Marktwert von 9,235 auf 7,979 ct/kWh zurückging und damit um 13,6 Prozent nachgab. Dies ist vor allem darauf zurückzuführen, dass die Windeinspeisung in der zweiten Junihälfte – also genau in jener Phase mit besonders hohen Strompreisen – nahezu vollständig einbrach. Die Windkraft konnte daher nur unzureichend an den attraktiven Marktpreisen partizipieren und verzeichnete entsprechend niedrige Capture Rates.
Deutlich erfreulicher entwickelte sich hingegen die Photovoltaik. Nachdem der Marktwert von Solarstrom im April auf ein außergewöhnlich niedriges Niveau gefallen war und sich im Mai lediglich teilweise erholen konnte, setzte sich die positive Entwicklung im Juni mit bemerkenswerter Dynamik fort. Der Marktwert Solar stieg von 3,163 auf 6,190 ct/kWh und legte damit gegenüber dem Vormonat um 95,7 Prozent zu. Trotz zahlreicher Mittagsstunden mit sehr niedrigen oder sogar negativen Börsenpreisen profitierten Solaranlagen von den langen Tageslichtphasen rund um die Sommersonnenwende sowie von den außergewöhnlich hohen Preisen in den frühen Abendstunden, während die Stromerzeugung aus Solarenergie noch nicht vollständig abgeklungen war.

Nach den außergewöhnlich hohen Werten der Frühjahrsmonate setzte sich im Juni 2026 zugleich der Rückgang negativer Strompreise im Day-Ahead-Handel fort. Während im April noch 123 und im Mai 77 Stunden mit negativen Preisen registriert worden waren, fiel die Zahl im Juni auf 52 Stunden. Gleichwohl führte auch in diesem Monat die Regelung des § 51 EEG bei zahlreichen Anlagen zu einer Reduzierung des jeweils anzulegenden Werts, abhängig von der geltenden Stundenregel. Wie bereits in den Vormonaten konzentrierten sich sämtliche Phasen negativer Preise ausschließlich auf die Mittagsstunden und standen somit in direktem Zusammenhang mit der hohen Einspeisung von Solarstrom.
Auffällig ist zudem, dass die Hitzewelle offenbar dazu beitrug, die Dauer zusammenhängender Negativpreisphasen zu begrenzen. Trotz intensiver Sonneneinstrahlung traten während der heißesten Tage des Monats längere Zeiträume mit Preisen unter null deutlich seltener auf als noch zu Beginn des Monats. Als plausible Erklärung gilt das Zusammenwirken zweier Faktoren: einer erhöhten Stromnachfrage infolge des verstärkten Einsatzes von Klimaanlagen sowie einer gleichzeitig außergewöhnlich schwachen Windeinspeisung während der Hitzeperiode.
Während die kurzfristigen Strommärkte im Juni maßgeblich von den extremen Wetterbedingungen geprägt wurden, blieb der Gasmarkt weiterhin von geopolitischen Entwicklungen beeinflusst. Die Erdgaspreise starteten bei 49,03 €/MWh in den Monat und überschritten in den darauffolgenden Tagen zeitweise die Marke von 50 €. Zur Monatsmitte kam es jedoch zu einem deutlichen Preisrückgang, nachdem Berichte über mögliche Fortschritte bei der Beilegung des Iran-Konflikts die Märkte erreichten. Am 25. Juni notierte Erdgas mit 40,66 €/MWh auf dem niedrigsten Stand des Monats. Im weiteren Verlauf zogen die Preise angesichts der fragilen Waffenruhe erneut an und näherten sich zum Monatsende wieder der Marke von 44 €/MWh.
Ein vergleichbarer Verlauf zeigte sich am Terminmarkt für Strom. Auch die Preise für das Frontjahresprodukt (Base) gaben zwischenzeitlich nach, bevor sie zum Monatsende wieder anzogen und am 30. Juni bei 92,97 €/MWh lagen. Neben den Impulsen des Gasmarktes spielte dabei insbesondere die Witterung eine wichtige Rolle. Vor allem bei den Frontmonaten Juli und August richteten Marktteilnehmer ihren Blick bereits auf die mögliche nächste Hitzewelle. Im Fokus standen dabei insbesondere die potenziellen Auswirkungen auf die Verfügbarkeit französischer Kernkraftwerke sowie auf den erwarteten Gasverbrauch in Deutschland, die als wesentliche Einflussfaktoren für die zukünftige Preisentwicklung angesehen wurden.
Auch am Regelenergiemarkt hinterließ die außergewöhnliche Hitzewelle deutliche Spuren, die sich insbesondere in der Entwicklung der durchschnittlichen Leistungspreise widerspiegelten. Während die Vergütungen für positive Regelleistungsprodukte im Vergleich zum Vormonat spürbar zunahmen, verzeichneten die negativen Produkte einen gegenteiligen Trend. Zwar führte die hohe Photovoltaikeinspeisung während der Tagesstunden weiterhin zu einem erhöhten Bedarf an negativer Regelenergie, doch die Kombination aus schwacher Windeinspeisung, sinkender Solarproduktion in den Abendstunden und einer gleichzeitig anhaltend hohen Stromnachfrage erzeugte wiederholt angespannte Versorgungssituationen. Infolgedessen mussten positive Regelleistungsreserven verstärkt aktiviert werden. Wie stark das Stromsystem unter der Hitzebelastung stand, zeigt ein Vorfall vom 22. Juni: Zwischen 21:00 und 21:15 Uhr wurden rund 1 Gigawatt positive Sekundärregelleistung abgerufen, um eine kurzfristige Unterdeckung im Netz auszugleichen.
Im Monatsdurchschnitt legten die Preise für positive Sekundärregelleistung deutlich zu. Während im Mai noch 7.267 €/MWh vorgehaltener und bezuschlagter Leistung gezahlt wurden, stieg dieser Wert im Juni auf 11.089 €/MWh und damit um rund 53 Prozent. Noch ausgeprägter fiel die Entwicklung bei der positiven Minutenreserve aus. Hier erhöhte sich der durchschnittliche Leistungspreis von lediglich 818 Euro auf 3.162 €/MWh und vervielfachte sich damit innerhalb eines Monats. Die Primärregelleistung behauptete sich mit durchschnittlich 17.379 €/MWh nahezu unverändert auf einem ohnehin hohen Preisniveau.
Demgegenüber entwickelten sich die Preise für negative Regelleistungsprodukte rückläufig. Anbieter negativer Sekundärregelleistung erzielten im Juni durchschnittlich 13.076 €/MWh und damit etwa 23 Prozent weniger als im Vormonat. Auch bei der negativen Minutenreserve setzte sich dieser Abwärtstrend fort: Der durchschnittliche Leistungspreis sank von 15.149 Euro auf 10.658 €/MWh.
Insgesamt verdeutlichen die Entwicklungen am Regelenergiemarkt, wie stark die außergewöhnliche Wetterlage die Anforderungen an die Netzstabilisierung beeinflusste. Während die Abendstunden aufgrund hoher Nachfrage und knapper Erzeugungskapazitäten vermehrt den Einsatz positiver Regelenergie erforderlich machten, nahm der Bedarf an negativen Reserven trotz weiterhin hoher Solareinspeisung im Monatsverlauf ab. Dies spiegelte sich unmittelbar in den Preisbewegungen der einzelnen Regelenergieprodukte wider.
Hinweis: Next Kraftwerke übernimmt keine Gewähr für die Vollständigkeit, Richtigkeit und Aktualität der Angaben. Der vorliegende Beitrag dient lediglich der Information und ersetzt keine individuelle Rechtsberatung.
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