Wir-Truppe schafft Lösungen für Problemflächen

Karl-Heinz Zurhold, Diplomingenieur und Energiewendeveteran der ersten Stunde, bringt es auf den Punkt: „Beim Thema Ausbau der Erneuerbaren Energien im Münsterland stehen wird nicht im Wettbewerb zueinander – wir helfen uns gegenseitig“ und bringt so das Selbstverständnis seiner Region auf den Punkt.

Zurhold, der bereits im Jahre 2000 in den Windenergieanlagenbau und damit die Produktion von Strom aus Erneuerbaren Energien einstieg, hat seither nicht nur in beratender, sondern auch in ausführender Funktion viele kleine und große Projekte unter anderem mit Next Kraftwerke umgesetzt.

„Da war eigentlich alles dabei – von einigen wenigen bis vielen Dutzend Windrädern, Biogasanlagen und Photovoltaik. Wir sind im Münsterland sehr gut vernetzt, kennen und helfen uns gegenseitig bei den Projekten“ führt der überzeugte Energieunternehmer und Netzwerker aus. „Wir haben frühzeitig erkannt, dass uns das Pooling von Anlagen viele Vorteile bietet – der Schritt in ein Virtuelles Kraftwerk ist da nur folgerichtig. Wenn ich mit 5 MW statt 500 kW ankomme, macht das schon einen ganz anderen Eindruck, auch beim Direktvermarkter.“ Das aktuelle, erst im März 2017 in die Direktvermarktung mit Next Kraftwerke gestartete Projekt des umtriebigen Münsterländers ist eine 2058 kWp große Photovoltaikanlage auf einer verfüllten und abgedichteten, ehemaligen Mülldeponie. Insgesamt 8.760 PV-Module produzieren auf der renaturierten Grünfläche sauberen Strom, den die Kölner Stromhändler, Analysten und Leitsystemtechniker bei Next Kraftwerke optimal vermarkten.

Die PV-Anlage ist aber nicht die einzige Energiequelle, die in der einstigen Problemfläche schlummert: Neben der konvertierten Deponiefläche für die Photovoltaik, die auch entsprechend bezuschusst wird, nutzen wir auch das Deponiegas zur Energiegewinnung“ erläutert Karl-Heinz Zurhold den umfassenden Ansatz seines Projekts. „Gemeinsam mit einer Biogasanlage, in der das Deponiegas mit Biomethan gemischt und anschließend verstromt wird, nutzen wir diese Altlast energietechnisch sinnvoll. Zusätzlich haben wir noch zwei Windräder installiert – wir schöpfen jede Möglichkeit zur Erzeugung von erneuerbarem Strom auf unserer Deponie aus“, freut sich der Energieunternehmer und beschreibt abschließend noch eine Win-Win-Situation zwischen Mensch und Tier: „Zwischen den PV-Modulen können nun auch Schafe grasen – und die können sich nun im Sommer auch mal in den Schatten stellen.“

Die Integration der PV-Anlage auf der Deponie ins Virtuelle Kraftwerk Next Pool verlief absolut problemlos – auch wenn das bauliche Genehmigungsverfahren sich behördenseitig länger hinzog als ursprünglich gedacht. Seit 2011 hatte sich Karl-Heinz Zurhold um die Genehmigung seiner Anlage bemüht – nun ist er froh, dass sie endlich an den Start gegangen ist. Die Zusammenarbeit mit Next Kraftwerke, die er bereits aus drei gemeinsamen Projekten mit seinem Energielandwerker-Kollegen Thomas Voß kennt, beurteilt er als sehr gut: „Besonders positiv finde ich, dass man nicht besonders viel Aufwand hat. Ich muss nicht jede kleine Störung meiner Anlage durchgeben und wenn doch, kann ich dies über die App oder die Website tun.“

Beim Blick in die Zukunft ziehen über dem münsterländischen Himmel allerdings einige Quellwolken auf: „Nach Fukushima herrschte nicht nur bei uns, sondern auch in der Politik echte Aufbruchsstimmung – wir wollten Erneuerbare Energien, und die Politik wollte auch. Nun haben wir mit langen Vorlaufzeiten die Projekte geplant – und die Politik will nicht mehr“ kritisiert Karl-Heinz Zurhold die seiner Auffassung nach mangelnde Unterstützung der Bundes- und Landespolitik in Bezug auf den Ausbau der Erneuerbaren Energie und fährt fort: „Auch die 1500-Meter-Regel für Windkraftanlagen und viele kleine andere Gesetzen und Auflagen, die sich ständig ändern und die wir dann täglich umsetzen müssen, machen uns das Leben nicht einfacher.“

Dennoch bleibt Karl-Heinz Zurhold optimistisch und kann diese Zuversicht vor allem auf sein starkes Netzwerk aus vielen engagierten Mitstreitern begründen: „Wir sind eine echte Wir-Truppe. Wir stehen nicht in Konkurrenz zueinander, sondern leben den Genossenschaftsgedanken jeden Tag, in dem wir uns gegenseitig helfen, bei Projekten unterstützen und beraten.“ Die Zusammenarbeit mit Next Kraftwerke passt perfekt in dieses Konzept: „Gegenseitig helfen, Lösungen finden und für die Erneuerbaren nach vorne arbeiten – das ist das gemeinsame Ziel“ fasst Karl-Heinz Zurhold mit Blick auf seine PV-Anlage zusammen, die aus einer alten Problemfläche Lösungen für die Zukunft schafft.