Strom für Gewerbe und Industrie
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Stromhandel
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Was ist der Intraday-Handel?

Definition

Der Intraday-Handel von Strom findet sowohl an der EPEX Spot (Spotmarkt der European Power Exchange) in Paris statt als auch im OTC-Handel (Over-the-Counter), also über außerbörslich ausgehandelte Verträge zwischen Stromkäufern und -verkäufern. Er bezeichnet den kontinuierlichen Kauf und Verkauf von Strom, der noch am gleichen Tag geliefert wird. Man spricht daher auch von kurzfristigem Stromgroßhandel, insbesondere im Gegensatz zum Stromhandel mit längeren Vorlaufzeiten am Terminmarkt.

Wie wird Strom im Intraday-Handel gehandelt?

Im kurzfristigen Stromhandel werden in der Regel Stromlieferungen in sowohl 15-Minuten- als auch Stunden-Blöcken gehandelt; wobei auch der Handel von größeren Blöcken möglich ist. Standardisierte Blockgebote sind der Baseload für die Stunden 1 bis 24 sowie der Peakload für die Stunden 8 bis 20 an jedem Wochentag (Montag bis Freitag). Die Möglichkeit des viertelstundengenauen Handels - eingeführt im Dezember 2011 - ist wohl das bedeutendste Kennzeichen des Intraday-Handels. Eine Position kann bis zu 30 Minuten, bevor sie fällig ist, gehandelt werden. Ein Beispiel: Möchte ein Teilnehmer für die Viertelstunde von 16:00-16:15 Uhr 20 MWh Strom kaufen und findet einen Verkäufer, der bereit ist, die geforderte Menge zu verkaufen, muss der Zuschlag bis 15:30 erfolgt sein.

Vorlaufzeiten und Ablauf des Intraday-Handels

Die Vorlaufzeiten im Intraday-Handel wurden in den letzten Jahren stetig verkürzt. Für den Handel innerhalb Deutschlands wurden sie zuletzt am 16. Juli 2015 von 45 Minuten vor der Lieferviertelstunde auf 30 Minuten reduziert - für den Handel in Österreich sogar von 75 Minuten auf 30 Minuten vor Lieferbeginn. Als Grund hierfür nannte die EPEX Spot die wachsende Einspeisung fluktuierender Energieträger, welche langfristige Einspeiseprognosen erschwert. Die Stromhändler sollten darum die Möglichkeit bekommen, ihre Strommengen kurzfristiger zu handeln und damit ihr Portfolio-Management zu vereinfachen.

Der Intraday-Handel eröffnet um 15 Uhr des Vortags. Zu diesem Zeitpunkt startet der kontinuierliche Handel von Stundenprodukten sowie seit dem 9. Dezember 2014 die Eröffnungsauktion der Viertelstundenprodukte. Diese können anschließend ab 16 Uhr kontinuierlich für den Folgetag gehandelt werden. Die kleinste handelbare Einheit im Intraday-Handel ist wie im Day-Ahead-Handel 0,1 MW. Die mögliche Preisspanne für eine Megawattstunde beträgt -9.999 Euro bis 9.999 Euro. Ebenso wie der Day-Ahead-Handel findet der Intraday-Handel anonymisiert und an jedem Tag im Jahr statt. Strom aus konventionellen sowie aus erneuerbaren Energieträgern wird gleichberechtigt und ohne Nachweis der jeweiligen Stromherkunft gehandelt.

Ein großer Unterschied zum Day-Ahead-Handel liegt in der Preisbildung auf dem Intraday-Markt: Während der Day-Ahead-Handel auf dem Prinzip des markträumenden Preises beruht, bei dem das letzte bezuschlagte Gebot den Preis für alle Transaktionen bestimmt, werden die Preise im Intraday-Handel im "Pay-as-bid"-Verfahren ermittelt. Dabei wird im kontinuierlichen Handel immer exakt der Preis erhoben, der bei der jeweiligen Transaktion bezuschlagt wurde. Daher spricht man im Intraday-Handel auch von Gebotspreisen. Dies hat zur Folge, dass auf dem Intraday-Markt keine Einheitspreise für die jeweiligen Produkte entstehen, es vielmehr je nach Handelszeitpunkt zu verschiedenen Preisen für das gleiche Produkt kommt.

Die Bedeutung des Intraday-Handels

Der Intraday-Handel dient primär dazu, Fehlmengen oder Überschüsse des eigenen Bilanzkreises durch kurzfristige, untertägige Handelsaktivitäten so gering wie möglich zu halten, um den Prognoseverpflichtungen des Bilanzkreisvertrages nachzukommen und etwaige Ausgleichsenergiekosten zu reduzieren. Mit Hinblick auf immer flexibler werdende Anlagen lässt sich der kurzfristige Handel aber auch dafür nutzen, um den Strom von Anlagen kurzfristig bedarfsgerecht – und somit möglichst gewinnbringend und systemstabilisierend – zu produzieren.

Der Intraday-Handel ist insbesondere von Bedeutung, um unvorhersehbare Änderungen in Stromproduktion und -nachfrage über marktliche Mechanismen aufzufangen, bevor der Einsatz von Regelenergie notwendig wird. So kann beispielsweise ein Kraftwerksbetreiber, in dessen Kraftwerk kurzfristig ein Block ausfällt, bei anderen Marktpartnern den seinem Bilanzkreis nun fehlenden Strom einkaufen. Dem Intraday-Handel kommt daher auch in der Direktvermarktung von Erneuerbaren Energien eine Schlüsselrolle zu, etwa wenn kurzfristig angepasste Wetterprognosen ein ungeplantes Mehr oder Weniger an Stromproduktion aus Solar- oder Windkraftanlagen verheißen.

Entwicklung des Intraday-Börsenmarktes

Seit 2010 wurde der Börsenmarkt sukzessive so erweitert, dass nicht nur innerhalb einzelner Staaten gehandelt werden kann, sondern auch zwischen Deutschland, Österreich, Frankreich, Belgien, den Niederlanden, der Schweiz und dem Vereinigten Königreich. Im Jahr 2015 belief sich das gesamte Handelsvolumen der Intraday-Märkte an der EPEX Spot auf 59 TWh. Allein 37,5 TWh davon wurden im Marktgebiet Deutschland und Österreich gehandelt.

Das untertägige Handelsvolumen an der EPEX Spot nimmt bisher stetig zu. Im Oktober 2016 wurden bereits 5,18 TWh im Intraday gehandelt. Allein 3,35 TWh davon schlugen im Marktgebiet Deutschland und Österreich zu Buche. Stundenkontrakte machten insgesamt mit 2,5 TWh das größte Handelsvolumen aus. Das Volumen des Viertelstundenhandels ist mit derzeit 671 GWh in der Intraday-Auktion und dem kontinuierlichen Intraday-Handel zusammen genommen noch relativ gering - allerdings mit steigender Tendenz.

Der Durchschnittspreis der Stundenkontrakte im Oktober 2016 betrug 37,51 Euro pro MWh im Baseload, also dem Monatsmittelwert der Stundenprodukte im Intraday-Handel. Der durchschnittliche Peak-Preis, also der Mittelwert der Preise zwischen 8 und 20 Uhr an Werktagen, lag bei 45,24 Euro pro MWh.