Die Illusion einer Kupferplatte #1


Versorgungssicherheit Illusion Erzeugungskapazitäten Strom kostet überall das gleiche und Transportengpässe gibt es nicht. Stromproduzenten und Stromabnehmer agieren ohne Einschränkungen, sie erzeugen und verbrauchen Strom, wie es ihnen beliebt. Die Netzbetreiber sorgen dafür, dass beide Seiten zueinander finden. In der Theorie hört sich das gut an.

Aber die Voraussetzung für ein solches Stromsystem ist der nahezu verlustfreie und uneingeschränkte Stromtransport von A nach B. Dazu müsste das deutsche Stromnetz eine gigantische Kupferplatte sein, idealerweise sogar das gesamte europäische Stromnetz. Diese Kupferplatte gibt es heute nicht. Trotzdem baut das Marktdesign im Stromsektor auf dieser Illusion einer Kupferplatte auf. Dies führt zu Verwerfungen:

Wie konnte es dazu kommen, dass Markt und Netz nicht zueinander passen? Im Zuge der Liberalisierung der Energiemärkte wurde die zentralplanerische Errichtung von Großkraftwerken in der Nähe von großen Verbrauchern (Industrie, Ballungsgebiete) zugunsten eines ungelenkten Zubaus aufgegeben. Dieses System ist äußerst erfolgreich im Hinblick auf die Schaffung von Kraftwerkskapazitäten. Auch wäre die Energiewende mit ihrer rasanten Entwicklung hin zu Dezentralität kaum vorstellbar, gäbe es das grundlegende Recht auf den diskriminierungsfreien Zubau von Anlagen – festgelegt in § 17 des EnWG und für Erneuerbare-Energien-Anlagen insbesondere in § 5 EEG 2012/§ 8 EEG 2014 – nicht.

Doch dank des eigentlichen Erfolgs des § 17 des EnWG hinkt das Netz den Kraftwerken und den Verbrauchern chronisch hinterher. Die Netzbetreiber sind einerseits juristisch gezwungen, nahezu jede Anlage ans Netz zu lassen und andererseits ist es ihre Pflicht der Bevölkerung in jeder Sekunde des Jahres Strom zu liefern. Um beiden Aufgaben gerecht zu werden und Zeit für den Ausbau der Kupferplatte Deutschland zu gewinnen, müssen sie auf die oben genannten Maßnahmen des Redispatchs und des Einspeisemanagements zurückgreifen. Zugleich wird der regionale Nachfrage- bzw. Angebotsüberhang verstärkt, da kurzfristig keine technische Lösung parat steht, um das hohe und zusätzlich oft schwankende Angebot abzufedern. Und es existieren nur äußerst geringe Marktanreize, das nächste Gaskraftwerk oder den nächsten Solarpark in die Nähe der Verbraucher zu bauen, um den Druck aus dem System zu nehmen.

Wie könnte aber ein solcher Marktanreiz aussehen, der dabei helfen könnte, das System zu entspannen? Hier finden Sie Teil #2 der Serie.


Teilen:

Von

Jan Aengenvoort ist bei Next Kraftwerke für die Unternehmenskommunikation zuständig. Sein Ziel ist es, das Thema der Markt- und Systemintegration der Erneuerbaren Energien über Virtuelle Kraftwerke bekannter zu machen. Außerdem weiß er mit geschultem germanistischen Auge Zeichen zu setzen – und das zum Leidwesen seiner Mitarbeiter immer korrekt.

Von

Hendrik Sämisch ist einer unserer beiden Gründer und Geschäftsführer. Er verantwortet insbesondere den Stromhandel.

Kommentare
U. Schaaf: (05.11.16)
Richtig: Der Handel ist reine Fiktion abgekoppelt von der Physik. Ihr nennt es Kupferplatte. Mit wurde immer der Stromsee suggeriert. Siehe Wahnwitz Stromhandel http://www.eenergie.net/wiki/x/kQBKAQ

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Energieblogger

Hier finden Sie weitere interessante Energieblogs.
Zu den Energiebloggern

Folgen Sie uns auf…

Twitter
Facebook
Google+