Anforderungen & Chancen im Lastmanagement #3


Veröffentlicht am 13. April 2015

Blog Anforderungen Chancen Lastmanagement Auf geht’s zum dritten Teil unserer Blog-Serie rund um das Thema Lastmanagement. Dieses Mal tauchen wir tief in bilanzielle Fragestellungen ein.

Im vorherigen Teil haben wir anhand eines Praxisbeispiels gesehen, wie der Anschluss eines Produktionsprozesses für die Bereitstellung von Regelenergie aussehen könnte. Neben den Herausforderungen hinsichtlich der technischen Machbarkeit steht für viele Betreiber auch die Frage nach der bilanziellen Durchführbarkeit im Raum. Hinzu kommen zudem finanzielle Befürchtungen, die sich mit dem Stichwort Kannibalisierungseffekt zwischen Regelenergieerlösen und höheren Strombezugskosten beziehungsweise Netznutzungsentgelten gut umschreiben lassen. Denn die Frage „Lohnt sich das wirklich?“ hört man in dieser Diskussion immer wieder. Wir möchten daher im Folgenden auf verschiedene dieser strukturellen Herausforderungen eingehen.

Herausforderung: Aktives Lastmanagement & Netzentgelte

Neben der Regelenergie existieren diverse alternative Optionen, aktives Lastmanagement zu betreiben, die sich mitunter gegenseitig die Erlöse streitig machen. Im Folgenden möchten wir einige Problemstellungen kurz skizzieren:

  • Verminderte Netznutzungsentgelte durch Ausnutzung von § 19 Absatz 2 StromNEV (Stichwort „atypische Netznutzung“ und „7000-Stunden-Regel“). Hier geht es im Wesentlichen um eine gleichmäßige Verteilung der betrieblichen Last zur Stabilisierung des Stromnetzes.
  • Die Herausforderung: Leistungsspitzen, die durch Regelenergieabrufe oder daraus entstehen, dass die Produktion nach einem Regelenergieabruf nachgeholt wird, führen mitunter zu einer Verletzung der Vorgaben aus § 19. So könnten etwaige Regelenergieerlöse durch den Verlust der Netzentgeltprivlegierung kannibalisiert werden.
  • Leistungspreiskomponente bei der Ermittlung der Netznutzungsentgelte:
  • Die Herausforderung: Der Leistungspreis wird auf Basis der betrieblichen Spitzenlast ermittelt. Etwaige Regelenergieabrufe weisen jedoch mitunter extreme Spitzen auf.
  • Betriebliches Spitzenlastmanagement zur Einhaltung von vertraglich vereinbarten Spitzenlasten:
  • Die Herausforderung: Eine technische Einheit, welche bereits aktiv gesteuert wird, um eine betriebliche Spitzenlast einzuhalten, kann nicht gleichzeitig ein verlässliches Regelleistungsband gewährleisten (wir haben diese Herausforderung bereits im ersten Teil unserer Blog-Reihe beleuchtet). Denn was passiert, wenn Regelenergieabruf und Spitzenlastmanagement zeitgleich aktiviert werden?
  • Strompreisgeführter Verbrauch:
  • Des Weiteren kann Lastmanagement dazu genutzt werden, die eigenen Strombezugskosten zu reduzieren (Stichwort „strompreisgeführter Verbrauch“ – darauf möchten wir im nächsten Teil der Blogbeitrag genauer eingehen) oder eigene Bilanzkreise zu bewirtschaften.

Herausforderung: Regelenergie & Bewirtschaftung von Bilanzkreisen

Auch die energiewirtschaftliche Umsetzung und Bilanzierung der Regelenergieabrufe kann sich mitunter komplizierter gestalten, als man auf den ersten Blick annehmen könnte. Denn neben der physikalischen Energieübertragung existiert eine „buchhalterische“ Abbildung von Energieströmen im Rahmen von Bilanzkreisen. Das bedeutet, dass man die Energiemengen den Akteuren am Energiemarkt zuordnen können muss. In der Regel führt der Stromlieferant eines Unternehmens einen Bilanzkreis, in dem die verbrauchte und gelieferte Energiemenge abgebildet werden. Man spricht hier von Bilanzkreisverantwortung, die in diesem Fall beim Stromlieferanten liegt. Vereinfacht gesprochen: Am Ende des Tages muss die Menge des gelieferten Stroms der Menge entsprechen, die vorher mit dem Unternehmen vereinbart und für den Bilanzkreis prognostiziert wurde. Regelenergieabrufe hingegen führen dazu, dass die tatsächlich verbrauchte Energiemenge des Unternehmens von der erwarteten Energiemenge abweicht. Wie wird aber mit dem Missverhältnis von prognostizierter und wirklich verbrauchter Menge verfahren? Bilanziell betrachtet verhält es sich bei Regelenergieabrufen folgendermaßen: Der Käufer der Regelenergie ist der Übertragungsnetzbetreiber. Dieser fordert die Regelenergie beim Regelenergievermarkter (wie etwa Next Kraftwerke) an und bucht sie in dessen Bilanzkreis. Daraus ergibt sich folgende Konstellation:

  • Der Stromlieferant des Unternehmens hat eine Verbrauchsabweichung durch den Regelenergieabruf (die Gegenposition des Regelenergieabrufes).
  • Der Regelenergievermarkter hingegen hat diese Gegenposition der vom ÜNB eingebuchten Energiemenge nicht in seinem Bilanzkreis. Denn diese stammt aus dem Bilanzkreis, der dem Unternehmen zugeordnet ist (dem des Stromlieferanten).

Eine gängige Lösung für diese Problematik besteht darin, dass die Gegenpositionen im Rahmen eines Fahrplangeschäftes zwischen dem Stromlieferanten und dem Regelenergieanbieter getauscht wird. Dadurch sind die Energieströme buchhalterisch sauber abgebildet und den verantwortlichen Akteuren zugeordnet. Das bedeutet jedoch einen Verwaltungsaufwand.

Welche Lösungen sind denkbar?

Aus diesen Beispielen wird vor allem eines deutlich: Es besteht ein hohes Maß an Abstimmungsbedarf zwischen den verschiedenen beteiligten Akteuren. Hier gilt es auf regulatorischer Ebene die Rahmenprozesse für die Regelenergievermarktung noch weiter den Anforderungen aller Teilnehmer anzupassen, energiewirtschaftliche Prozesse weiter zu standardisieren und eine stärker Harmonisierung der verschiedenen Strategien des Lastmanagements anzustreben. Auf diese Weise ließe sich auch die Leistung von Industrieprozessen in größerem Stil zur Stabilisierung der Netze nutzen. Stolpersteine wie die angesprochenen Kannibalisierungseffekte im Rahmen der Netznutzungsentgelte erfordern weiteres Handeln. Erste Schritte sind bereits getan. So ist etwa hinsichtlich der atypischen Netznutzung mit der Festlegung BK4-12-1656 Absatz 6.2 bereits eine Regelung in Kraft, die negative Regelabrufe bei Berechnung der individuellen Netzentgelte nach §19 StromNEV Absatz 2 Satz 1 ausklammert. Zudem sollten sich Unternehmen vor Augen halten, dass bei der Nutzung von Flexibilität im Rahmen von Lastmanagement verschiedene Wege möglich sind. Folgende Fragen stehen daher im Raum:

  • Welche Strategie ist die lukrativste?
  • Welche Strategie ist am einfachsten umzusetzen?
  • Die Antworten sind für das jeweilige Unternehmen individuell zu beantworten.
  • Wichtig ist, dass Lastmanagement ganzheitlich angeboten wird und die für das Unternehmen sinnvollste Variante gewählt wird.

Daran anknüpfend möchten wir daher im abschließenden Teil unserer Blog-Serie darauf eingehen, dass die Bereitstellung von Systemdienstleistungen nur eine Möglichkeit ist, um mit Lastmanagement zusätzliche Erlöse zu erzielen. Denn wir sind der Meinung, dass Flexibilität allgemein schon einen Wert besitzt. Dieser Wert lässt sich etwa auch mit Hilfe von Lastverschiebung im Strombezug heben. Mehr dazu im nächsten Teil.

Fotocredit: Edwin van Buuringen, Lizenz: CC BY-SA 2.0

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Felix Jedamzik
Von

Felix Jedamzik kümmert sich bei Next Kraftwerke um den Bereich Demand Side Management und die Flexibilisierung von Lasten

Von

Nils Quak ist bei Next Kraftwerke in der Unternehmenskommunikation tätig und verantwortet die redaktionelle Gestaltung unseres Außenauftritts. Neben neuen Verkehrs- und Innenstadtkonzepten interessiert er sich für die Flexibilisierung von Stromverbrauch und möchte damit eine energiewendige Zukunft mitgestalten.

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