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Was ist ein Spotmarkt?

Definition

Auf dem zentraleuropäischen Spotmarkt für Energie, der European Power Exchange (EPEX SPOT) in Paris, werden kurzfristig lieferbare Strommengen gehandelt. Dort stehen sich, wie auf jedem Marktplatz, Käufer und Verkäufer gegenüber, wobei der Großteil des Handels von Strom heute nicht mehr auf dem Parkett stattfindet, sondern computergesteuert oder telefonisch abläuft. Die EPEX SPOT beliefert Deutschland, Frankreich, Österreich, Belgien, Dänemark, Finnland, Großbritannien, Luxemburg, die Niederlande, Norwegen, Schweden, Polen und die Schweiz und nimmt somit eine zentrale Stellung im europäischen Stromhandel ein. Bis 2009 war der deutsche Spotmarkt an der Energiebörse in Leipzig (EEX) beheimatet.

Handel von kurzfristig lieferbaren Strommengen am Spotmarkt der EPEX

Im Unterschied zum Terminmarkt der EEX in Leipzig werden auf dem Spotmarkt der EPEX in Paris kurzfristig lieferbare Strommengen und nicht langfristige Stromliefervereinbarungen ("Terminkontrakte" oder "Futures") gehandelt. Die kurzfristig gehandelten Strommengen werden entweder einen Tag im Voraus, also einen Tag vor der physischen Lieferung des Stroms vom Produzenten oder Händler zum Abnehmer, im Day-Ahead-Handel verkauft oder sogar am Tag der physischen Lieferung des Stroms selbst im Intraday-Handel.

Auf den Day-Ahead-Märkten der EPEX SPOT werden täglich transparente Strompreise ermittelt, indem alle Börsenmitglieder ihre Gebote für die Auktion des darauffolgenden Tages abgeben. Der Preis ergibt sich dann aus dem Schnittpunkt von Angebots- und Nachfragemenge. Dies ist der sogenannte Market Clearing Preis. Der Intraday-Handel hingegen zeichnet sich durch einen kontinuierlich stattfindenden Handel aus. In Deutschland können Handelsteilnehmer bis fünf Minuten vor der Lieferviertelstunde Gebote abgeben. Sobald zwei Gebote kompatibel sind, wird der Strom zu dem ausgehandelten Preis geliefert. Jene Gebotspreise variieren folglich sehr stark im Gegensatz zum Einheitspreis des Day-Ahead-Marktes.

Fristen von Strombörsen, OTC Handel und dem Regelenergiemarkt im Vergleich.

Die Handelseinheit an der EPEX SPOT sind Megawattstunden (MWh). Auf den an der Börse bezahlten Preis für eine Megawattstunde kommt allerdings noch einiges an Gebühren und Steuern hinzu.

Während die meisten Strommengen in Deutschland überhaupt nicht an der Börse sondern im OTC-Handel ("Over-the-Counter") verkauft werden, also in außerbörslichen, meist langfristigen Direktverträgen zwischen Produzenten und Abnehmern, werden an Strombörsen die restlichen Mengen gehandelt. Im Jahr 2020 waren das 622 Terawattstunden (TWh) am Spotmarkt und 4.736 Terawattstunden am Terminmarkt.

Da im Gegensatz zum direkten OTC-Handel zwischen zwei Vertragspartnern der Börsenhandel zwischen verschiedenen markterfahrenen und hochliquiden Handelspartnern abläuft, bildet die Energiebörse auch eine Art Clearing-Stelle, die Zahlungsausfällen vorbeugt.

Einflüsse auf die Preisentwicklung an der Börse

Der Krieg in der Ukraine sowie die Abhängigkeit Europas von russischem Gas wirken sich stark auf die Börsenpreise aus. Nach dem Prinzip der Merit-Order bestimmt das zuletzt eingesetzte Kraftwerk mit den höchsten Grenzkosten - meistens ein Gaskraftwerk - den Strompreis. Wird die Verfügbarkeit von Gas knapper, so steigen also neben den Gaspreisen auch die Preise an der EPEX SPOT an. Dies lässt sich an der untenstehenden Grafik sehr gut für das Jahr 2022 beobachten. Bereits im September des Vorjahres begannen die Strompreise zu steigen, da die Bundesregierung zu diesem Zeitpunkt erstmals über den Baustopp der Gaspipeline Nord Stream 2 im Sinne einer Wirtschaftssanktion diskutierte. 

Hinzu kommt der 2021 eingeführte CO2-Preis auf Kohle, Benzin, Diesel, Heizöl und Gas, der im Laufe der nächsten Jahre planmäßig immer weiter zunehmen wird und sich in der Folge auf die Börsenpreise jener Energieträger auswirkt. 

Die niedrigen Wasserstände vieler Flüsse beeinflussen des Weiteren die Verfügbarkeit von Kohle. Oftmals ist es bei diesen Bedingungen nicht möglich, genügend Kohle über die Flüsse an Kraftwerke zu transportieren, wodurch wiederum die Strompreise steigen. Ebenso sind Anfang des Jahres einige Atom- und Braunkohlekraftwerke in Deutschland vom Netz gegangen und in Frankreich herrscht eine Knappheit an Atomenergie, ausgelöst durch Wartungsarbeiten und zu hohe Flusstemperaturen, die die Kühlung der Reaktoren erschweren.

Den aktuellen Preisentwicklungen an der EPEX SPOT liegen also viele verschiedene Faktoren zu Grunde.

Preisschwankungen des Base EPEX Spot seit 2012.