Flexibilitätspotenziale nutzen

Wo früher Eisenbahnen gewartet wurden und heute Straßenbahnen und Busse auf Vordermann gebracht werden, schlägt das Herz der Mülheimer Nahwärmeversorgung. Auf dem Gelände der Mülheimer Verkehrsgesellschaft steht das Biomethan-BHKW von medl. Der Mülheimer Energiedienstleister betreibt seit 1998 die Anlage, die 2014 um zusätzliche BHKW und Speicher erweitert wurde. Die Anlage verfügt über drei BHKW mit insgesamt acht Megawatt Leistung. Hier werden werden jährlich ca. 65.000.000 kWh (thermisch) erzeugt. Das entspricht dem Wärmeverbrauch von etwa 8.200 Haushalten. Ein Großteil der Wärme wird von Kranken- und Rathäusern sowie einem Einkaufs- und Schulzentrum abgenommen.

Die wärmegeführte Anlage besitzt vier Wärmespeicher mit jeweils 225 Kubikmeter Speichervolumen. Das BHKW läuft sowohl im Sommer als auch im Winter – jedoch ist die Auslastung saisonal unterschiedlich gewichtet. Diese unterschiedliche Auslastung sorgt auch dafür, dass die Anlage im Sommer eigentlich weniger fahren müsste, da weniger Wärme benötigt wird. Das würde theoretisch zu geringeren Erlösen außerhalb der Kernmonate führen. Daher bietet es sich an, die Fahrweise der Anlage am Preis an der Strombörse auszurichten, um so Mehrerlöse zu erzielen. Oft vermindern jedoch Wärmerestriktionen, dass Betreiber das Maximum aus der börsenpreisorientierten Fahrweise holen. Bei der Biomethananlage von medl sieht die Situation anders aus, erklärt Volker Weißhuhn, Leiter Wärme bei medl: „Bloß weil unsere Anlagen wärmegeführt sind, heißt das für uns nicht, dass wir nicht auch auf Preissignale am Strommarkt reagieren können. Mit der Vermarktung über Next Kraftwerke haben wir uns entschlossen, die Leistung unserer BHKW besser auszunutzen. Steigen die Börsenpreise, erhöhen wir unsere Produktion, sinken die Preise, reduzieren wir unsere Leistung im BHKW – das alles geschieht selbstverständlich in den von uns gesetzten Parametern und unter Einbindung der Wärmespeicher.“ Für eine strompreisorientierte Fahrweise lassen sich wöchentlich die passenden Fahrpläne im Online-Portal „Mein Kraftwerk“ zusammenstellen. „Die Planung der Wochenfahrweise gestaltet sich sehr komfortabel. Im Online-Portal sind die verschiedenen Viertelstunden mit einer Farbampel markiert. So erkennt man schnell, welche Zeiten lukrativ für uns sind und zu welchen Zeiten wir unsere Produktion eher drosseln sollten. Mit einem Mausklick lässt sich dann der Fahrplan an Next Kraftwerke übermitteln – ungemein praktisch“, erläutert Weißhuhn. Neben einer bedarfsorientierten Einspeisung wird die Flexibilität der Anlage auch am Regelenergiemarkt angeboten.
Hier kommen den Betreibern die großen Wärmespeicher sehr gelegen. „Wir haben uns für sehr große Wärmespeicher entschieden. Wir verfügen momentan über 60 Megawattstunden (thermisch) Puffer. Das ist genug, um theoretisch bis zu 14 Stunden 50 Prozent der Regelleistung bereitzustellen, ohne Verluste bei der Wärmelieferungsverpflichtung zu riskieren. Das bietet ein großes Potenzial für die Ausnutzung von Flexibilitäten an beiden Märkten. Das war uns sehr wichtig“, betont Weißhuhn. „Wir waren überrascht, wie gut der Anschluss an das Virtuelle Kraftwerk über die Bühne ging – auch wenn so eine Anbindung nicht über nacht geschieht“, sagt Matthias Kuhles, Teamleiter im Bereich der Planung. „Es zeigt, dass wir mit unserer Entscheidung, Next Kraftwerke mit der Vermarktung zu betrauen, richtig gelegen haben.“