Digital vernetzt

Wie wird aus verhältnismäßig kleinen Einzelteilen das große Ganze? Mario Sommer, Betreiber einer Biogasanlage in Gieboldehausen bei Göttingen, weist beiläufig auf die Bildschirme seiner Anlagensteuerung: „Wir haben die beiden Satelliten-BHKW, die eine örtliche Schule und einen nahegelegenen Gewerbebetrieb mit Wärme versorgen, über Glasfaserkabel mit unserem Hauptstandort vernetzt. Über die zentrale Anlagensteuerung können wir nun auf jede Komponente der Biogasanlage zugreifen.“ Der Schritt ins virtuelle Kraftwerk Next Pool, um mit vielen hundert weiteren Anlagen der Erneuerbaren Energien ein deutschlandweites Netzwerk zu bilden, erschien Mario Sommer anschließend fast zwangsläufig.

Regelenergie Bedarfsorientierte Einspeisung Next Pool Regelenergie Bedarfsorientierte Einspeisung Next Pool „Die Voraussetzungen für den Eintritt ins virtuelle Kraftwerk und für die Erbringung von Regelenergie waren einfach zu erfüllen“, erinnert sich Mario Sommer. Dank der bereits vorhandenen Vernetzung der drei BHKW reichte eine Fernsteuereinheit (Next Box), um die verschiedenen Motoren mit dem Leitsystem des virtuellen Kraftwerks in der Kölner Zentrale von Next Kraftwerke zu verbinden. Nach erfolgreichen Testläufen und der Präqualifikation beim Übertragungsnetzbetreiber erbringt die Anlage wertvolle Regelenergie zur Stabilisierung der Netzfrequenz. Dabei drosseln die Motoren ihre Stromproduktion innerhalb von kurzer Zeit – im Marktsegment der Minutenreserve (MRL) binnen 15 Minuten, in der Sekundärreserve (SRL) binnen fünf Minuten. Mario Sommer war die Sekundärreserve von Beginn an wichtig: „Die SRL-Fähigkeit des Next Pools war mit ausschlaggebend bei der Entscheidung für Next Kraftwerke. Zwar ist die Regelung aufgrund der kürzeren Reaktionszeit technisch anspruchsvoller, dafür aber auch finanziell lukrativer."

Seit September 2013 stellen die drei Motoren Sekundärreserve im Next Pool bereit. Bei Abrufen fahren die Motoren auf Teillast herunter und das weiterhin produzierte Biogas wird im Fermenter am Hauptstandort zwischengespeichert. Mario Sommer erhält bei Beginn und Ende der Regelenergieabrufe eine SMS von Next Kraftwerke und ist so über den Eingriff in die Anlagenfahrweise informiert. „Die Abrufe von Sekundärreserve funktionieren bisher tadellos. Auch das Hochfahren von Teillast in Volllast nach Beendigung des Abrufs verläuft ohne Probleme“, konstatiert er.

Auch wenn die Größe der Anlage von Mario Sommer im Vergleich zu herkömmlichen Kraftwerken eher gering ist: Durch die Vernetzung im virtuellen Kraftwerk übernimmt sie eine verantwortliche Rolle im deutschen Energiesystem. Und trotz der Vernetzung im virtuellen Kraftwerk zur Erbringung von Systemdienstleistungen bleibt die dezentrale Struktur der Stromerzeugung durch die Erneuerbaren Energien gewahrt – ein wichtiger Punkt für Mario Sommer: „In virtuellen Kraftwerken sind Erzeugung und Vermarktung getrennt, so können keine neuen Oligopole entstehen. Gleichzeitig bringen zum Beispiel Biogasanlagen ihre Regelbarkeit und ihr Energiespeicherpotential dank der digitalen Vernetzung voll zur Geltung.“ Und so entsteht aus vielen kleinen Einzelteilen nach und nach das große Ganze.