Was ist die verpflichtende Fernsteuerbarkeit von EEG-Anlagen?

Definition

Zur weiteren Systemintegration von Erneuerbaren Energien Anlagen, hat das EEG 2014 eine verpflichtende Fernsteuerbarkeit von allen Anlagen in der Direktvermarktung festgelegt. Diese gilt für alle Energieträger der Erneuerbaren Energien. Mit dieser Maßnahme möchte der Gesetzgeber der Gefahr negativer Börsenpreise durch eine hohe Einspeisung volatiler Energieträger entgegenwirken. Nach welchem Verfahren die Fernsteuerbarkeit nachgewiesen werden muss, wird noch von der Bundesnetzagentur festgelegt. Nach § 20 (1) Nummer 3 des EEG 2017 kann festgehalten werden, dass Anlagen über eine Fernwirktechnik verfügen müssen, mit der die Produktionsleistung der Anlage reduziert werden kann. Zudem muss dem Direktvermarkter die Befugnis eingeräumt werden, jederzeit die Ist-Einspeisung abzurufen und die Einspeiseleistung für eine bedarfsgerechtere Einspeisung entsprechend zu reduzieren.

Rahmenbedingungen der verpflichtenden Fernsteuerbarkeit

Die verpflichtende Fernsteuerbarkeit regelt die gesetzliche Vorgabe für Anlagenbetreiber, dass deren vermarktete Stromproduktionsanlagen aus Erneuerbaren Energien durch ein „Direktvermarktungsunternehmer oder eine andere Person“ (EEG § 20 (3) Nummer 1) zu jeder Zeit aus der Ferne bedarfsgerecht regelbar sein müssen. Des Weiteren besteht die Verpflichtung Livedaten, also die eingespeiste Ist-Leistung, an den Direktvermarktungsvertreter zu übermitteln. Diese Vorgaben sind Voraussetzung, um während der gesamten Vermarktungszeit die volle Vergütung zu erhalten. Diese setzt sich aus der Summe von Börsenerlös und Marktprämie zusammen.

Die Fernsteuerbarkeit wird mittels einer gesicherten Kommunikationsschnittstelle zwischen Direktvermarkter und Anlagensteuerung hergestellt. Diese Schnittstelle muss über zulässige Übertragungstechniken und Übertragungswege verfügen, um den Zugriff durch Unbefugte auf die Anlagensteuerung zu verhindern. Dabei ist auf die Standards und Empfehlungen des Bundesamtes für Sicherheit und Informationstechnik zu achten.

Warum ist die verpflichtende Fernsteuerbarkeit wichtig?

Die verpflichtende Fernsteuerbarkeit ist keine Schikane der Verteilnetzbetreiber oder der Direktvermarkter. Sie ist vielmehr wichtig zur Erhaltung der Netzstabilität, sowie für relevante Marktmechanismen (beispielsweise der 6-Stunden-Regel) hinsichtlich einer wachsenden Anzahl von EE-Anlagen im europäischen Strommix.

Mit einer aktiven Fernsteuerung geht eine steigende Flexibilität der Anlagen einher. Diese ist in Bezug auf die Volatilität von Anlagen in der Direktvermarktung (Wind- oder PV-Anlagen) wichtig. Durch die wetterabhängige Stromeinspeisung eben dieser volatilen Energieträger, kann es zu nicht prognostizierten Abweichungen kommen, welche sich direkt auf den Strompreis an den Börsen auswirken. Fällt der Börsenpreis durch die volatile Einspeisung sogar in den negativen Preisbereich, erzielt der vermarktete Strom keinen Erlös mehr. Kommt es darüber hinaus zu einem negativen Strompreis in sechs aufeinanderfolgenden Stunden, so erhalten die Anlagen rückwirkend ab der ersten Stunde mit negativen Strompreisen keine Marktprämie. Um negative Strompreise und die 6-Stunden-Regel zu verhindern, ist eine Regelung in Echtzeit notwendig. Das heißt, der Direktvermarkter bringt mit Hilfe der Fernsteuerbarkeit Erzeugung und Verbrauch wieder ins Gleichgewicht.

Seit wann gilt die verpflichtende Fernsteuerung?

  • Bei Bestandsanlagen musste dies bis zum 1. April 2015 erfolgt sein, um die Marktprämie weiterhin in Anspruch nehmen zu können.
  • Alle Neuanlagen in der Direktvermarktung, die nach dem 1. August 2014 in Betrieb genommen werden, müssen zu Beginn des zweiten Monats nach Inbetriebnahme eine Fernsteuerbarkeit nachweisen.

Mit dem EEG 2017 haben sich keine Änderungen bei der verpflichtenden Fernsteuerung von Anlagen zur Erzeugung von Strom aus Erneuerbaren Energien ergeben.

Umsetzung der verpflichtenden Fernsteuerbarkeit

Für die Bereitstellung der verpflichtenden Fernsteuerbarkeit ist eine gesicherte Schnittstelle seitens des Anlagenbetreibers notwendig. Diese wird im Normalfall gemeinsam mit dem Direktvermarkter (z.B. Next Kraftwerke Gmbh) geplant und umgesetzt. Eine Internetverbindung mit ausreichender Verbindungsqualität und Datenvolumen, sowie die geeignete Hardware für die Anlagensteuerung und den Fernzugriff (z.B. Datenlogger mit Direktvermarktungsschnittstelle) sind hierfür erforderlich. Mit Hilfe der Anlagensteuerung kann der Direktvermarkter über gesicherte Kommunikationswege, beispielsweise über eine VPN Verbindung (OpenVPN, IPsec), auf die Anlage zugreifen.

Nach der Einrichtung des Fernzugriffs muss getestet werden , ob die Anlage auch tatsächlich Live-Daten übermittelt und eine Regelung seitens des Direktvermarkters zulässt. Dies erfolgt durch einen sogenannten Abschalttest. Hierbei reduziert der Direktvermarkter testweise die Anlagenleistung, etwa durch Ansteuern der PV-Wechselrichter. Die Anlagensteuerung muss diese Leistungsreduzierung zeitnah (innerhalb von Sekunden bis wenigen Minuten) umsetzen, um eine schnelle Anpassung der Leistung im Regelfall durch den Direktvermarkter sicherzustellen. Nach erfolgreicher Testierung der Regelbarkeit der Anlage, erstellt die prüfende Instanz im Folgenden einen Fernsteuerbarkeitsnachweis, welcher sowohl dem Anlagenbetreiber, als auch dem Verteilnetzbetreiber bescheinigt, dass die Anlage über die verpflichtende Fernsteuerbarkeit verfügt.
Nach §20 EEG besteht die Möglichkeit mehrere Anlagen über den gleichen Verknüpfungspunkt mit derselben technischen Fernsteuerungseinrichtung anzubinden, wenn für alle Teilanlagen die geforderte Leistungsübertragung und Leistungsregulierung ordnungsgemäß funktioniert.

Wichtig und unbedingt bei der Fernregulierung einzuhalten, ist, dass der Fernzugriff des Direktvermarkters nicht über die gleiche Verbindungsschnittstelle arbeitet, wie die Steuerung des Netzbetreibers. Die Fernsteuerbarkeit darf laut EEG das Einspeisemanagement des Netzverantwortlichen nach § 14 EEG nicht behindern oder einschränken.

Fernsteuerbarkeit frühzeitig angehen

Es empfiehlt sich die Herstellung der Fernsteuerbarkeit frühzeitig anzugehen, um nicht durch Engpässe bei Lieferanten und Installateuren zu riskieren, dass eine fristgerechte Umsetzung nicht erfolgen kann. Aufgrund der existierenden Wechselfristen zwischen Direktvermarktung und fixer Einspeisevergütung kann es im ungünstigsten Fall sonst zu einem Vergütungsstopp kommen.

Hinsichtlich der Fristen zur verpflichtenden Fernsteuerbarkeit wird zwischen Bestandsanlagen und Neuanlagen unterschieden:

  • Bei Neuanlagen muss die Fernsteuerbarkeit zum übernächsten 1. Monatstag nach Inbetriebnahme bestehen – speist die Anlage beispielsweise ab dem 14.05. ein, muss die Fernsteuerbarkeit zum 01.07. bestehen.
  • Bei Bestandsanlagen (Anlagen, bei welchen der Direktvermarkter gewechselt wird) muss zu Beginn der Direktvermarktung die Fernsteuerbarkeit gegeben sein.

Hinzu kommt noch, dass der Strom aus Neuanlagen mit einer installierten Leistung über 500 kW seit dem EEG 2014 direktvermarket werden muss. Ab dem 1. Januar 2016 werden auch Neuanlagen mit einer installierten Leistung ab 100 kW zur Direktvermarktung verpflichtet (EEG 2014, §37). Bei diesen Anlagen besteht keine Möglichkeit für einen Wechsel in die fixe Einspeisevergütung. Die verpflichtende Direktvermarktung gilt jedoch nicht für Bestandsanlagen. (EEG 2014, §100, Absatz 1, Nr. 6).

Mit der verpflichtenden Fernsteuerbarkeit von allen EE-Anlagen entfällt auch der ehemalige Fernsteuerbonus. Dieser ist nun in die Marktprämie integriert. Wichtig ist weiterhin, dass die Fernsteuerbarkeit über die gesamte Vermarktungszeit dauerhaft und in Echtzeit gegeben ist. Besteht keine stetige Verbindung zu den entsprechenden Energieträgern kann dies im Extremfall zum Verlust der Marktprämie führen. Hintergründe hierfür sind die bereits beschriebenen Marktmechanismen und Netzstabilitätsvorgaben.

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