Direktvermarktung von Strom aus Erneuerbaren Energien

Definition

Wer Strom aus Erneuerbaren Energien direkt vermarktet, verkauft den Strom in den meisten Fällen über das Marktprämienmodell an der Strombörse (etwa am Spotmarkt der EEX). Hier wird der erzeugte Grünstrom gleichberechtigt neben konventionell erzeugtem Strom gehandelt und zum selben Marktpreis verkauft.  Die Strombörsenerlöse werden vom Direktvermarkter an den Betreiber überwiesen, die Marktprämie wird, inklusive der eingepreisten Managementprämie, vom Verteilnetzbetreiber ausgezahlt. Die Summe aus Börsenerlös und Marktprämie entspricht dabei mindestens der Höhe der fixen Einspeisevergütung. Bei der Direktvermarktung unterscheidet man zwischen der verpflichtenden Direktvermarktung von Neuanlagen und der optionalen Direktvermarktung von Bestandsanlagen.

Verpflichtende Direktvermarktung von Neuanlagen

Anlagen zur Erzeugung von Erneuerbaren Energien, die ab dem 1. Januar 2016 in Betrieb genommen wurden, müssen ab einer installierten Leistung von 100 kW ihren Strom direkt vermarkten (§21 EEG 2017, zuvor §37 EEG 2014). Zusätzlich gilt die verpflichtende Fernsteuerbarkeit der Anlagen durch ein zentrales Leitsystem; bei Next Kraftwerke übernimmt dies beispielsweise die Next Box.

Diese verpflichtende Direktvermarktung gilt nicht für Bestandsanlagen, die vor Inkrafttreten des EEG 2014 genehmigt und in Betrieb genommen wurden (EEG 2014, §100, Absatz 1, Nr. 6). Biogas- und Biomethananlagen mussten bereits nach EEG 2012 ihren Strom direkt vermarkten, sofern die Anlage nach dem 1.1.2014 ans Netz ging und die Leistung über 750 kW betrug.

Optionale Direktvermarktung von Bestandsanlagen

Auch wer seine Bestandsanlage noch durch die fixe Einspeisevergütung fördern lässt, kann problemlos in die Direktvermarktung nach dem Marktprämienmodell wechseln. Zusätzlich besteht die Möglichkeit, monatlich und unter Beibehaltung des Anspruchs auf die vorherige fixe Einspeisevergütung in das gewohnte Vergütungsmodell zurück zu wechseln.

Die Höhe des durchschnittlichen monatlichen Marktpreises an der Strombörse zuzüglich der Marktprämie entspricht dabei exakt der Höhe der fixen EEG-Vergütung vor der Direktvermarktung. Hinzu kommt bei Bestandsanlagen die Managementprämie von 0,02 Euro pro kWh.

Wird der Grünstrom zusätzlich zu Spitzennachfragezeiten zu Spitzenpreisen oberhalb des durchschnittlichen monatlichen Marktpreises verkauft, können sogar mehr Gewinne als im fixen EEG-Vergütungsmodell eingefahren werden. Zusätzliche Möglichkeiten erschließen sich durch den Verkauf von Regelenergie, Biogasanlagen können zusätzlich von der Flexibilitätsprämie sowie der bedarfsgerechten Einspeisung profitieren.

Die Entwicklung von Windenergie an Land, Biogas und Photovoltaik im Marktprämienmodell: Die stabilen Steigerungsraten über Jahre hinweg zeigen die herausgehobene Stellung der Direktvermarktung im Marktprämienmodell für die Energiewende.

Ablauf der Direktvermarktung

Sowohl für Neuanlagen als auch für Bestandsanlagen ist der erste Schritt in die Direktvermarktung die Auswahl eines geeigneten Direktvermarkters. Mit diesem handelt der Anlagenbetreiber einen Vertrag zur Stromvermarktung aus, in dem die Pflichten von Direktvermarkter und Anlagenbetreiber geregelt sind - etwa die Übernahme von Ausgleichsenergierisiken, die Herstellung der Fernsteuerbarkeit, Zahlungsmodalitäten etc. Anschließend meldet der Direktvermarkter die Anlage beim Verteilnetzbetreiber zur Direktvermarktung an und übernimmt die Anlage in seinen Bilanzkreis. Sobald der Direktvermarkter den Fernzugriff auf die Anlage realisiert hat, startet die Direktvermarktung. Der Direktvermarkter erstellt individuelle Prognosen für jede Anlage, handelt den produzierten Strom möglichst abweichungsfrei an der Strombörse, kümmert sich um den Ausgleich von Fehl- oder Überschussmengen im untertätigen Stromhandel und rechnet schließlich die Erlöse aus der Stromproduktion mit dem Betreiber ab.

Andere Arten zur Direktvermarktung von Strom aus Erneuerbaren Energien

Sonstige Direktvermarktung

Stromproduzenten können ihren Grünstrom auch direkt zum Marktpreis ohne weitere Förderung an der Börse verkaufen. Dieser Weg der sogenannten Sonstigen Direktvermarktung (§21a EEG 2017, vormals §20 Abs. 1 Num 2 EEG 2014, vormals §33b Num 3 EEG 2012) wird jedoch so gut wie nie begangen, da die finanziellen Unterschiede zur entgangenen EEG-Vergütung zu groß sind und EE-Anlagen in den meisten Fällen noch nicht ohne Bezuschussung betrieben werden können. Im Unterschied zur Direktvermarktung im Marktprämienmodell bleibt allerdings bei der sonstigen Direktvermarktung die Grünstromeigenschaft des direktvermarkteten Stroms erhalten. Einzig manche Wasserkraftanlagen und Onshore-Windkraftanlagen optieren für diese Form der Direktvermarktung.

Regionale Direktvermarktung (für EEG-Anlagen ausgelaufen)

Bei der regionalen Direktvermarktung über das Marktprämienmodell wurde der eingespeiste Strom aus Erneuerbaren Energien nicht an der Strombörse gehandelt, sondern an lokale Abnehmer vermarktet, die sich in räumlicher Nähe der EE-Anlage befanden. Das EEG 2017 beendete jedoch die Stromsteuerbefreiung von EEG-geförderten Anlagen in der regionalen Direktvermarktung. Daher ist davon auszugehen, dass diese Form der Direktvermarktung in Zukunft nur noch von KWKG-geförderten Anlagen durchgeführt werden wird. Mehr Informationen hierzu finden Sie auch in unserem Artikel Regionale Direktvermarktung.

Grünstromprivileg (ausgelaufen)

Die dritte Möglichkeit, die bereits im EEG 2012 an Bedeutung verloren hatte und im EEG 2014 gänzlich abgeschafft wurde, stellte das sogenannte Grünstromprivileg dar (vormals §33b Num 2 EEG 2012). Dieser Weg der Direktvermarktung von Grünstrom führte über Großhändler oder industrielle Großabnehmer abseits der Strombörse. Die Grünstromproduzenten, vor allem Betreiber von Erzeugungsanlagen mit geringer EEG-Vergütung, bekamen eine etwas höhere Vergütung als den Börsenpreis von den Abnehmern, da diese sich durch das Zusammenstellen eines Portfolios aus Grünstrom und Graustrom in einem bestimmten Verhältnis die EEG-Umlage einsparen konnten.

Marktintegrationsmodell (ausgelaufen)

Für Solaranlagen gab es nach dem EEG 2012 II die Vermarktung im sogenannten Marktintegrationsmodell für PV-Anlagen. Dieses wurde mit dem EEG 2014 jedoch wieder abgeschafft. Es ermöglichte, dass PV-Anlagen zwischen 10 kWp und 1 MWp ab dem Jahr 2014 nur 90% ihres Stromertrags über das EEG absetzen konnten - entweder über die fixe Einspeisevergütung oder über das Marktprämienmodell. Die restlichen 10% mussten ohne Förderung durch das EEG im Eigenverbrauch genutzt, über die sonstige Direktvermarktung an der Strombörse abgesetzt oder anderweitig vermarktet werden. Dies galt nur für Anlagen, deren technische Inbetriebnahme nach dem 1.4.2012 erfolgt war. Für Anlagen zwischen 10 kWp und 1 MWp, die vor dem 1.4.2012 ans Netz gegangen waren sowie für alle PV-Anlagen unter 10 kWp bzw. zwischen 1 MWp und 10 MWp galt weiterhin die 100%-Förderung durch das EEG.

Zahlen zur Direktvermarktung

Seit Einführung des Marktprämienmodells ist der Anteil der Anlagen, die ihren Strom auf diese Weise direktvermarkten, stetig und kraftvoll gewachsen. Andere Arten der Direktvermarktung sind entweder ausgelaufen (wie die Direktvermarktung zur Verringerung der EEG-Umlage nach EEG 2012 § 33b Nr. 2) oder stagnieren wie die „Sonstige Direktvermarktung“ auf niedrigem Niveau.

Entwicklung der Direktvermarktung von Strom aus Erneuerbaren Energien
Die Entwicklung der verschiedenen Arten der Direktvermarktung nach EEG seit 2012: Die Direktvermarktung nach Marktprämienmodell hat sich klar durchgesetzt.

Vermarktete Leistung im Marktprämienmodell nach Energieträgern

2012Summe Windenergie*SolarenergieBiomasseWasser
Januar130541206259933344
Februar1651515408931014346
März18908176311671110383
April19757182962381223378
Mai20953191534561344380
Juni22145198848281433392
Juli232472052612021519419
August243312131114091611425
September250942176116331700450
Oktober260752254017821753463
November272062340919611836445
Dezember278582392919931936392
* nur onshore
2013Summe Windenergie*SolarenergieBiomasseWasser
Januar285372362623792081451
Februar293202418325272154456
März298752433728542242442
April302752448430122328451
Mai311092490833262418457
Juni316442513835272510469
Juli321582535436782577549
August327222577537632664520
September333462612339412757525
Oktober340092649041492884486
November344472677942282946494
Dezember348552715342972920485
*nur onshore
2014Summe Windenergie*SolarenergieBiomasseWasser
Januar352562737143762989520
Februar358922774245523079519
März367432824147963175531
April374992860749093450534
Mai382452898650143705539
Juni388882922151913933543
Juli398382975453754130579
August406483020554884269686
September413733065656644368686
Oktober417563085257744444685
November423173125958614511686
Dezember430263186859614557641
*nur onshore
2015Summe Windenergie*SolarenergieBiomasseWasser
Januar440433260860234745668
Februar450923350961314784668
März455723382862474808690
April425243211154414354618
Mai439673313757044499627
Juni447723357959844571638
Juli455423409861944609641
August464813473964614636645
September469823500866414670663
Oktober474193538066674695676
November482783596768964735680
Dezember488633628969844760831
*nur onshore
2016Summe Windenergie*SolarenergieBiomasseWasser
Januar494723687270974867636
Februar500133729771614888667
März506893776573394902683
April513113823474714923683
Mai515273838775084945687
Juni523393891777784981662
Juli529503944378375006664
August535403982480215030665
September539674015181125039666
Oktober544254054081635055667
November547504080981935074674
Dezember551624118782355095645
*nur onshore
2017Summe Windenergie*SolarenergieBiomasseWasser
Januar559984167984785180661
Februar565864215185655191679
März571764260486755200697
April575794283788285214700
Mai583314332990645231707
Juni587974372691105249712
Juli594894426491385377710
August600364463792895394716
September606174507294225407716
Oktober611954549295645422717
November618804603396825446719
Dezember625504663097795456685
*nur onshore
2018Summe Windenergie*SolarenergieBiomasseWasser
Januar629324657699645687705
Februar6382347255101515703714
März6427547580102335727735
April6484147963103865753739
Mai6523548188105275779741
Juni6559848373106865797742
Juli6601348593108665813741
August6636148762110185839742
September6671648928111965845747
Oktober6694849112112735859704
November6727449272114205877705
Dezember67598 49432 11582 5909 675
*nur onshore
2019Summe Windenergie*SolarenergieBiomasseWasser
Januar6799949566117056029699
Februar6814049595118096043693
März6841949724119266054715
April696849566117056029699
Mai6960949932126876217773
Juni6978349959128126239773
Juli7007550086129626243784
August7055350151132286390784
September7085050242134166407785
Oktober7113850321136196412786
*nur onshore

Vermarktete Leistung in der Direktvermarktung nach Vermarktungsart

2012Direktvermarktung mit Marktprämie
nach EEG 2012 §33b
Direktvermarktung zur Verringerung der
EEG-Umlage EEG 2012 §33b
Sonstige Direktvermarktung
nach EEG 2012 §33b
Jan 13.513 1.004 150
Feb 17.007 1.075 187
Mrz 19.462 890 189
Apr 20.375 1.213 192
Mai 21.598 1.203 185
Jun 22.817 1.326 185
Jul 23.957 1.423 153
Aug 25.066 1.314 149
Sep 25.870 1.353 133
Okt 26.888 1.117 132
Nov 28.002 624 124
Dez 28.541 589 143
2013 Direktvermarktung mit Marktprämie nach EEG 2012 §33b Direktvermarktung zur Verringerung der EEG-Umlage EEG 2012 §33b Sonstige Direktvermarktung nach EEG 2012 §33b
Jan 28.834 905 144
Feb 29.616 1.052 147
Mrz 30.228 1.285 135
Apr 30.670 1.512 137
Mai 31.496 1.300 137
Jun 32.127 1.224 138
Jul 32.654 1.134 137
Aug 33.287 1.038 137
Sep 33.987 1.019 138
Okt 34.651 886 137
Nov 35.105 900 138
Dez 35.488 689 160
2014 Direktvermarktung mit Marktprämie
bis 2014: EEG 2012 §33b
ab 2014: EEG 2014 § 20
Direktvermarktung zur Verringerung der
EEG-Umlage EEG 2012 §33b, ausgelaufen mit EEG 2014
Sonstige Direktvermarktung
bis 2014: EEG 2012 §33b
ab 2014: EEG 2014 § 20
Jan 36.001 598 158
Feb 36.572 580 155
Mrz 37.432 566 188
Apr 38.228 552 190
Mai 39.030 529 168
Jun 39.792 517 160
Jul 40.739 373 163
Aug 41.570 - 176
Sep 42.294 - 181
Okt 42.677 - 177
Nov 43.237 - 172
Dez 43.943 - 205
2015 Direktvermarktung mit Marktprämie
nach EEG 2014 § 20

Sonstige Direktvermarktung
nach EEG 2014 § 20
Jan 45.859
169
Feb 46.871
132
Mrz 47.505
110
Apr 44.531
60
Mai 46.302
57
Jun 47.638
67
Jul 48.701
73
Aug 49.839
80
Sep 50504
79
Okt 50.946
77
Nov 51.808
77
Dez 52.195
90
2016 Direktvermarktung mit Marktprämie
nach EEG 2014 § 20

Sonstige Direktvermarktung
nach EEG 2014 § 20
Jan 52.994
77
Feb 53.812
77
Mrz 54.611
48
Apr 55.303
173
Mai 55.662
161
Jun 56.475
164
Jul 57.179
161
Aug 57.675
161
Sep 58.179
161
Okt 58.756
158
Nov 59.237
160
Dez 59.572
165
2017 Direktvermarktung mit Marktprämie
nach EEG 2017 § 20

Sonstige Direktvermarktung
nach EEG 2017 § 20
Jan 60.412
165
Feb 61.107
181
Mrz 61.818
164
Apr 62.354
167
Mai 63.224
157
Jun 63.847
159
Jul 64.760
183
Aug 65.151
173
Sep 65.813
172
Okt 66.744
172
Nov 67.428
177
Dez 68.099
176
2018 Direktvermarktung mit Marktprämie
nach EEG 2017 § 20

Sonstige Direktvermarktung
nach EEG 2017 § 20
Jan 68.618
211
Feb 69.509
193
Mrz 69.962
197
Apr 70.526
195
Mai 70.922
188
Jun 71.283
185
Jul 71.771
188
Aug 72.260
186
Sep 72.619
187
Okt 73.085
280
Nov 73.924
286
Dez 74.277
268
2019 Direktvermarktung mit Marktprämie
nach EEG 2017 § 20

Sonstige Direktvermarktung
nach EEG 2017 § 20
Jan 74.754
291
Feb 74.960
292
Mrz 75.244
278
Apr 76.183
209
Mai 76.503
206
Jun 76.679
208
Jul 76.991
203
Aug 78.153
202
Sep 78.726
206
Okt 79.014
207

Nutzen der Direktvermarktung Energiewende & Energiewirtschaft

Die Direktvermarktung nach dem Marktprämienmodell leistet einen entscheidenden Beitrag zur langfristigen und nachhaltigen Umsetzung der Energiewende in Deutschland. Sie überführt die Erneuerbaren Energien aus der Finanzierung durch einen gesetzlichen Vergütungsanspruch schrittweise in ein marktwirtschaftliches Umfeld.

Für die stromwirtschaftliche Zukunft Deutschland bedeutet dies:

  • Bessere Prognosen für die Netzauslastung: Durch den marktwirtschaftlichen Anreiz der Direktvermarktung wird die Erzeugung von Strom aus Erneuerbaren Energien kalkulierbarer. Diese Verbesserung beruht auf der Nutzung von optimierten Wetterprognosen sowie der Berücksichtigung von Live-Einspeisedaten dank der verpflichtenden Fernsteuerbarkeit .
  • Bessere Bilanzkreistreue und Reduzierung von Ausgleichsenergiemengen: Durch die Direktvermarktung verbessert sich die Bilanzkreistreue von Erneuerbaren Energien erheblich. Im Intraday-Handel können Fehlmengen und Überschussmengen ausgeglichen werden, was Ausgleichsenergiemengen und somit durch Erneuerbare Energien verursachte Netzschwankungen reduziert.
  • Die Direktvermarktung privatisiert die Risiken der Vermarktung: Die Kostenrisiken der Direktvermarktung werden von den Übertragungsnetzbetreibern (ÜNB) zu den Direktvermarktungsunternehmen verlagert. Privatisiert wird auch der Stromhandel: Nicht mehr die ÜNB, sondern die im Wettbewerb stehenden Direktvermarkter handeln den erzeugten Strom an der Börse.
  • Zukunftsorientierte Vermarktung: Nach dem Auslaufen der EEG-Förderungen werden freie Märkte der einzige Handelsplatz für den Verkauf von Grünstrom sein. Wer seinen Strom heute schon direktvermarktet, stellt sich frühzeitig auf die kommenden Herausforderungen des Strommarktes ein.
Linktipp in eigener Sache: Die typischen Schritte zur Direktvermarktung eines dezentralen Stromerzeugers beschreiben wir in unserem Blogbeitrag "Markttag"...
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