Gelebte Systemtransformation

Manchmal sind es die kleinen Schrauben, an denen man drehen muss, damit sich das große Ganze ändert. So auch bei den beiden Holzheizkraftwerken der Holzwerke Weinzierl GmbH. Anfangs befeuerten sie als Produzenten von Strom aus Erneuerbaren Energien mit über vier MW Leistung die Energiewende. Inzwischen agieren die Kraftwerke auch als Teilnehmer auf dem Regelenergiemarkt und gleichen Netzfrequenzschwankungen innerhalb von Sekunden aus.

Doch um diese Verantwortung für die Versorgungssicherheit übernehmen zu können, waren Anpassungen nötig. „Natürlich hört man oft ‚Das geht nicht‘, wenn man etwas verändern will“, erinnert sich Josef Brauneis, Leiter Elektrotechnik der Holzwerke Weinzierl. „In unserem Fall mussten allerdings nur kleine Änderungen in der Anlagenhardware vorgenommen werden, damit die Bypass-Klappen für den Silikonöldampf schneller reagieren. Nachdem die Parameter und die Anlagensteuerung angepasst waren, lief der weitere Prozess rund. Inzwischen ist das Vorgehen zum Standard bei unserem Generatorenhersteller geworden – auch für andere Kunden.“

Biomasse Direktvermarktung Regelenergie Biomasse Direktvermarktung Regelenergie In über 300 Lieferungen von kurzfristiger Regelenergie haben die beiden Kraftwerke, für deren täglichen Betrieb Josef Brauneis zuständig ist, nachgewiesen, dass die Erneuerbaren Energien ihren Beitrag zur Systemstabilität leisten können. Geschaltet werden sie dabei über die Fernwirkeinheit Next Box, welche via GPRS-Mobilfunk mit der zentralen Leitstelle des Virtuellen Kraftwerks Next Pool in Köln kommuniziert.
Die Abrufdauer der Kraftwerke variiert je nach Netzsituation erheblich. An manchen Tagen dauern die Regelenergieanforderungen des Übertragungsnetzbetreibers lediglich wenige Minuten, in seltenen Fällen kann es aber auch zu Abrufen der beiden Holzheizkraftwerke bis hin zu 50 Minuten kommen. „Wir haben Next Kraftwerke bei Projektstart die technischen und organisatorischen Einschränkungen auf unserer Seite genannt, etwa die Mindestleistung, welche nicht unterschritten werden darf. Diese Parameter werden nun im Leitsystem des Virtuellen Kraftwerks berücksichtigt, sodass Regelenergieabrufe, die von Next Kraftwerke an uns weitergegeben werden, die Funktionstüchtigkeit der Anlage nicht gefährden“, erklärt Josef Brauneis.
Die Motivation, Teil eines Virtuellen Kraftwerks zu werden, war auf Seiten der Holzwerke Weinzierl GmbH durchaus auch aus betriebswirtschaftlichen Gedanken gespeist. „Natürlich haben wir ein Interesse daran, unsere Holzheizkraftwerke mit optimaler Wirtschaftlichkeit zu betreiben. Die Investitionskosten sind gering, die notwendigen Anpassungen im Alltagsbetrieb überschaubar. Und die Mehrerlöse, die wir über die Direktvermarktung und die Regelenergie erzielen, rechtfertigen die Teilnahme am Virtuellen Kraftwerk. Auch hat uns die Kulanz von Next Kraftwerke überzeugt, zum Beispiel wenn es um kurzfristige Fahrplanänderungen geht.“