Regional verankert, überregional vernetzt

Stadtwerke als Teilnehmer in virtuellen Kraftwerken? Was sich ungewöhnlich anhört, ist inzwischen gängige Praxis. Denn auch Stadtwerke verfügen über eine Menge an Flexibilität, die mittels einer digitalen Vernetzung und einem kurzfristigen Stromhandel durch virtuelle Kraftwerke gehoben werden kann. Als erstes Stadtwerk trat die Stadtwerke Groß-Gerau Versorgungs GmbH (GGV) im Januar 2012 dem virtuellen Kraftwerksverbund von Next Kraftwerke bei.

Groß-Gerau Stromhandel Börsendienstleistungen Groß-Gerau Stromhandel Börsendienstleistungen Die Zusammenarbeit begann mit der Integration der Biogasanlagen der GGV in das virtuelle Kraftwerk Next Pool. Doch schon bald weitete sich die Zusammenarbeit auf weitere Themenfelder aus. „Wir waren durch beschränkte interne Personalressourcen auf der Suche nach einem Marktpartner, mit dem wir unsere Strombeschaffungskosten optimieren konnten. Da lag aufgrund der bisherigen Zusammenarbeit die Wahl von Next Kraftwerke nahe“, erklärt Paul Weber, Geschäftsführer der GGV. Heute umfasst das gemeinsame Projekt zusätzlich zur Integration aller Erneuerbare-Energien-Anlagen der GGV die Bilanzkreisbewirtschaftung und das Portfoliomanagement für das südhessische Stadtwerk.

Im Portfoliomanagement übernimmt Next Kraftwerke dabei in enger Zusammenarbeit mit der GGV die Prognose von Erzeugung und Last (SLP- und RLM-Profile) für den Bilanzkreis der GGV. Anschließend übermittelt Next Kraftwerke täglich im Fahrplanmanagement die prognostizierten Strommengen an den Übertragungsnetzbetreiber und handelt die gemeldeten Mengen im Day-Ahead-Handel der Spotbörse EPEX. Der Bilanzkreis der GGV wird dabei untertägig bei Prognoseanpassungen im Intraday-Handel der EPEX glatt gestellt, um Ausgleichsenergiemengen zu reduzieren und der Pflicht zur viertelstundengenauen und MaBiS-konformen Bilanzkreisbewirtschaftung nachzukommen. Dazu zählt auch der Handel von Differenzzeitreihen, da die GGV zudem als Verteilnetzbetreiber tätig ist.

Wie sieht das Ergebnis der Zusammenarbeit aus? Paul Weber zieht Bilanz: „Durch die gute und vertrauensvolle Zusammenarbeit auf Augenhöhe senken wir unsere Strombeschaffungskosten, ohne in eine eigene Handelsabteilung investieren zu müssen. Dazu kommen natürlich noch die reibungslose Direktvermarktung und die Teilnahme am Regelenergiemarkt mit unseren regelbaren regenerativen Stromerzeugungsanlagen. Die Entscheidung für diese Art der Zusammenarbeit fiel leicht, da Next Kraftwerke auch Risiken im Bereich der Strombedarfs- und Einspeiseprognose sowie des Ausgleichsenergiebedarfs der GGV übernahm. Mittelfristig möchten wir die Kooperation insbesondere hinsichtlich der Flexibilisierung unserer Bioenergieanlagen und der Strombeschaffung über kurz- und langfristige Strommärkte ausbauen.“