Markttag - Wie kommt eigentlich der Strom aus einem virtuellen Kraftwerk an die Börse? Teil 4


Veröffentlicht am 29. Juli 2014

Strom Virtuelles Kraftwerk Börse Der vierte Teil der „Markttag“-Blogserie dreht sich um den Wert und die Bedeutung von Flexibilität im heutigen Strommarkt. In den vorherigen Teilen haben wir einen Blick darauf geworfen, wie sich der Eintritt in die Stromvermarktung über ein virtuelles Kraftwerk gestaltet, wie der Handel von Strom aussieht und wie die technische Einbindung von Anlagen aussieht – kurz gesagt: Wie Flexibilität aus kleinen und mittleren Anlagen für den Markt gebündelt wird. Aber was ist diese Flexibilität wert?

Flexibilität ist ein Begriff, der im Zusammenhang mit der Energiewende immer wieder fällt. Warum das so ist, ist gut nachzuvollziehen. Der deutsche Strommarkt befindet sich mitten in einem enormen Wandlungsprozess. Durch die Fakten, die mit dem Erlass des EEG seit 2000 und gerade seit 2012 geschaffen wurden, ist die Stromerzeugung in Deutschland ein gutes Stück volatiler geworden. Der Ausbau der Erneurerbaren Energien ist von der Bundesregierung und der Bevölkerung gewünscht und auch sinnvoll. Denn diese - zwar unsteten - Energieträger haben einen großen Vorteil: Ihre Grenzkosten sind verschwindend gering und ermöglichen so die Stromproduktion zu extrem niedrigen Kosten. Das führt dazu, dass eine hohe Menge an Solar- und Windenergie ihren Weg ins Stromnetz findet. Ganz zu schweigen von den bekannten anderen Vorteilen: CO2-Reduktionen und Unabhängigkeit von Energieimporten.

Nun kommt bei zunehmender Volatilität der Flexibilität eine größere Rolle zu. Stellt man sich den Strommix als eine Waage vor, dann ist das Gegengewicht zu Volatilität die Flexibilität. Wann immer kurzfristig Leistungen benötigt werden oder zu viel Strom im Netz vorhanden ist, ist man auf flexible Teilnehmer am Strommarkt angewiesen, welche die gewünschten Mehr- oder Minderleistungen erbringen. Nicht von ungefähr werden im EEG 2014 vermehrt Anreize geschaffen, die Stromproduktion zu flexibilisieren. Gerade auch unter dem Gesichtspunkt, dass Speicher heutzutage weder die gewünschte Leistung erbringen noch wirtschaftlich rentabel arbeiten, ist dies keine schlechte Idee.

Die Preise für Flexibilität am Strommarkt (etwa am Regelenergiemarkt oder im Intraday-Handel) sind bisher nicht so stark angestiegen wie die Einspeisung aus fluktuierenden Erneuerbaren Energien. Warum? Zum einen hat sich der konventionelle Kraftwerkspark zunehmend flexibilisiert, zum anderen sind neue Technologien in den Markt integriert worden, die die Preise für Flexibilität stabil halten - etwa virtuelle Kraftwerke oder Power-to-Heat-Anlagen. Mit zunehmendem Abbau der Überkapazitäten des konventionellen Kraftwerksparks und mit zunehmendem Ausbau der fluktuierenden Erneuerbaren wie Solar und Wind werden diese Preise aber wohl anziehen. Markwirtschaftlich gesehen wäre das richtig. So werden durch den Markt Anreize geschaffen, in diesen Bereich zu investieren. In aller Kürze umrissen, führt dies in letzter Konsequenz zu einem höheren Angebot an Flexibilität, was sich wiederum auf den Preis auswirkt, der in Folge dessen wiederum sinken wird. Der Markt reagiert so selbst auf die Veränderungen des eigenen Marktdesigns. Diese Entwicklung ist heute schon in Ansätzen (und nur in manchen Segmenten) zu beobachten.

Wenn man die realistische Prognose wagt, dass zukünftig ein immer größerer Teil des Stroms aus Energieträgern mit schwankender Erzeugung gewonnen wird, verdeutlicht sich, dass Flexibilisierung ein wichtiger Baustein dafür ist, die Versorgungssicherheit zu gewährleisten. Flexibilität ist darüber hinaus ein wichtiges Gut, da wir heute nicht abschätzen können, wie Stromverbrauch und -produktion in einigen Jahren aussehen werden. Anders als der häufig diskutierte Kapazitätsmarkt mit langfristigen Kontrakten und Planungsszenarien bieten Anlagen mit flexibler Produktionsweise die Möglichkeit, auf Änderungen in der Stromerbringen und -abnahme viel effizienter reagieren zu können. Das schlägt sich selbstverständlich auch in den Kosten nieder. Und darum geht es doch schlussendlich: Einen Wandel in unserer Stromproduktion zu vollziehen, der zum einen die fossile und atomare Energieerzeugung ablöst und zum anderen finanziell tragbar ist. Die Flexibilität ist dabei ein wichtiger Baustein.


Von

Nils Quak ist bei Next Kraftwerke in der Unternehmenskommunikation tätig und verantwortet die redaktionelle Gestaltung unseres Außenauftritts. Neben neuen Verkehrs- und Innenstadtkonzepten interessiert er sich für die Flexibilisierung von Stromverbrauch und möchte damit eine energiewendige Zukunft mitgestalten.

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