Kein gallisches Dorf mehr

„Da hinten sehen wir das Kernkraftwerk Lingen“, sagt Thomas Voß und zeigt über das wellige Münsterland nach Norden. „Und dort ist das Steinkohlekraftwerk Ibbenbüren“, fährt er fort, nun gen Osten weisend. „Dazwischen haben wir uns ausgebreitet.“ Wir, das ist die Energiegenossenschaft der Energielandwerker, die im nördlichen Münsterland zu einem starken Verbund von Kraftwerksbetreibern der anderen, neueren Sorte herangewachsen ist. Rund 155 Anlagen der Erneuerbaren Energien haben sich bisher zusammengeschlossen, um gebündelt am Markt aufzutreten. Über 270 Megawatt an Erzeugungsleistung wirft die Genossenschaft in die Waagschale, von Windkraft über Bioenergie bis zu Photovoltaik. Ein gallisches Dorf zwischen fossilen Kraftwerken? Bei dieser Leistung wohl eher ein regionaler Großplayer der neuen Energiewelt…

Thomas Voß, zuständig für Stromvermarktung bei den Energielandwerkern Thomas Voß, zuständig für Stromvermarktung bei den Energielandwerkern „Ursprünglich haben wir uns als Einkaufsgemeinschaft zusammengeschlossen“, führt Wirtschaftsingenieur Thomas Voß aus. „Schon bald kam aber das Thema der Stromvermarktung auf, primär im Hinblick auf die Direktvermarktung von Strom aus Erneuerbaren Energien, aber durchaus auch hinsichtlich alternativer Vermarktungswege.“ Seit Mai 2016 platziert Next Kraftwerke den Strom der Energiegenossen aus dem Münsterland an verschiedenen Marktplätzen. „Uns waren bei der Auswahl des Partners eine ganze Reihe an Punkten wichtig. Daher haben wir uns auch intensiv am Markt umgesehen. Zuerst mussten natürlich die Konditionen stimmen. Zudem haben wir bei der Suche nach einem Virtuellen Kraftwerk auch stark auf die Flexibilitätsexpertise geachtet, denn schließlich sind auch Bioenergieanlagen Teil unseres Portfolios. Drittens musste die Struktur des Unternehmens zu uns passen, die Solvenz und die persönliche Beteiligung der Geschäftsführer bei Next Kraftwerke sind positive Kriterien.“

Ein Teil der von den Energielandwerkern produzierten Strommengen liefert Next Kraftwerke an ein Stadtwerk der Region, um ein regionales Stromprodukt für Endkunden zu ermöglichen. Die restlichen Mengen werden per Direktvermarktung an der Strombörse EPEX SPOT gehandelt. Die flexiblen Anlagen der Energielandwerker liefern darüber hinaus kurzfristig aktivierbare Reserven an die Übertragungsnetzbetreiber, um die Stromnetzfrequenz zu regulieren: Regelenergie. „Für uns ist es wichtig, immer die Oberhand über die Wahl der Vermarktungsoptionen zu behalten. Wir wollen entscheiden können, welche Wege unser Strom nimmt“, erläutert Voß.

Im Grunde ist so ein kleines Virtuelles Kraftwerk innerhalb des internationalen Next Pools von Next Kraftwerke entstanden. „Die Zusammenarbeit mit Next Kraftwerke lief schon in der Angebotsphase rund. Das betraf sowohl die gemeinsame Gestaltung unseres Vermarktungskonzepts als auch die individuelle Vertragsgestaltung. Auch die technische Anbindung und die kaufmännische Abwicklung funktionieren sehr gut, und wenn es mal offene Fragen oder auch Probleme gibt, haben wir persönliche Ansprechpartner, die immer schnell reagiert haben“, lässt Voß die bisherige Zusammenarbeit Revue passieren. Für die Zukunft ist vor allem die Erweiterung des Vermarktungspools durch die weitere Aufnahme neuer Anlagen geplant. Damit die Geschichte von Kern- und Kohlekraft in der Region bald zu Ende erzählt ist.