Was ist Sekundärregelleistung (SRL)?

Definition

Auch die Sekundärreserve (oder "Sekundärregelleistung", abgekürzt SRL) dient der Netzfrequenzstabilität. Sie wird angefordert, wenn die Normalfrequenz von 50 Hertz in einem der vier bundesdeutschen Übertragungsnetze aufgrund von Lastschwankungen nicht gehalten werden kann.

Sekundärregelleistung im Unterschied zur Primär- und Minutenregelleistung

Im Gegensatz zur Primärreserve wird die Sekundärreserve nicht gemeinsam im europäischen Verbund bereitgestellt, sondern separat von jedem der vier Übertragungsnetzbetreiber (Abkürzung: ÜNB) . Diese sind allerdings zum gegenseitigen Austausch von aktuellen Informationen zur jeweiligen Netzsituation in ihren Bereichen verpflichtet, um ein koordiniertes Zusammenwirken gegen Netzschwankungen zu ermöglichen. Würden die vier ÜNB den Netzschwankungen nicht koordiniert entgegenwirken, käme es in Fällen, in denen in einem Übertragungsnetz eine Unterfrequenz vorhanden ist, während in einem anderen Übertragungsnetz zu viel Strom in den Leitungen ist, zu einem ineffizienten Gegeneinander zwischen den Übertragungsnetzen. In dem einen Netz würde über die Sekundär- oder Minutenreserve mehr Strom abgerufen werden, während im anderen Netz die Produktion heruntergeregelt werden müsste. Durch die Koordinierung der Netzbetreiber und die sogenannte "Ausregelung" über die Grenzen der einzelnen Übertragungsnetze hinweg können die Schwankungen jedoch glücklicherweise viel effizienter ausgeglichen werden.

Aktivierung der Sekundärreserve

Die Sekundärreserve muss von den Übertragungsnetzbetreibern innerhalb von 5 Minuten bereitgestellt werden, um die Primärreserve bei Netzschwankungen abzulösen. Alle teilnehmenden Anbieter sind in der Sekundärreserve über eine Kommunikationsverbindung mit der Leitwarte des jeweiligen Übertragungsnetzbetreibers verbunden und tauschen Daten in Echtzeit aus. Jeder ÜNB betreibt einen eigenen Leistungsfrequenzregler, der einen Sekundärreserveabruf vollautomatisiert auf die bezuschlagten Anbieter verteilt. Wie in der Primärreserve müssen potentielle Anbieter von Sekundärreserve einen Rahmenvertrag mit dem jeweiligen Übertragungsnetzbetreiber schließen, nachdem sie einen Präqualifikationsprozess durchlaufen haben. In der Sekundärreserve liegt die Mindestangebotshöhe für jeden einzelnen Teilnehmer bei 5 MW. Für die Teilnahme an der Sekundärreserve ist es notwendig, dass die gesamte Angebotsleistung eines Teilnehmers innerhalb von fünf Minuten vollständig aktiviert werden kann. Zusätzlich muss eine Reaktion von 1 MW der abgerufenen Leistung bereits 30 Sekunden nach einer Aktivierung zu erkennen sein.

Auktion der Sekundärregelleistung

Die Auktion der Sekundärreserve findet, ebenso wie die der Primärreserve, wöchentlich statt und wird über die gemeinsame Internetplattform der ÜNB ausgetragen. Die Auktionsteilnehmer müssen hierbei nicht nur die Höhe des Gebotes abgeben, sondern auch definieren, ob es sich um negative oder positive Regelleistung handelt, da diese separat voneinander ausgeschrieben werden und auch separat erbracht werden. Zusätzlich ist der Ausschreibungszeitraum in zwei Zeitscheiben (Hauptzeit und Nebenzeit) aufgeteilt. Die Zeitscheibe der Hauptzeit (HT) verläuft über die Zeit von Montag bis Freitag zwischen 8.00-20.00 Uhr. Die übrige Zeit der Woche, einschließlich aller deutschlandweiten gesetzlichen Feiertage, fällt in die Nebenzeit (NT).

Sekundärreserve wird bisher zumeist von gut regelbaren und vollautomatisch schaltbaren Kraftwerken, wie z.B. Pumpspeicherkraftwerken oder Gasturbinen, bereitgestellt. Neuerdings steuern allerdings auch Virtuelle Kraftwerke aus Biogasanlagen oder BHKWs Sekundärregelleistung zur Netzstabilität hinzu. Bei Netzschwankungen, die länger als 15 Minuten andauern, wird die Sekundärreserve übrigens von der Minutenreserve abgelöst.

Preise der Sekundärregelleistung

Da sich die Vergütung der Sekundärreserve in Leistungspreis und Arbeitspreis aufteilt, müssen für ein Gebot beide Preise bei Auktionsabgabe angegeben werden. Der Leistungspreis gibt hierbei einen Festpreis an, den der jeweilige Teilnehmer für die Bereitstellung von Sekundärreserve benötigt. Der Arbeitspreis umschreibt die Vergütung für die später während des Angebotszeitraums tatsächlich erbrachte Arbeit.

Leistungspreis

Anlagenbetreiber erhalten für die Bereitschaft, im Notfall ihre Anlagen hoch- oder runterzufahren, einen Leistungspreis. Der Leistungspreis ist also eine Bereitschaftsvergütung für die Vorhaltung von Leistung. Er wird in einem Pay-as-Bid-Verfahren bestimmt. Das bedeutet, dass jeder Anbieter die Höhe seines eigenen Leistungspreises entsprechend seinen Kosten der Bereitstellung selbst bestimmen kann.

Nach Ablauf der Ausschreibung (jeden Mittwoch der Vorwoche bis 15:00 Uhr), sortieren die ÜNB alle Gebote anhand der gebotenen Leistungspreise in einer Merit-Order-Liste (MOL) vom niedrigsten zum höchsten Gebot an. Beginned mit dem niedrigsten Preis bezuschlagen sie so viele Anlagen für den Bereitstellungspool von Minutenreserve bis ihre vorher ausgeschriebenen Bedarfe gedeckt sind. Die Bedarfe werden von den ÜNB quartalsweise angepasst und liegen derzeit (Q4 2015) bei 2.057 MW in der positiven SRL und 2.002 MW in der negativen SRL. Aus dem so entstandene Bereitstellungspool wird in einem zweiten Schritt die tatsächlich benötigte Regelarbeit abgerufen, die mit dem Arbeitspreis vergütet wird.

Entwicklung Leistungspreis negative Sekundärreserve SRL Die Graphik zeigt den durchschnittlichen Leistungspreis für jedes bereitgestellte MW, wenn eine Anlage einen ganzen Monat lang in der positiven SRL Leistung vorhält. Das bedeutet, dass ein Anlagenbetreiber dafür Zusatzerlöse erwirtschaften kann, dass er einen Teil seiner Anlagenleistung für die positive SRL zurückhält.
Entwicklung Leistungspreis negative Sekundärreserve SRL Die Graphik zeigt den durchschnittlichen Leistungspreis für jedes bereitgestellte MW, wenn eine Anlage einen ganzen Monat lang in der negativen SRL Leistung vorhält. Das bedeutet, dass ein Anlagenbetreiber, der seine Anlage wie gewohnt fahren lässt, für die reine Bereitstellung eines Teils seiner Leistung für negative SRL bereits Zusatzerlöse erwirtschaften kann, ohne dass es zu einem tatsächlichen Abruf und damit einer Abregelung seiner Anlage kommt. Die Fahrweise seiner Anlage ist also zunächst nicht beeinflusst.

Die Leistungspreise schwanken enorm in Abhängigkeit von Marktentwicklungen und saisonalen Gegebenheiten. Insgesamt ist jedoch über die vergangenen Jahre ein sinkender Trend der durchschnittlichen Leistungspreise zu erkennen. Ein Grund hierfür ist unter anderem, dass durch die Senkung der Eintrittshürde in den Regelenergiemarkt auf 5 MW mittlerweile wesentlich mehr Teilnehmer am Regelenergiemarkt agieren: So ist das gesamte Angebot an Regelenergie gestiegen und damit sind die Preise gefallen. Somit sind auch die Kosten für die Regelenergievorhaltung gesunken, was die Netzentgelte reduziert, die die Endverbraucher zahlen.

Arbeitspreis

Wenn ein Pool oder eine Anlage von den ÜNB über die Leistungspreis-MOL in den Bereitstellungspool gewählt wurde, entscheiden die Arbeitspreise über einen tatsächlichen Abruf der Anlagen. Sie werden ebenfalls wie die Leistungspreise über ein Pay-as-Bid-Verfahren bestimmt, sodass jeder Anbieter seinen eigenen Arbeitspreis festlegen kann. Die Arbeitspreisgebote werden dann wieder in einer Merit-Order-Liste vom niedrigsten zum höchsten Gebot angeordnet und beginned mit dem niedrigsten Preis je nach Bedarf an Sekundärreserve abgerufen. Bei einem Abruf erhält der Anbieter dann den Arbeitspreis, den er geboten hat.

Über das beschriebene Pay-as-Bid-Auktionsverfahren wird gewährleistet, dass die Vorhaltung und Erbringung von Sekundärreserve für die ÜNB so günstig wie möglich bleibt, da kostengünstige Anlagen im Abruffall dank der Merit-Order-Liste bevorzugt abgerufen werden. Das bedeutet aber auch, dass die Anlagen mit den teuersten Arbeitspreisen, die in der Merit-Order-Liste weit hinten stehen, selten abgerufen werden, und daher häufig nicht in die Kosten von Regelenergieabrufen einfließen. Aus diesem Grund erlauben die durchschnittlichen Arbeitspreise (im Gegensatz zu den durchschnittlichen Leistungspreisen) keine Aussage über die tatsächlichen Kosten der Regelenergieabrufe, weshalb wir sie hier nicht graphisch darstellen.

Kosten der Sekundärregelleistung

Die Sekundärreserve hat den größten Anteil an den Regelenergiekosten: Mit 49 Prozent der Zahlung stellt sie die Hauptregelenergieart dar, allerdings mit leicht fallender Tendenz. Entfielen 2014 noch 52 Prozent der Kosten auf die SRL, waren es 2015 nur noch 49 Prozent.

Die Kosten für alle Regelleistungsarten (PRL, SRL und MRL) gingen von 437 Mio. Euro in 2014 um 121 Mio Euro auf 315 Mio Euro in 2015 zurück. Der größte Teil des Einbruchs entfiel dabei auf die SRL, deren Kosten um 72,8 Mio Euro von 227,6 Mio. Euro in 2014 auf 154,8 Mio. Euro in 2015 zurückgingen.
(Quelle: Monitoringbericht der BNetzA 2016)