Was ist der SAIDI?

Definition

Der System Average Interruption Duration Index gibt die jährliche Stromunterbrechung im Nieder- und Mittelspannungsnetz an. Ein jährlicher Bericht deutscher Übertragungsnetzbetreiber enthält Zeitpunkt, Dauer, Ausmaß und Ursache der Versorgungsunterbrechung. Der daraus ermittelte SAIDI-Wert gibt die durchschnittliche Versorgungsunterbrechung je angeschlossenem Letztverbraucher in Minuten an.
Entwicklung des SAIDI Index in Deutschland seit 2006

Wer erstellt den SAIDI?

Der SAIDI für Deutschland wird von der Bundesnetzagentur erstellt und erscheint in ihrem jährlichen Monitoringbericht.

Welche Ursachen für Versorgungsunterbrechung fließen mit ein?

Einem Stromausfall können grundsätzlich unterschiedliche Ursachen zugrunde liegen. Zum einen sind es Naturkatastrophen und Wettereinflüsse allgemein, die eine Unterbrechung der Versorgung herbeiführen können. Diese Ursachen von Stromausfällen sind, so das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe, tendenziell zunehmend, fließen allerdings nicht in die Berechnung des SAIDI mit ein.  Des Weiteren sind technisches und menschliches Versagen als Ursachen möglich. Dazu zählen beispielsweise Unterbrechungen, die auf die Zuständigkeiten der Netzbetreiber, Einwirken Dritter, oder auf aus anderen Netzen rückwirkende Störungen zurückzuführen sind. Unterbrechungen dieser Art werden bei der Berechnung berücksichtigt. Die Unterbrechung muss zudem länger als drei Minuten dauern.

Ist der Wert des SAIDI in den letzten Jahren gestiegen?

Der Anteil der Erneuerbaren Energien am Strommix wächst und damit der Anteil volatiler Einspeiser wie Solar- und Windkraftanlagen. Daher stellt sich die Frage, ob auch der Wert des SAIDI in den letzten Jahren gestiegen ist. Doch entgegen der Vorurteile, die Erneuerbaren machten das Stromnetz instabil, ist in den vergangenen Jahren ein gegensätzlicher Trend zu beobachten: Die Dauer der Versorgungsunterbrechung ist langfristig rückläufig, der SAIDI ist über die Jahre hinweg immer weiter gesunken. Im aktuellsten Berichtsjahr 2020 hat der Wert mit durchschnittlich 10,73 Minuten ein Rekordtief erreicht und sich im Vergleich zu 2006 halbiert, wenn auch die Anzahl der Meldungen über Versorgungsunterbrechungen leicht gestiegen ist. „Die Energiewende und der steigende Anteil dezentraler Erzeugungsleistungen haben weiterhin keine negativen Auswirkungen auf die Versorgungsqualität.“, versichert Jochen Homann, Präsident der Bundesnetzagentur.

Kein Zusammenhang zwischen hohem EE-Anteil und schlechtem SAIDI

Zwischen einem schlechten SAIDI-Wert und einem hohen Anteil Erneuerbarer Energien am Stromsystem eines Landes besteht kein Zusammenhang, wie die folgende Grafik und die Tabelle verdeutlichen. So sind eher Faktoren wie die wirtschaftliche oder politische Entwicklung und der Ausbau der Energieinfrastruktur entscheidend. Insbesondere Länder in Osteuropa, wie Polen und Ungarn, wiesen im Jahr 2020 hohe SAIDI-Werte auf – Sie beziehen jedoch nur in etwa 12 bzw. 15 Prozent ihres Stroms aus Erneuerbaren Energien. Malta, das europäische Land mit dem geringsten Anteil an Erneuerbaren Energien, kommt auf den viertschlechtesten SAIDI-Wert im europäischen Vergleich. Österreich und Schweden hingegen, welche europaweit zu den Ländern mit dem höchsten Einsatz Erneuerbarer Energien zählen, führen auch die SAIDI-Liste mit guten Werten weit über dem Durchschnitt an.

SAIDI compared to share of renewable energies in Europe

Tabelle: SAIDI-Werte im europäischen Vergleich (2020)

Länder Einwohner (in Mio.) SAIDI (in Stunden) EE-Anteile am Bruttoendstromverbrauch (in Prozent)
Belgien 11,5 0,41 26,12
Dänemark 5,8 0,5 78,21
Deutschland 83,2 0,25 44,90
Estland 1,3 0,3 35,21
Finnland 5,5 0,2 49,94
Frankreich 67,3 0,35 23,32
Griechenland 10,7 1,57 35,91
Irland 5 0,8 40,74
Italien 59,6 1,3 43,17
Kroatien 4,1 3,3 64,07
Lettland 1,9 0,4 57,54
Litauen 2,8 0,4 57,54
Luxemburg 0,6 0,36 71,53
Malta 0,5 0,77 10,12
Niederlande 17,4 0,78 25,21
Norwegen 5,4 1,5 98,79
Österreich 8,9 0,63 79,27
Polen 38 1,13 11,91
Portugal 10,3 0,54 58,83
Rumänien 19,3 3,08 43,87
Schweden 10,3 0,61 67,62
Slowakei 5,4 0,88 25,98
Slowenien 2,1 0,13 33,29
Spanien 47,3 0,51 43,46
Tschechien 10,7 0,48 12,09
UK 67 0,28 42,30
Ungarn 9,8 2,56 14,65
Zypern 0,9 0,55 11,19

Quellen:

Bevölkerungszahlen: Eurostat © Europäische Union 1995 – heute

World Bank Group, Doing Business project (http://www.doingbusiness.org/)

Our world in Data (https://ourworldindata.org/)

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