Direktvermarktung

Definition

Der Begriff Direktvermarktung bezeichnet den Verkauf von Strom aus erneuerbaren Energiequellen an Großabnehmer oder an der Strombörse (z.B. an der EEX in Leipzig). An der Börse wird der Grünstrom gleichberechtigt neben konventionell erzeugtem Strom gehandelt und zum selben Marktpreis verkauft.

Um Grünstrom direkt, also außerhalb der fixen EEG-Einspeisevergütung, zu verkaufen, stehen beziehungsweise standen den Produzenten laut dem Erneuerbaren Energien Gesetz drei Wege offen:

  • Betreiber von Anlagen zur Erzeugung erneuerbarer Energie können ihren Strom seit dem 1.1.2012 über das sogenannte Marktprämienmodell direktvermarkten (§20 Abs. 1 Num 1 EEG 2014, vormals §33b Num 1 EEG 2012). Die finanziellen Unterschiede zwischen dem an der Börse erzielten Strompreis und der vorherigen fixen EEG-Vergütung des Grünstroms gleicht die Marktprämie aus. Die Höhe des durchschnittlichen monatlichen Marktpreises an der Strombörse zuzüglich der Marktprämie entspricht dabei exakt der Höhe der EEG-Vergütung vor der Direktvermarktung. Dem Produzenten von Grünstrom entsteht also kein finanzieller Nachteil, wenn er sich für eine Direktvermarktung seines Stroms im Marktprämienmodell entschließt. Im Gegenteil, denn falls der Betreiber seinen Grünstrom an der Strombörse zu Spitzennachfragezeiten und zu Spitzenpreisen - also oberhalb des durchschnittlichen monatlichen Marktpreises - verkauft, fährt er sogar mehr Gewinne ein als zuvor im fixen EEG-Vergütungsmodell.
  • Darüber hinaus können Produzenten ihren Grünstrom direkt zum Marktpreis ohne weitere Förderung an der Börse verkaufen. Dieser Weg der sogenannten "sonstigen Direktvermarktung" (§20 Abs. 1 Num 2 EEG 2014, vormals §33b Num 3 EEG 2012) wird jedoch so gut wie nie begangen, da die finanziellen Unterschiede zur entgangenen EEG-Vergütung zu groß sind und EE-Anlagen in den meisten Fällen noch nicht ohne Bezuschussung betrieben werden können. Einzig manche Wasserkraftanlagen und Onshore-Windkraftanlagen optieren für diese Form der Direktvermarktung.
  • Die dritte Möglichkeit, die bereits im EEG 2012 an Bedeutung verloren hatte und im EEG 2014 gänzlich abgeschafft wurde, stellte das sogenannte "Grünstromprivileg" dar (vormals §33b Num 2 EEG 2012). Dieser Weg der Direktvermarktung von Grünstrom führte über Großhändler oder industrielle Großabnehmer abseits der Strombörse. Die Grünstromproduzenten, vor allem Betreiber von Erzeugungsanlagen mit geringer EEG-Vergütung, bekamen eine etwas höhere Vergütung als den Börsenpreis von den Abnehmern, da diese sich durch das Zusammenstellen eines Portfolios aus Grünstrom und Graustrom in einem bestimmten Verhältnis die EEG-Umlage einsparen konnten.

Verpflichtende Direktvermarktung

Bereits seit Inkrafttreten des EEG 2014 zum 1.8.2014 gilt für alle Neuanlagen eine verpflichtende Direktvermarktung, wenn die installierte Leistung der Anlage 500 kW übersteigt. Seit dem 1.1.2016 werden zusätzlich auch Anlagen mit einer installierten Leistung ab 100 kW zur Direktvermarktung verpflichtet (EEG 2014, §37). Diese verpflichtende Direktvermarktung gilt nicht für Bestandsanlagen (EEG 2014, §100, Absatz 1, Nr. 6). Für Biogas- und Biomethananlagen galt bereits eine im EEG 2012 festgelegte Direktvermarktungspflicht für Strom aus Anlagen, die nach dem 1.1.2014 ans Netz gingen und deren Leistung über 750 kW betrug. Über die verpflichtende Direktvermarktung für Neuanlagen hinaus besteht ab dem EEG 2014 zudem die verpflichtende Fernsteuerbarkeit für alle Anlagen der Erneuerbaren Energien, deren Strom direktvermarktet wird.

Marktprämienmodell als Anreiz zur Direktvermarktung

Das Marktprämienmodell reizt den Wechsel in diese Form der Direktvermarktung an, um Anlagenbetreiber schon frühzeitig an ein neues Marktumfeld zu gewöhnen, das nach Auslaufen der EEG-Vergütung der einzige Marktplatz für Grünstrom sein wird. Außerdem werden insbesondere Betreiber von leicht regelbaren Anlagen (z.B. Biogas-, Grubengas- und Klärgasanlagen) ihren Strom möglichst dann einspeisen, wenn die Nachfrage und damit der Marktpreis besonders hoch sind - gut für die Betreiber und für die deutsche Stromversorgung. Daher bietet das EEG den EE-Anlagenbetreibern, die aus dem bisherigen fixen EEG-Vergütungsmodell in das Marktprämienmodell wechseln, einige Garantien und Boni. Zum einen kann der Betreiber monatlich und unter Beibehaltung seines EEG-Bestandschutzes zwischen der Direktvermarktung und dem EEG-Vergütungsmodell wechseln. Zum anderen kann der Betreiber die Anlagenerlöse weiter erhöhen, z.B. durch die Managementprämie oder die Flexibilitätsprämie. Schließlich besteht vor allem die Option, sich durch die Direktvermarktung vom Doppelvermarktungsverbot zu befreien und seine Anlage am Regelenergiemarkt teilnehmen zu lassen, um dort weitere Gewinne zu erwirtschaften.

Eine weitere Möglichkeit der Direktvermarktung über das Marktprämienmodell liegt in der regionalen Direktvermarktung. Dabei wird der eingespeiste Strom aus Erneuerbaren Energien nicht an der Strombörse gehandelt sondern an lokale Abnehmer vermarktet, die sich in räumlicher Nähe der EE-Anlage befinden. Weitere Informationen hierzu finden Sie in unserem separaten Artikel zum Thema...

Für Solaranlagen gab es nach dem EEG 2012 II die Vermarktung im sogenannten Marktintegrationsmodell für PV-Anlagen. Dieses wurde mit dem EEG 2014 jedoch wieder abgeschafft. Es ermöglichte, dass PV-Anlagen zwischen 10 kWp und 1 MWp ab dem Jahr 2014 nur 90% ihres Stromertrags über das EEG absetzen konnten - entweder über die fixe Einspeisevergütung oder über das Marktprämienmodell. Die restlichen 10% mussten ohne Förderung durch das EEG im Eigenverbrauch genutzt, über die sonstige Direktvermarktung an der Strombörse abgesetzt oder anderweitig vermarktet werden. Dies galt nur für Anlagen, deren technische Inbetriebnahme nach dem 1.4.2012 erfolgt war. Für Anlagen zwischen 10 kWp und 1 MWp, die vor dem 1.4.2012 ans Netz gegangen waren sowie für alle PV-Anlagen unter 10 kWp bzw. zwischen 1 MWp und 10 MWp galt weiterhin die 100%-Förderung durch das EEG.

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