NEMOCS im Fokus: Aufbau eines Virtuellen Kraftwerks mit Ecotricity

von Nils Quak / 16. May 2019

Mark Meyrick von Ecotricity Ecotricity ist das erste Ökostromunternehmen Großbritanniens und bietet seit 1996 Energiedienstleistungen für Erneuerbare Energien an. Das Unternehmen aus Stroud wandte sich an Next Kraftwerke, um ein eigenes Virtuelles Kraftwerk mit der Software-as-a-service-Lösung NEMOCS aufzubauen. Wir haben Mark Meyrick, Leiter der Abteilung Trading und Smart Grids bei Ecotricity, und Tobias Weghorn, Spezialist für NEMOCS bei Next Kraftwerke, nach den ersten Schritten beim Aufbau eines eigenen VK gefragt.

Hallo Mark, ihr habt als erstes unsere NEMOCS-Software eingesetzt. Wie kam es zu der Entscheidung ein eigenes VK aufzubauen, statt einem bereits bestehenden Kraftwerkspool beizutreten?
Mark: Nun, ursprünglich wollte ich, dass Next Kraftwerke das Virtuelle Kraftwerk in Großbritannien aufbaut. Zunächst wurde diese Idee enthusiastisch von Next aufgenommen, aber ein Markteintritt in UK stand nicht auf der Agenda. Daher habe ich viel Überzeugungsarbeit bei Ecotricity geleistet und versucht zu zeigen, wie ein Virtuelles Kraftwerk die Pläne von Ecotricity, Flexibilität und den Einsatz von Batterien auszubauen, unterstützen kann. Ecotricity war begeistert davon ein Virtuelles Kraftwerk in UK zu gründen. Als Energieversorger hat Ecotricity entscheidende Vorteile gegenüber Aggregatoren, wie einen besseren Marktzugang. Wir konnten außerdem beobachten, dass einige Aggregatoren sich mit Versorgern zusammenschließen mussten, um zu überleben.

Warum fiel die Entscheidung auf Next Kraftwerke?
Mark: Wir haben uns zuerst bei einigen sogenannten Softwareanbietern umgesehen, aber wurden von keinem Produkt wirklich überzeugt. Ich hatte Next Kraftwerke bereits selbst besucht und war sehr beeindruckt von dem, was das Unternehmen leistet. Als ich von NEMOCS erfuhr, war ich daher direkt neugierig. Die Tatsache, dass Next Kraftwerke NEMOCS selbst einsetzt und nicht nur eine Software verkauft, war entscheidend und hat unser Vertrauen in die Lösung gefestigt. Darüber hinaus war es sehr reizvoll, dass wir eine auf uns zugeschnittene Lösung gemeinschaftlich entwickelt haben. Gerade in diesem sehr speziellen Markt passt die Software so viel besser zu uns, als eine Standardlösung.

Welche Vorteile erwartet ihr?
Mark: Wir hoffen, dass wir mit der Errichtung des Virtuellen Kraftwerks neue Einnahmequellen erschließen können. Wir gehen davon aus mehr Geschäftskunden zu gewinnen, insbesondere da wir nun unseren Kunden die Möglichkeit bieten ihr Portfolio über unser Virtuelles Kraftwerk selbst zu vermarkten und sie darüber Zugang zu den Strommärkten bekommen. Zusätzlich wollen wir Flexibilität in unser Energiemanagement-Portfolio integrieren. Wir glauben, dass Next Kraftwerke uns hierfür die nötige technologische Infrastruktur liefern kann. Und nicht zuletzt wollen wir unsere technologischen Möglichkeiten erweitern: Wir wollen im B2C Geschäft Möglichkeiten schaffen, auch größere Mengen an kleinen Batterien zu steuern und zu überwachen und denken, dass Next Kraftwerke auch hierfür der richtige Partner ist.

Wie können wir uns den Prozess ein VK zu starten konkret vorstellen? Gib uns doch einen Einblick, wie die Einrichtung eines Virtuellen Kraftwerks funktioniert.
Mark: Der Aufbau des VK lief ziemlich natürlich ab; wir haben uns alle zusammengesetzt und diskutiert, was wir erreichen wollen. Next Kraftwerke erklärte uns was sie bieten, wie sie unsere Ideen unterstützen können und was ihre Vision des Produkts ist. Im Anschluss entwickelten wir detaillierte Zeitpläne und Aktionspläne für die Umsetzung des Projekts. Nachdem dies abgeschlossen war, wurden die Verträge aufgesetzt und das Projekt gestartet. Momentan sind wir dabei Anlagen zu integrieren und sie mit dem Virtuellen Kraftwerk zu verbinden. Ein solch komplexes Unterfangen erfordert immer viel Engagement, Pragmatismus und intelligente Lösungen von allen Seiten. Mit Tobias haben wir einen hilfsbereiten Ansprechpartner bei Next Kraftwerke, der in jeder Hinsicht engagiert und unterstützend ist. Generell mögen wir die Menschen, mit denen wir bei Next Kraftwerke zusammenarbeiten, sehr. Das macht vieles leichter.

Wie wird NEMOCS eingerichtet? Gibt es einen festen Zeitplan und vordefinierte Ziele oder wird jeder Schritt der Entwicklung mit Ecotricity besprochen?
Tobias: Die Einrichtung von NEMOCS – das erste Mal, dass die Software für einen Drittnutzer eingerichtet wurde - erfolgte in einer kooperativen Projektstruktur. Andere NEMOCS-Projekte folgen dem selben Grundgerüst mit Beachtung der individuellen Anforderungen, die der Aufbau eines Virtuellen Kraftwerks mit sich bringt. Diese Struktur zielt darauf ab spezifische Ziele und Meilensteine zu setzen und gleichzeitig einen hohen Grad an Flexibilität zu gewähren, der für den Start eines neuen Virtuellen Kraftwerks nötig ist. Wir beginnen mit einem 1-2-tägigen Kick-Off-Workshop, bei dem Marktexperten und Ingenieure von beiden Seiten zusammenkommen, um verschiedene Anwendungen des Virtuellen Kraftwerks zu priorisieren. Diese Anwendungen reichen von reinem Monitoring hin zu komplexen Systemdienstleistungsprodukten. Darüber hinaus diskutieren wir technische Themen, wie beispielsweise die Einrichtung von Schnittstellen. Das bedeutet konkret, wie etwa die Kommunikation zwischen Anlagen und dem VK realisiert und wie das VK mit dem Netzbetreiber verbunden wird. Von diesen Überlegungen ausgehend können sich der Projektplan und die Prioritäten eines jungen Virtuellen Kraftwerks noch weiterentwickeln – und wir streben ein Modell an, das dies ermöglicht. Daher sieht die folgende Pilotphase kontinuierlichen Austausch und eine Weiterentwicklung der Nutzungen vor. Dies schafft eine Basis für die Implementierung von komplexeren Funktionen und Schnittstellen für eine längerfristige operationelle Phase.

Können NEMOCS-Nutzer weitere Funktionen hinzufügen?
Tobias: NEMOCS deckt in seiner einfachsten Ausführung verschiedene Arten von Überwachungs- und Steuerungsfunktionen ab, wie z.B. die Visualisierung von Betriebsdaten der Anlagen oder der Netzfrequenz oder von importierten externen Informationen sowie die Einspeisesteuerung der Anlagen auf Basis von manuellen Eingaben oder importierten Fahrplänen. Damit beginnt der NEMOCS-Nutzer sich ein Bild von der Funktionsweise des Systems zu machen und realisiert erste Anwendungsfälle, wie eine preisorientierte Fahrweise. Aufbauend auf diesen Erfahrungen können weitere Funktionen durch das NEMOCS-Team realisiert werden. Beispielsweise die Visualisierung im NEMOCS Control Center oder automatisierte Schnittstellen zu bereits existierender Software sowie zu Netzbetreibern.

Was ist der Stand von NEMOCS bei Ecotricity? Was wurde bereits umgesetzt?
Mark: Bisher haben wir einige Windkraftanlagen in unser System integriert und verkaufen Energie auf dem Spotmarkt und für Systemdienstleistungen. Wir erhalten Live-Daten von den Windparks und können die Stromproduktion über NEMOCS fernsteuern. In NEMOCS fließen auch die Ergebnisse aus unseren Flexibilitätsalgorithmen ein.

Was sind die nächsten Schritte / Pläne für die Zukunft?
Mark: Das nächste Hauptziel ist es, Kunden in unseren Pool aufzunehmen und ihnen und uns so schnell wie möglich Zugang zu den relevanten Einkommensquellen zu verschaffen.


Avatar
von

Nils Quak ist bei Next Kraftwerke in der Unternehmenskommunikation tätig und verantwortet die redaktionelle Gestaltung unseres Außenauftritts. Neben neuen Verkehrs- und Innenstadtkonzepten interessiert er sich für die Flexibilisierung von Stromverbrauch und möchte damit eine energiewendige Zukunft mitgestalten.

Kommentare
Noch keine Kommentare.

Leave a Reply

Your email address will not be published. Required fields are marked *