Immer vorneweg

„Wir waren von Anfang an ein bisschen anders als die anderen“, sagt Onno Wilberts und zeigt auf die drei BHKW der Biogasanlage, die er gemeinsam mit Guido Koch in Beverstedt betreibt. „Als wir die Anlage planten und auf maximale Flexibilität auslegten, waren alle erstmal verwundert – von den Behörden über die Versicherung bis zum Banker. Sogar die Bevölkerung vor Ort fragte sich: Warum stellen die da 4 MW an Motorleistung hin, wenn sie die Motoren nur ein paar Stunden am Tag anschmeißen wollen? Es musste auf vielen Ebenen Pionier- und Aufklärungsarbeit geleistet werden.“

Tatsächlich waren Onno Wilberts und Guido Koch Ende 2011 noch Vorreiter der deutschen Biogasbranche. Ihr Plan: Eine Biogasanlage, die auf höchstmögliche Netzfrequenzstabilisierung und strompreisgeführte Fahrweise ausgelegt ist. Guido Koch erinnert sich an den nächsten Schritt: „Wir brauchten nun einen Marktpartner, der die Flexibilität unserer Anlage am Strommarkt platzieren konnte. Bei Next Kraftwerke war sofort der Funke da. Next Kraftwerke stand uns von der ersten Minute an kompetent zur Seite. Seitdem sind die sehr enge Betreuung und der Informationsfluss nie abgerissen. Ich würde die Zusammenarbeit als hervorragend bezeichnen.“

Regelenergie Biogas Strom BHKW Regelenergie Biogas Strom BHKW Heute schaltet Next Kraftwerke die drei BHKW der Biogasanlage bis zu 20 Mal pro Tag über eine Fernsteuereinheit (Next Box). So lässt sich die Fahrweise der Anlage viertelstundengenau an den Strompreisen des Intraday-Markts der Spotbörse EPEX ausrichten und wertvolle Regelenergie an die Übertragungsnetzbetreiber liefern. Die durchschnittliche Stromerzeugungs-leistung der Anlage (Bemessungsleistung) liegt dabei bei rund 1,2 MW, während die installierte BHKW-Leistung nahezu 4 MW beträgt. Hinzu kommt ein Gasspeichervolumen von 14.000 m³ oberhalb der vier Fermenter und Gärrestelager der Anlage. Die Biogasanlage von Onno Wilberts und Guido Koch verfügt somit über eine enorme Flexibilität, um die fluktuierende Stromerzeugung aus Solar und Wind ein Stück weit auszugleichen.

Aber auch über die Stromproduktion hinaus setzen die beiden Betreiber auf Vielseitigkeit. Als Einsatzstoffe dient ein Mix aus Gülle, Mist, Gras und maximal einem Drittel Mais aus der direkten Umgebung der Anlage. Die Biogasanlage ist dabei so konzipiert, dass sie auch alle zukünftigen Substrate vergären kann. Und auch im Jahresverlauf passt sich die Anlage den saisonalen Gegebenheiten an: Je nach verfügbarer Silage produziert sie mal mehr und mal weniger Strom. „Im gewissen Maße speichern wir über die Lagerung auch Sonnenenergie in Form der Substrate, die wir nach lokaler Verfügbarkeit einsetzen. In Kombination mit der strompreisgeführten Fahrweise der Anlage sowie der bauseitig umgesetzten Anlagenflexibilisierung sichern wir uns so gegen für uns unvorteilhafte Marktentwicklungen ab. Der Mix aus Strompreisen und Substratpreisen ist für uns ausschlaggebend, wie hoch wir die Anlage fahren.“

Zusätzlich sichern sich die beiden Betreiber durch die hohe Anlagenflexibilität auch gegen Ausfallzeiten durch Wartungen und Reparaturen ab. Diese werden zu späteren Zeiten schlicht und einfach nachgeholt, was durch die zusätzlich installierte flexible Motorleistung problemlos möglich ist. „Dieses Argument hat auch die finanzierende Bank akzeptiert, da üblicherweise mit Abschlägen bei der Verfügbarkeit gerechnet wird“, betont Onno Wilberts.

Trotz der Flexibilität der Anlage auf verschiedenen Ebenen ist Onno Wilberts und Guido Koch wichtig, dass der Anlagenbetrieb kalkulierbar bleibt. Daher haben sie mit Next Kraftwerke eine Pauschalvergütung für die Flexibilität ihrer Anlage vereinbart. Diese orientiert sich an der Verfügbarkeit jedes flexiblen Kilowatts an Anlagenleistung. Ein Modell für die Branche?