Früher genügte ein Blick auf Thermometer oder Barometer, um sich ein Bild vom aktuellen Wetter zu machen. Heute reicht dafür bereits die bevorzugte Strompreis-App auf dem Smartphone. Gegen Ende Februar etwa kündigten sich die ersten Frühlingsanzeichen in nüchternen Preiszahlen an: Zum ersten Mal in diesem Jahr traten die typischen negativen Mittagsstrompreise auf, ausgelöst durch intensiven Sonnenschein. Schon einige Tage zuvor hatten die dauerhaft niedrigen, wenn auch nicht negativen, Preise auf kräftige Windverhältnisse hingedeutet, wie sie Kenner_innen des Strommarkts sofort zu lesen wissen.

Der Februar als klassischer Übergangsmonat zeigte im kurzfristigen Stromhandel beide Preismuster, die sich zunehmend stabil als Signaturen der Winter- und Sommerhalbjahre herausbilden. Im Winter bestimmen vorrangig wechselhafte oder ausbleibende Winde das Preisgefüge. Negative Preise treten kaum auf, da überschüssige Windenergie sofort gedrosselt werden kann. Gleichzeitig liegt das Gesamtniveau aufgrund höherer Lasten und des vermehrten Einsatzes kostenintensiver fossiler Kraftwerke stets oberhalb des sommerlichen Preisrahmens. Lässt sich jedoch die Sonne länger und intensiver blicken, setzt das bekannte Sommermuster ein: negative Preise zur Mittagszeit durch Solarstromüberschüsse, flankiert von Preisspitzen am Morgen und Abend.
Auch der Stromverbrauch spiegelte im Februar eine doppelte Teilung wider. Während im Norden und Osten wochenlang strenge Kälte herrschte und entsprechend hohe Lasten erforderte, lagen die Temperaturen im Süden und Westen bereits über dem langjährigen Mittel. Hinzu kam eine zeitliche Zäsur: In der letzten Februarwoche stiegen mit zunehmender Sonneneinstrahlung auch die Temperaturen, wodurch die Last insgesamt zurückging. Ab dem 21. Februar überschritt sie an keinem Tag mehr die Marke von 70 Gigawatt. Parallel ebbte der temperaturbedingte Importdruck aus Frankreich ab, der im Januar außergewöhnlich stark gewesen war und sich im Februar wieder normalisierte. Französische Stromlieferungen nach Deutschland lagen zwar weiterhin unter den Dezemberwerten, erholten sich jedoch deutlich vom niedrigen Niveau des Januars.
Im Intraday-Handel der Spotbörse kam es im Februar nur einmal zu einem markanten Preisanstieg: Am Morgen des 25. Februars führte eine Windstromeinspeisung, die deutlich unter der Day-Ahead-Prognose lag, zu erhöhter Nachfrage. In der Folge stieg der Durchschnittspreis der kontinuierlich gehandelten untertägigen Kontrakte (ID Average) zwischen 7 und 8 Uhr auf rund 250 €/MWh.
Nach der Preisstabilität zu Beginn des Jahres gaben die Marktwerte im Februar 2026 spürbar nach. Der mengengewichtete Spotmarktpreis, der insbesondere für Betreiber von Bioenergie- und Laufwasserkraftwerken relevant ist, fiel im Vergleich zum Januar von 11,009 ct/kWh auf 9,658 ct/kWh. Das entspricht einem Rückgang von 12,3 % und verdeutlicht die insgesamt entspanntere Situation im Übergang vom winterlichen in den frühjährlichen Strommarkt.
Auch die Windenergie verzeichnete rückläufige Erlöse. Der Marktwert für Onshore-Wind sank von 9,536 ct/kWh im Januar auf 8,723 ct/kWh im Februar (-8,5 %). Etwas deutlicher fiel die Korrektur bei der Offshore-Einspeisung aus, deren Marktwert von 10,519 ct/kWh auf 9,370 ct/kWh zurückging (-10,9 %). Am stärksten jedoch traf es die Photovoltaik: Hier brach der Marktwert von 11,019 ct/kWh auf 7,717 ct/kWh ein, was einem Rückgang von 30 % innerhalb eines Monats entspricht.
Insgesamt sieben Stunden, verteilt auf die beiden letzten Februartage, rutschten die Day-Ahead-Preise in den negativen Bereich. Für betroffene EEG-Anlagen bedeutete dies eine Kürzung des anlagenspezifischen anzulegenden Werts gemäß § 51 EEG. Die negativen Preise traten jeweils zur Mittagszeit auf und waren damit klar auf die sehr hohe Solareinspeisung zurückzuführen.

Die kurzfristigen Erdgaspreise im Spotmarkt, die im Januar noch deutlich über 40 €/MWh gestiegen waren, gaben direkt zu Monatsbeginn erheblich nach. Bereits am ersten Handelstag sackten sie um über 10 % ab. Geopolitische Beruhigungstendenzen und milderes Wetter führten dazu, dass die Preise im weiteren Monatsverlauf weiter fielen. Gegen Monatsende näherte sich der Day-Ahead-Preis für Erdgas der Marke von 30 €/MWh und schloss den Februar bei 32,70 Euro ab. Die Speicherstände signalisierten zum Monatsende eine leichte Entspannung. Zwar waren die deutschen Gasspeicher mit 20 % weiterhin deutlich unterdurchschnittlich gefüllt, doch die mildere Witterung sorgte ab dem 22. Februar sogar wieder für einen minimalen Wiederanstieg der Füllmengen.
Am Terminmarkt folgten die Strompreise den sinkenden Gaspreisen und den ebenfalls rückläufigen Preisen für CO₂-Zertifikate. So verlor das Base-Frontjahr 2027 im Monatsverlauf rund 4 Euro und notierte zum Monatsende bei 79,71 €/MWh – leicht unterhalb der 80-Euro-Schwelle.
Der bereits seit dem Spätsommer beobachtbare Preisverfall im Markt für Regelenergie setzte sich im Februar fort, wenn auch mit ersten Anzeichen einer Stabilisierung. Beispielsweise zogen die Leistungspreise für kurzfristige negative Reservekapazitäten am Mittag (12–16 Uhr) ab dem 25. Februar wieder an. Ursache hierfür war die starke Photovoltaikeinspeisung, die zum einen einen höheren Bedarf an negativer Regelleistung hervorrief und zum anderen das Angebot verknappte, weil konventionelle Kraftwerke aufgrund der hohen Solarproduktion abgeschaltet waren und daher keine negativen Reserven bereitstellen konnten.
Trotz dieser punktuellen Erholung sanken die durchschnittlichen Monatswerte über alle Regelenergieprodukte hinweg weiter: besonders ausgeprägt bei der positiven Minutenreserve (MRL) und der positiven Sekundärreserve (SRL). Anbieter negativer Sekundärregelleistung, darunter beispielsweise Biogasanlagen, erhielten im Februar 1.834 Euro pro Megawatt vorgehaltener und bezuschlagter Leistung; ein Rückgang von 6,7 % gegenüber dem Januar.
Hinweis: Next Kraftwerke übernimmt keine Gewähr für die Vollständigkeit, Richtigkeit und Aktualität der Angaben. Der vorliegende Beitrag dient lediglich der Information und ersetzt keine individuelle Rechtsberatung.
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