Dezentral und unabhängig

Meistens findet man die Schmuckstücke der Energiewende nicht in den Metropolen der Republik. Dort mögen zwar die Rahmenbedingungen für die Energiewirtschaft der Zukunft gestellt werden, doch die eigentlichen Macher im Geschäft der sicheren und grünen Stromversorgung leben häufiger in den kleineren Gemeinden des Landes. So auch in Schwendi in Baden-Württemberg, wo die Familie Schilling seit vielen Generationen bekannt ist für ihre Stromproduktion. „Mein Ururgroßvater hat um die Jahrhundertwende auf der Brüsseler Weltausstellung den ersten kommerziellen Siemens-Generator erstanden und anschließend die Gemeinde Schwendi elektrifiziert“, erklärt Johannes Schilling. Waren es damals Wasserkraftwerke, die den Strom aus der Region für die Region bereitstellten, ist es heute das mit zahlreichen Architekturpreisen prämierte Holzheizkraftwerk der Familie, das die Tradition der dezentralen und unabhängigen Stromversorgung weiterführt. Dort werden pro Monat etwa 800 Megawattstunden Strom produziert.

Johannes Schilling Gemeinde Schwendi Next Pool Johannes Schilling Gemeinde Schwendi Next Pool Seit Anfang Dezember 2012 wird die Stromproduktion des Holzheizkraftwerks in Schwendi per Direktvermarktung durch Next Kraftwerke an der Strombörse veräußert. Johannes Schilling gehen daher Begriffe wie „Base Load“ und „EPEX“ leicht über die Lippen – ein Beispiel gelebter Marktintegration der Erneuerbaren Energien. Durch die Empfehlung eines befreundeten Betreibers wurde er auf das Marktprämienmodell und auf Next Kraftwerke aufmerksam. „An der Fahrweise unserer Anlage und der physischen Einspeisung ins Verteilnetz hat sich durch die Direktvermarktung nichts geändert. Wir erhalten jetzt zwei Rechnungen, eine von Next Kraftwerke über die Börsenerlöse und eine vom Netzbetreiber über die Markt- und Managementprämie. Zusätzlich melden wir Leistungsabweichungen unseres Kraftwerks an Next Kraftwerke, um die zu handelnden Strommengen exakt definieren zu können. Dieser Mehraufwand wird durch die Mehrerlöse in der Direktvermarktung durchaus gerechtfertigt“, führt Johannes Schilling aus.

Die angesprochene exakte Meldung der produzierten Strommengen erhöht die Qualität der Einspeiseprognose enorm und stellt somit einen zentralen energie- und volkswirtschaftlichen Mehrwert der Direktvermarktung gegenüber der zuvorigen fixen EEG-Vergütung dar, in der die eingespeisten Strommengen nicht gemeldet wurden. Heute hingegen wird jeder betroffene Netzbetreiber von Next Kraftwerke über die zu erwartende Einspeisemenge informiert und kann die Stromverteilung weitaus besser organisieren als zuvor – was die Netzsituation entspannt und somit die Versorgungsqualität erhöht. Ein wichtiger Baustein der Energiewende, an dem Johannes Schilling durch die Direktvermarktung mitarbeitet. Damit die Zukunft der Stromversorgung noch dezentraler und unabhängiger wird.