Was ist der Regelarbeitsmarkt?

Definition

Der Regelarbeitsmarkt (RAM) wurde in Deutschland im November 2020 eingeführt. Während Regelenergie zuvor nur an einer einzigen Handelsplattform auktioniert wurde, findet der Handel von Regelleistung und Regelarbeit nun an zwei voneinander unabhängigen Energiemärkten statt. Auf den Regelleistungsmarkt (RLM), auf dem es um die Sicherung der Vorhaltung geht, folgt der Regelarbeitsmarkt (RAM), auf dem sich entscheidet, ob die vorgehaltene Leistung auch tatsächlich abgerufen wird. Denn hier sind auch Teilnehmer mit kurzfristig verfügbaren Kapazitäten zugelassen, die nicht am RLM teilgenommen haben.
Ausgangspunkt der Markteinführung ist eine Zielvorgabe der Electricity Balancing Guideline (GL EB), die die Angleichung von europäischen Regelenergiemärkten anstrebt. Die ÜNB versprechen sich durch den RAM einen effizienteren Wettbewerb sowie größere Marktchancen für flexible und umweltfreundliche Energieproduzenten.

Wie funktioniert der RAM?

Durch die Einführung des RAM wurde ein zusätzlicher Markt geschaffen: Neben dem Regelleistungsmarkt gibt es nun mit dem Regelarbeitsmarkt eine weitere Handelsplattform für Regelenergieprodukte. Der RAM gilt jedoch ausschließlich für die Produkte Sekundärreserve (SRL)/ automatic Frequency Restoration Reserves (aFRR) und Minutenreserve (MRL)/ manual Frequency Restoration Reserves (mFRR). Bei der Primärreserve (PRL)/ Frequency Containment Reserves (FCR) wird weiterhin nicht zwischen Regelleistung und Regelarbeit unterschieden, es ändert sich demnach nichts am Angebotsverfahren.
Mussten sich Anbieter von SRL und MRL bisher zuerst in der Leistungspreisauktion durchsetzen, um überhaupt in die Arbeitspreisauktion zu kommen, können sie nun direkt Arbeitsgebote auf dem Regelarbeitsmarkt anbieten, auch wenn sie zuvor keinen Zuschlag auf dem Leistungsmarkt erhalten haben. So können nun Regelenergieteilnehmer auch nach Ablauf der Leistungspreisauktion über sogenannte free bids, also leistungspreisfreie Gebote, an der Regelarbeitspreisauktion teilnehmen und so die Vergabe der Regelarbeit beeinflussen.
In der Regelarbeitspreisauktion wird nun eine Merit-Order aller (erfolgreichen) Gebote aus beiden Auktionen gebildet, bei der die günstigsten Gebote bezuschlagt und bei Bedarf seitens der ÜNB abgerufen werden. Die Bezuschlagung erfolgt weiterhin nach der Höhe des Gebotspreises, also im pay-as-bid-Verfahren.

Hierzu ein Beispiel:
  • Betreiber A einer Biogasanlage bietet am Regelleistungsmarkt eine bestimmte Menge SRL an. Hierfür gibt er sowohl einen Leistungspreis, als auch einen Arbeitspreis an. Nach Ende der Regelleistungsauktion wird der Betreiber für den angegebenen Regelleistungspreis bezuschlagt, da dieser noch im auktionierten Bereich der Merit-Order ist. In der zweiten Auktion, der sogenannten Regelarbeitsmarktauktion, erhält er für seine angebotene Energie jedoch keinen Zuschlag weil:
  • Besitzerin B eines Batteriespeichers kurzfristig verfügbare Strommengen durch free bids auf dem Regelarbeitsmarkt geboten hat, ohne zuvor am Regelleistungsmarkt teilzunehmen. Da ihr Arbeitspreis günstiger ist als der von Betreiber A, fällt der Arbeitspreis von A hinter den Markträumungspreis. Betreiber A erhält nun den gebotenen Leistungspreis, ohne dass seine Anlage abgerufen werden kann.
  • Somit freut sich Betreiber A über den ausgezahlten Leistungspreis, ohne etwas an der Fahrweise seiner Biogasanlage ändern zu müssen und Besitzerin B darüber, doch noch kurzfristig am Arbeitsmarkt teilnehmen zu können und bei einem Regelenergieabruf den Arbeitspreis für ihre flexible EE-Anlage zu erhalten.

Wer agiert im RAM und wer managt diesen?

Genauso wie beim Regelleistungsmarkt (RLM) ist beim RAM die Teilnahme für alle Anbieter von Regelenergie möglich, die den Präqualifikationsprozess erfolgreich abgeschlossen haben. Der Präqualifikationsprozess überprüft die technische Tauglichkeit anhand der Vorgaben der Bundesnetzagentur (Aktivierungszeit, Bereitstellungsdauer, etc.).

Der RAM wird von den deutschen ÜNB organisiert und ausgeführt. Die Ausschreibungen und Vergabe der Regelenergieprodukte erfolgt öffentlich über die Internetplattform der ÜNB.

Welche Regeln gibt es beim RAM (Preisobergrenzen, Marktteilnahme, Markttransparenz, etc.)?

Anders als bei der Regelleistung läuft die Auktion der SRL und MRL Regelarbeitsprodukte nicht am Vortag, sondern am Liefertag ab. Gebote können täglich in sechs Blöcken á vier Stunden bis eine Stunde vor Beginn des Vier-Stunden Blocks eingestellt werden. Bis zu dieser Gate-Closure-Time (GCT) können die free bids noch angepasst werden.
Nachdem anfangs keine Preisobergrenze für Gebote am RAM vorgesehen war, hat die Bundesnetzagentur aufgrund eines dauerhaft hohen Preisniveaus nachträglich einen maximalen Angebotspreis von 9.999,99 €/MWh bestimmt. Diese Preisobergrenze ist für positive sowie negative aFRR und mFRR seit 19.01.2021 gültig und nach Beschluss BK6-20-370 durch die ÜNB einzuhalten.

Auf einen Blick:

RLM und RAM (seit November 2020) Nur RLM (vor Einführung des RAM)
Verantwortlich ÜNB ÜNB
Produkte aFRR, mFRR aFRR, mFRR
Auktion RLM und RAM
Free bids am RAM
Nur über RLM
Auktionsende 1 Stunde vor GCT Am Vortag
Teilnahme Präqualifizierte Regelenergieanbieter Präqualifizierte Regelenergieanbieter
Angebotsmenge 6 Blöcke á 4 Stunden 6 Blöcke á 4 Stunden
Bezuschlagung/ Vergütung Merit-Order/pay-as-bid Merit-Order/pay-as-bid
Preisobergrenze 9.999,99€ pro MWh (Seit 19.01.2021) 9.999,99€ pro MWh
Mindestangebotsgröße 5 MW positiv oder negativ* 5 MW positiv oder negativ*
*Eine Angebotsgröße von 1 MW, 2 MW, 3 MW oder 4 MW unter der Maßgabe zulässig, dass ein Anbieter von Minutenreserve nur ein einziges Angebot je Produktzeitscheibe der positiven bzw. negativen MRL in der jeweiligen Regelzone abgibt.

Welche Vorteile bietet der RAM?

Die Regularien des RAM bieten flexiblen Anbietern von Regelenergie attraktive Marktchancen. So sollen vor allem Betreiber von Speicherkapazitäten und Erneuerbaren Energien profitieren. Die Menge und Preise der angebotenen Regelarbeitsprodukte sind kurzfristig änderbar. Regelenergieanbieter der SRL und MRL können so auch auf andere Marktmechanismen, wie dem Intraday-Handel, direkt eingehen. Nach der Deckung des Regelenergiebedarfs geben die ÜNB nicht bezuschlagte Gebote wieder frei. So können diese Mengen anderweitig vermarktet werden. Die Auktionierung und Vergütung der Gebote erfolgt weiterhin über die Merit-Order-Liste nach dem pay-as-bid Prinzip. Gibt es identische Preise in der Auktion, bestimmt der Zufall diskriminierungsfrei welches Produkt den Zuschlag erhält.

Was passiert, wenn der RAM ausfällt?

Der Regelleistungsmarkt steht bei einem Ausfall des Regelarbeitsmarkts als Backup zur Verfügung. Ist die Auktionierung auf dem RAM beispielsweise durch technische Hindernisse nicht möglich, entfällt die Regelarbeitsauktion. Daher ist jeder Anbieter bei einer Bezuschlagung in der Leistungspreisauktion grundsätzlich verpflichtet, seine gebotene Menge vorzuhalten, um notfalls auch die Regelarbeit über den Leistungsmarkt bereitzustellen. Die Vergütung wird hierbei durch sogenannte Ersatzarbeitspreise (EAP) realisiert.

Wieso wurde der RAM eingeführt?

Die Electricity Balancing Guideline (EB-GL), die durch die Europäische Kommission erarbeitet wurde, beinhaltet verschiedene Maßnahmen, um einen europaweit einheitlich funktionierenden Regelenergiehandel zu realisieren. Ein gesamteuropäischer Strommarkt verspricht eine einfachere und effizientere Stromverteilung zwischen den Ländern. Eine Maßnahme zur Harmonisierung des europäischen Stromhandels ist die Einführung des über die deutschen Landesgrenzen hinausgehenden Regelarbeitsmarktes. Damit soll das Gegenregeln bzw. der Einsatz von Regelenergie perspektivisch europaweit koordiniert werden. Große Schwankungen zwischen Erzeugung und Verbrauch oder gar Blackouts sollen dadurch weiter reduziert und verhindert werden. Die Regelenergiereserve ist hierbei ein grundlegendes Instrument für die Netzstabilität. Weitere Informationen hierzu finden Sie in der EU Verordnung 2017/2195 die „Festlegung einer Leitlinie über den Systemausgleich im Elektrizitätsversorgungssystem“.

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