Was ist die Marktprämie?

Definition

Mehr Wettbewerb und keine starre Förderung mehr: Die Marktprämie wird nach EEG 2017 wettbewerblich über Ausschreibungen bestimmt. Die Höhe der individuellen Förderung wird dabei durch ein Gebotsverfahren der Bundesnetzagentur für Strom aus Windenergie an Land, Solaranlagen, Biomasseanlagen und Windenergieanlagen auf See festgelegt. Aus der installierten Leistung und einem Gebotswert pro kWh wird dabei der sogenannte anzulegende Wert ermittelt, der über die Höhe der ausgezahlten Marktprämie entscheidet. Für alle genannten Erneuerbaren Energieträger gilt aber: Der gesetzliche Anspruch für Neuanlagen auf eine EEG-Förderung ist abgelöst – ebenso die feste Höhe des Förderbetrags.

Ermittlung der Marktprämie nach EEG 2017

Die Ausschreibungsverfahren werden für jeden Energieträger ein- oder mehrmals pro Jahr von der Bundesnetzagentur durchgeführt. In den Gebotsverfahren bieten die Anlagenbetreiber in Cent pro kWh auf den sogenannten Anzulegenden Wert, der die fixe Summe aus der Marktprämie und den monatlich erzielten Börsenerlösen darstellt. Steigen oder fallen die Börsenerlöse, passt sich der Förderbetrag der Marktprämie automatisch an – so bleibt der Anzulegende Wert für den Förderzeitraum konstant.

Beim Gebotsverfahren gilt: Die Reihenfolge der Zuschläge ergibt sich aus der Höhe der Gebote. Je niedriger das Gebot für den Anzulegenden Wert der eigenen Anlage(n) ist, desto höher ist die Zuschlagswahrscheinlichkeit – dafür ist die Förderhöhe gering. Werden höhere Gebote abgegeben, sinkt die Zuschlagswahrscheinlichkeit – dafür wird beim Zuschlag mehr Fördergeld ausgezahlt. Für die unterschiedlichen Energieträger gelten unterschiedliche Bestimmungen, die wir in mehreren Blogbeiträgen erläutern.

Übrigens: Die Managementprämie des EEG 2012 wurde bereits mit dem EEG 2014 in die Marktprämie eingepreist und wird auch im EEG 2017 gemeinsam mit der Marktprämie im Rahmen der EEG-Vergütung ausgezahlt.

Von der Ausschreibungspflicht nach EEG 2017 betroffene Anlagen

Zur Teilnahme am Ausschreibungsverfahren nach EEG 2017 sind Windenergieanlagen an Land und Photovoltaikanlagen mit einer installierten Leistung von mehr als 750 kW verpflichtet. Biogasanlagen müssen bereits ab 150 kW am Gebotsverfahren teilnehmen. Kleinere Biomasseanlagen unter 150 kW sind auch nach EEG 2017 weiter förderfähig.

Ausgenommen von der Ausschreibungspflicht sind Wasserkraftanlagen, Anlagen zur Erzeugung von Strom aus Deponie-, Klär- oder Grubengas sowie Anlagen zur Erzeugung von Energie aus Geothermie. (§ 22 Abs. 6) Ebenso sind Windparks aus Pilotwindenergieanlagen, die über wesentliche technische Innovationen verfügen müssen, bis zu einer Gesamtleistung von 125 MW von der Ausschreibungspflicht befreit. (§ 22 Abs. 2 Nr. 3, § 22a)

Übergangsregelungen für Bestandsanlagen

Anlagen, die vor dem Inkrafttreten des EEG 2017 am 1. Januar 2017 in Betrieb genommen wurden, genießen Bestandsschutz und werden weiterhin in Höhe der bislang erhaltenen EEG-Vergütung gefördert. Mehr hierzu unter „Förderung für Bestandsanlagen nach EEG 2014 und älter über die Marktprämie“.

Zusätzlich existiert eine Sonderregelung für Windenergie- und Biomasseanlagen, die bis zum 31. Dezember 2016 genehmigt wurden, aber noch nicht in Betrieb genommen wurden: Ist die Inbetriebnahme bis zum 31. Dezember 2018 geplant, können sich die Betreiber bis zum 1. März 2017 entscheiden, ob sie nach Inbetriebnahme eine EEG-Förderung nach der im EEG 2017 festgelegten Höhe in Anspruch nehmen wollen – ohne das es hierfür eines Zuschlags im Rahmen einer Ausschreibung bedarf – oder ob sie am neuen Ausschreibungsmodell teilnehmen wollen.

Zusätzliche Erlöse aus Regelenergie und Flexibilität

Zusätzlich haben Anlagenbetreiber, die ihren Strom nach EEG 2017 vermarkten, weiterhin die Möglichkeit, ihre Flexibilität am Regelenergiemarkt anzubieten oder durch Bedarfsorientierte Einspeisung (BoE) an der Strombörse weitere Erlöse zu erwirtschaften.

Förderung für Bestandsanlagen

Bestandsanlagen, die vor dem 1. Januar 2017 in Betrieb genommen wurden, haben weiterhin einen Anspruch auf Zahlung der Marktprämie (auch „optionale Marktprämie“). Diese wird an Betreiber von Anlagen zur Erzeugung Erneuerbarer Energien gezahlt, die sich seinerzeit für einen Wechsel aus dem fixen EEG-Vergütungsmodell in das Marktprämienmodell entschieden haben oder die keinen Anspruch auf fixe EEG-Vergütung haben. Die Marktprämie gleicht nach diesem Modell die Differenz aus, die zwischen der vorherigen fixen Einspeisevergütung und dem an der Strombörse erzielten Marktpreis entsteht.

Berechnung der Marktprämie

Zur Berechnung der Marktprämie bei Bestandsanlagen vor EEG 2017 wird der sogenannte Referenzmarktwert, der im EEG 2014 Monatsmarktwert heißt, herangezogen. Die Marktprämie wird nach der folgenden Formel ermittelt:

Marktprämie = fixe Einspeisevergütung – Referenzmarktwert (bzw. Monatsmarktwert)

Der Referenzmarktwert ergibt sich dann durch diese Formel:

Referenzmarktwert = Energieträgerspezifischer Marktwert – Managementprämie

Mit dem Energieträgerspezifischen Marktwert sind die durchschnittlichen Stundenpreise am Spotmarkt (EPEX Spot SE in Paris) gemeint, die mit den energieträgerspezifischen Faktoren verrechnet sind. Die Managementprämie – im Prinzip eine Aufwandsentschädigung u.a. für die verpflichtenden Einspeiseprognosen – sowie der Referenzmarktwert sind energieträgerspezifisch und variieren somit betragsmäßig. Die Managementprämie wurde mit dem EEG 2014 in die Marktprämie eingepreist und existiert somit nicht mehr gesondert. Erzielt ein Stromproduzent Erlöse oberhalb des Monatsmittelwerts, zum Beispiel durch die bedarfsorientierte Einspeisung von Biogasstrom, wird die Marktprämie nicht anteilig verringert, sodass der Anlagenbetreiber Einnahmen erzielt, die die bisherige fixe EEG-Vergütung bereits ohne Hinzurechnung der Managementprämie übertreffen.

Zusätzlich erhalten Anlagenbetreiber, die ins Marktprämienmodell wechseln, die Möglichkeit ihren Strom am Regelenergiemarkt anzubieten und dort weitere Erlöse zu erwirtschaften. Auch ist die Teilnahme am Marktprämienmodell die Voraussetzung für den Erhalt weiterer Prämien, wie beispielsweise der Managementprämie und der Flexibilitätsprämie.

Auch für ältere Bestandsanlagen interessant: Der Wechsel ins Marktprämienmodell

Die Bundesregierung machte mit dem EEG 2014 die Direktvermarktung von Neuanlagen mit mehr als 500 kW installierter Leistung mit Stichtag vom 1. August 2014 zur Pflicht. Am 1. Januar 2016 wurde die Grenze noch einmal auf 100 kW abgesenkt.

Betreiber von Anlagen, die vor dem 1. August 2014 in Betrieb genommen wurden, beispielsweise zur Geltungszeit des EEG 2012 oder einer früheren Novelle, genießen weiterhin Bestandsschutz: Bestandsanlagen haben weiterhin die Wahl zwischen der festen Einspeisevergütung und dem Marktprämienmodell. Für Biogasanlagenbetreiber gilt: Wechseln Sie in das Marktprämienmodell, sind Sie für die Zeit der Direktvermarktung Ihres Biogasstroms von der Wärmenutzungspflicht befreit.