Ansichten eines Stromhändlers


Veröffentlicht am 10. Oktober 2017

Amani Joas, Next Kraftwerke Eine erfolgreiche Energiewende hängt von der Integration der dezentralen Energieerzeuger in das Stromsystem ab. Wie es um die Energiewende und unsere Rolle in ihr bestellt ist, wollten wir von unserem Kollegen Amani Joas, Stromhändler auf dem Trading Floor von Next Kraftwerke, wissen.

Jan Aengenvoort: Amani, lass uns zunächst ein paar Hintergründe erklären: Worin unterscheiden wir uns von konventionellen Energieversorgungsunternehmen?

Amani Joas: Als Anbieter und Betreiber eines der größten Virtuellen Kraftwerke in Europa haben wir tausende dezentrale Erzeugungsanlagen in einem zentralen Leitsystem gebündelt. Auf Basis dieser vernetzten Stromproduzenten möchten wir genug Leistung und Flexibilität für ein Europa bereitstellen, das zukünftig zu 100 Prozent aus erneuerbaren Energien versorgt werden wird. Darüber hinaus haben wir eine strikte Non-Asset-Strategie. Das bedeutet, dass unser Virtuelles Kraftwerk als eine Plattform für Anlagenbesitzer fungiert. Ähnlich wie AirBnB, das weltweit größte Hotel ohne eigene Immobilien, oder Uber, das weltweit größte Taxi-Unternehmen ohne eigene Autos, sind wir ein großes und schnell wachsendes Kraftwerk ohne selbst eine einzige Stromerzeugungseinheit zu besitzen. Wir sind lediglich die Plattform, über die verhältnismäßig kleine Anlagen an den Strommarkt gelangen.

Jan: Und warum ist Flexibilität so wichtig für unser Energiesystem?

Amani: In einem System, das aus fluktuierenden Erneuerbaren Energiequellen besteht, ist Flexibilität unabdingbar. Wind und Solarenergie sind großartige Energieträger aufgrund ihrer niedrigen Produktionskosten und ihrer Emissionsfreiheit. Für mich als Stromhändler sind Wind und Sonne jedoch eine Herausforderung, da die Ausbeute stark wetterabhängig ist. Um das Stromnetz jederzeit ausgeglichen zu halten, brauchen wir daher Flexibilität, um die Lücken der Stromproduktion von Wind und Sonne zu schließen.

Jan: Was hat das Virtuelle Kraftwerk von Next Kraftwerke mit Flexibilität zu tun?

Amani: Zum einen bieten wir die Flexibilität aus unserem Virtuellen Kraftwerk als Regelenergie an. Mit dieser können die Übertragungsnetzbetreiber (ÜNB) Überschüsse und Defizite im Netz ausgleichen. Zum anderen bieten wir Flexibilität am Markt auch proaktiv an: So speisen wir mehr Strom bei Stromknappheit und hohen Preisen ein und halten ihn zurück, wenn Strom im Überfluss vorhanden ist und die Preise niedrig sind. Wir handeln den Strom am Day-Ahead-Markt sowie an den Intraday-Märkten, wo wir von Preisunterschieden zwischen den verschiedenen Zeitperioden profitieren. In beiden Fällen lassen wir die Anlagenbetreiber an unserem Gewinn teilhaben.

Wir glauben an ein intelligentes, digitales und dezentrales Energieversorgungsnetz

Jan: Ist dezentrale Energieerzeugung wirklich das Gegenteil eines zentralen Energiesystems?

Amani: Eigentlich müsste man diese Frage mit „Es kommt darauf an“, beantworten – ich möchte es aber interessanter machen und sagen: „ Nein, es ist nicht das Gegenteil!“. Dezentralisierung ist kein Selbstzweck, sondern Ergebnis der Evolution der stromproduzierenden Technologien. An sich ist an großen und zentralen Kraftwerken nichts auszusetzen – sie sind aber meist schädlich für Umwelt und Klima. Wir müssen uns, allein um die nächsten Jahrhunderte überleben zu können, von CO2 emittierenden Kraftwerken trennen und diese sind nun einmal sehr groß, insbesondere im Vergleich zu dezentralen Anlagen zur Erzeugung von Strom aus Erneuerbaren Energien. Diese Dezentralisierung ist aber ein komplexer und schwieriger Prozess. 

Wenn wir den Wechsel zu einer dezentralen Energieversorgung vollziehen, steht eine Frage im Vordergrund: „Wie stark glaubst du an das Stromnetz?“. Ein Ansatz ist die autonome Zukunft à la Tesla, in der jeder seinen eigenen Strom in seiner eigenen PV-Anlage/Batterie-Kombination produziert und verbraucht; dies macht Stromverbraucher mehr oder weniger autark. Der andere Ansatz, nennen wir ihn „Schwarmmodell“, nutzt die positiven Netzwerk- und Poolingeffekte eines großen Stromnetzes, das aus intelligenten und erneuerbaren Quellen gespeist wird. Als Stromhändler glaube ich fest an das zweite Szenario und auch unsere Geschäftsidee basiert darauf, dass das Stromnetz eine Zukunft hat (zumindest in den industrialisierten Ländern). Die stärksten Argumente dafür liefern die Effizienzgewinne durch die Verknüpfung von Angebot und Nachfrage aus dem Strommarkt; auch die bislang noch sehr hohen Batteriekosten sind ein wichtiger Faktor.
 
Manche glauben an die Dezentralisierung in fast allen Bereichen, ich denke jedoch nicht, dass sie eine zwingende Entwicklungsrichtung darstellt: Betrachten wir beispielsweise Computer, führt der Weg von den zentralisierten IBM-Großrechnern über die dezentralen Personal Computer auf jedem Schreibtisch zur Re-Zentralisierung von Daten und Speichermöglichkeiten in der Cloud. Unser Geschäftsmodell basiert auf dieser Zentralisierung und ermöglicht gleichzeitig ein dezentrales Produktionssystem: Wir verknüpfen (zentralisieren) dezentrale Angebote und Nachfragen und verkaufen die Effizienzgewinne (Flexibilität) durch den Stromhandel am Markt.

Jan: Wird die Dezentralisierung nur die Stromproduktion umwälzen oder trifft es auch andere Geschäftsfelder der konventionellen Energieversorger?

Amani: Das hängt davon ab, wie diese reagieren. RWE und EON, die größten Versorger Deutschlands, haben seit 2007 rund 80 Prozent ihres Marktwerts verloren, das suggeriert ein deutliches „ja“. Nichtsdestotrotz kann aber keiner wissen, was passiert wäre, wenn die konventionellen Versorger die Zeichen der Zeit erkannt und angemessen reagiert hätten. Generell hat das starke Wachstum der Erneuerbaren-Energien-Anlagen zur Folge, dass die konventionellen Großkraftwerke nicht mehr ausgelastet sind und zu wenig Gewinne einfahren, was ein großes Problem für die Konzerne darstellt.

Ein Stromhändler mit einem grünen Bewusstsein

Jan: Wie integrieren wir smarte, dezentrale Energieerzeuger und intelligente Angebots-und-Nachfrage-Technologien in ein „dummes“ Stromnetz?

Amani: Indem wir das Stromnetz schlauer machen. Überall im Stromnetz befinden sich große, ungenutzte Datenmengen – diese müssen wir in Echtzeit erhalten und dem Markt bzw. dem Stromnetz anbieten. Bei Next Kraftwerke gewinnen wir diese Daten über die Next Box, die wir an fast jede Produktions- und Verbrauchseinheit anschließen. Die Next Box versorgt uns live mit Produktionsdaten, was uns ermöglicht, unser Portfolio sehr akkurat zu überwachen und zu prognostizieren. Zusätzlich können wir jede Einheit fernsteuern: Ungleichgewichte im Portfolio balancieren wir durch das Hoch- oder Herunterregeln einander ergänzender Anlagen aus; auf diesem Weg können wir den Netzbetreibern auch zusätzlich Regelenergie anbieten. Dies ist aber nur ein erster Schritt: Durch die Einführung von Smart Metern in jedem Haushalt werden sich die Möglichkeiten zur Erfassung und Analyse des Produktions- und Verbrauchsverhaltens extrem verbessern.

Jan: Wie haben die Kunden auf die Einführung dieser Technologie reagiert?

Amani: Es hat eine Weile gedauert die anfänglichen Zweifel aus dem Weg zu räumen. Einige unserer Kunden sind Anlagenbesitzer von kleinen dezentralen Kraftwerken. Sie sind beispielweise Bauern, die eine Biogasanlage besitzen und betreiben. Ein anderer Kundentyp schließt die Übertragungsnetzbetreiber mit ein, die wir mit Regelenergie versorgen. Wir mussten beide Gruppen erst einmal davon überzeugen, dass unsere Technologie in der Lage ist, zuverlässig und kurzfristig Regelleistung bereitzustellen und dass wir zusätzlich den Verwaltungsprozess abwickeln können. Beides können wir außerordentlich gut – unsere Kunden honorieren dies mit Vertrauen und Treue.

Jan: Welche Kostenersparnisse konntet ihr für unsere Kunden realisieren?

Amani: Bei den Anlagenbetreibern geht es mehr darum, neue Einkommensquellen zu schaffen als Kostenersparnisse zu realisieren. So teilen wir die Gewinne aus der Flexibilisierung der Anlagen, die ihren Strom nur bei großer Nachfrage einspeisen und teilen auch die Einkünfte aus der Bereitstellung von Ausgleichskapazität und Regelenergie. Zusätzlich haben wir Kunden auf der Verbraucherseite: So pumpt beispielweise ein Deichpumpwerk in Norddeutschland nur dann Wasser ins Meer, wenn der Strom besonders günstig ist. Durch die flexible Nachfrage können wir die Pumpen flexibel laufen lassen und nur dann, wenn der Strom an den Intraday-Märkten besonders günstig ist. 

Eine zusätzliche Kostenersparnis entsteht auf volkswirtschaftlicher Ebene: Durch die neue Konkurrenzsituation im Regelenergiemarkt sind die Preise für Regelenergie erheblich gesunken, was Netzbetreibern wie Endverbrauchern zu Gute kommt. So fielen die Preise in den letzten vier Jahren um 25 Prozent, was etwa Einsparungen in Höhe von 150 Mio. Euro entspricht.

Jan: Sind sich unsere Kunden ihrer sozialen und ökologischen Verantwortung bewusst oder agieren sie vor allem profitorientiert?

Amani: Beides trifft zu, obwohl die meisten Kunden profitorientiert agieren. Unsere Kunden sind Unternehmer und somit reagieren sie auf Anreize. Jedoch haben viele von ihnen ein grünes Bewusstsein und sind begeistert, ein Teil der Energiewende zu sein. Der persönliche Beitrag zur Stabilisierung des Stromnetzes ist sicherlich ein Grund für heimlichen und verdienten Stolz, der uns wiederum hilft.

Jan: Zu guter Letzt: Sollten Regierungen aktiv die Dezentralisierung der Energieerzeugung unterstützten oder dies der Privatwirtschaft überlassen bleiben?

Amani: Als Stromhändler möchte ich ausschließen, dass es jemals ein Energiesystem gab, das vollständig privat finanziert wurde. So wird beispielsweise das neue britische Atomkraftwerk Hinkley Point mit einer garantierten Subvention von 11 Cent pro kWh unterstützt. In Deutschland wurden zeitgleich Lizenzen für Solaranlagen versteigert, die mit nur 6 Cent pro kWh subventioniert wurden. 

Dabei sollte immer im Hinterkopf behalten werden: Konventionelle Kraftwerke bilden nie ihre teils extremen externen Kosten wie Klimaschäden oder die Entsorgung von radioaktiven Abfällen ab. Ich würde nichts mehr begrüßen als ein System, welches einen realistischen CO2-Preis und eine ehrliche Pigou-Steuer für konventionelle Kraftwerke integrieren würde. Hätten wir beides, müssten wir die Erneuerbaren Energien nicht subventionieren. Da wir jedoch nicht in dieser wundervollen, technokratischen und von Ökonomen ausgemalten Welt leben, müssen wir auf absehbare Zeit mit der zweitbesten Option – der Subventionierung der Erneuerbaren – Vorlieb nehmen. 
Wir müssen uns vor Augen führen: Wenn wir diesen Schritt nicht wagen, wird uns früher oder später der wahre Preis der konventionellen Energie schmerzlich vor Augen geführt – dies findet bereits heute in weltweit spürbaren Ansätzen statt.

Lesen Sie zum Thema auch den Beitrag "Stromhandel und seine Spuren im Netzbetrieb" bei den Energiebloggern


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Jan Aengenvoort ist bei Next Kraftwerke für die Unternehmenskommunikation zuständig. Sein Ziel ist es, das Thema der Markt- und Systemintegration der Erneuerbaren Energien über Virtuelle Kraftwerke bekannter zu machen. Außerdem weiß er mit geschultem germanistischen Auge Zeichen zu setzen – zum Leidwesen seiner Mitarbeiter immer korrekt.

Kommentare
Claus Eisgruber: (19.11.17)
Hallo Herr Amani, danke für Ihre durchdachte Antwort. Wir haben uns vielleicht Missverstanden. Aus meiner Sicht wird mit CO2-Preisen durchaus nicht die "unsichtbare Hand des Marktes" durch die "sichtbare Hand des Staates" korrigiert. Eigentumstitel im Grundbuch sind im Prinzip nichts anderes wie Emissionszertifikate. Auch sie verbriefen knappe Umweltressourcen und macht sie handelbar. CO2-Preise sind für mich ein durch und durch marktwirtschaftliches Instrument, genau wie Grundeigentum. CO2-Preise senken auf effiziente Art Emissionen. Sie mögen die beste Methode sein, dem Klima zu helfen. Sie retten aber nicht die Energiewende. Das liegt einerseits an den "versteckten" Emissionen von EE-Anlagen und andererseits an deren Abhängigkeit vom Wetter. Wenn der Wind ordentlich bläst rauscht der Marktpreis für Strom in den Keller und wird manchmal sogar negativ. Das ist jetzt schon so und wird mit jeder neu hinzu gebauten Windkraftanlage schlimmer. Petrus kümmert sich halt nicht um den Verlauf der Stromnachfrage. Mit steigendem CO2 Preis mag der durchschnittliche Strompreis steigen und damit die EEG Umlage sinken. Insoweit stimme ich Ihnen zu. Leider werden auch der Preis für Regelenergie und die Preisschwankungen am Strommarkt zu nehmen. Teilllast- bzw. "Stop and go"-Betrieb mindert den Wirkungsgrad der Kraftwerke. Bei steigendem CO2-Preis werden Kraftwerke vermehrt im optimalen Punkt betrieben, sodass die schwankende Produktion der EE-Anlagen noch stärker auf den Preis durchschlagen wird. EE-Anlagen würden das schmerzhaft zu spüren bekommen. Hinzu kommt, dass auch konventionelle Technik immer besser wird. Ein modernes Kohlekraftwerk emittiert je Kilowattstunde Strom rund 30 % weniger CO2 als ein vergleichbares Kraftwerk aus den 80er Jahren. In einem modernen mit Erdgas befeuerte Kraftwerk wird sogar rund 60% weniger CO2 frei. Damit ist das Ende des technisch Möglichen gewiss noch nicht erreicht. Die Kreativität der Leute kennt keine Grenzen, wenn sie mit monetären Anreizen angestachelt wird. Maisfelder für Biogas und Biosprit drängen die Produktion von Nahrungsmitteln auf ungünstigere und weiter entfernte Flächen. Dadurch braucht's mehr Diesel für Traktoren und Transport und auch Dünger setzt Treibhausgase frei. Vielleicht werden die Leute weniger Essen damit Bioenergie klimaschonend angebaut werden kann? Wie das raus finden? Um wie viel EE-Anlagen die CO2-Emissionen unterm Strich mindern ist meines Erachten unerforschlich. Ich glaube aber schon, dass etliche EE-Anlage ein bisschen was bringen. In der Regel tun sie dies aber zu enormen Kosten je Tonne CO2. Bei Einsatz marktwirtschaftlicher Instrumente werden aber leider zunächst die "low hanging fruits" geerntet. Die wenigsten EEG Anlagen könnten überleben, geschweige denn neu gebaut werden. Da sind die Gründe, weshalb ich glaube, wenn wir die Energiewende retten wollen, dann brauchen wir dazu planwirtschaftliche staatliche Eingriffe nach der Art des EEG, des EEWärmeG, des EnEV, Quotenregelungen, Subventionen,Verboten, Geboten etc. Außerdem finden die meisten Leute das Kaufen von "Verschmutzungsrechten" schon vom Gedanke her widerwärtig. Ein sich für CO2-Preise engagierender Politiker mag den Ludwig Erhard Preis gewinnen aber sicherlich keine Wahl.
Amani Joas: (13.11.17)
Hallo Herr Eisgruber, zunächst einmal vielen Dank für Ihr Interesse an unserem Artikel. Ich bin vollkommen ihrer Meinung, dass im Status Quo die Energiewende nicht von der „unsichtbare Hand des Marktes“ geleitet werden kann. Bei CO2 Emissionen und anderen Externalitäten liegen Marktversagen vor, die teilweise durch CO2 Preise/Pigou Steuern gelöst werden können. Dabei handelt es sich ja um einen (aus meiner Sicht gerechtfertigten) staatlichen Eingriff. Sie haben auch recht, dass CO2 Preise deutlich höher liegen müssten um im Strommarkt den Switch von der Kohle auf die EE zu bewirken. Jedoch sparen EEs selbstverständlich CO2 ein, da sie keine fossilen Brennstoffe verbrennen. Täten sie das nicht, wäre ihr Einsatz in der Tat höchstfraglich. Da die Energiewende mehr Ziele verfolgt als CO2 Reduktion (z.B. den Atomausstieg) denke ich ferner, dass ein weiteres Spektrum an staatlichen Maßnahmen als CO2 Preise/Pigou Steuern hilfreich wären. Jedoch ist das derzeitige Fördersystem so angelegt, dass mehr subventioniert werden muss je geringer die Preise am Strommarkt sind. Da höhere CO2 Preise zu höheren Strompreisen führen hat das eine direkte Auswirkung auf die direkten EEG Förderungen. Sprich: Umso höher CO2 Preise, umso weniger muss man die EEs subventionieren. Diesen Mechanismus begrüße ich und fordere dementsprechend deutlich höhere CO2 Preise, die z.B. durch eine Absenkung des CAP erreicht werden könnten.
Claus Eisgruber: (16.10.17)
Ich glaube Herr Amani nicht, wenn er meint, wir müssten erneuerbare Energien nicht mehr subventionieren, wenn wir einen realistischen CO2-Preis oder Pigou Steuer hätten. Teilt man die EEG Subventionen durch die dadurch vermiedenen CO2 Emissionen, so kommt man auf einen Preis von etwa 140 EUR je Tonne. So hoch müsste der CO2 Preis steigen, damit sich die Erneuerbaren in einem marktwirtschaftlichen Sinn lohnen würden. Ein so hoher CO2-Preis würde aber die Kreativität der Leute anregen, sodass sie auf unzählige Arten CO2 Emissionen mindern würden. Erneuerbare Strom- oder Wärmeerzeugung wäre nur ab und zu das Mittel der Wahl. In einer Marktwirtschaft setzen sich in der Regel die Mittel durch, die beim geringsten Aufwand den größten Nutzen bringen. Rechnet man "versteckte Emissionen" wie Schlepper-Diesel für Biogas-Maisfelder oder der Mehrverbrauch von konventionellen Kraftwerken die Böen und Flauten im ineffizienten"Stopp-and-Go" Betrieb ausregeln müssen, hinzu, dann sparen viele Erneuerbare Anlagen kaum oder gar kein CO2. Solchen Anlagen würde ein hoher CO2- Preis überhaupt nichts bringen, im Gegenteil. Aus meiner Sicht klappt die Energiewende nur, wenn sie als eigenständiges Ziel - unabhängig von irgendwelchen Emissionsreduktionen - möglichst für alle EU Länder gesetzt ist. Sie muss mit Subventionen und/oder gesetzlichen Vorschriften durchgesetzt werden. Ein realistischer CO2 Preis, der externe Kosten internalisieren will, ist nicht geeignet. Die "unsichtbare Hand des Marktes" taugt für die Energiewende nicht. Es braucht die sichtbare Hand des Staates.

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