Im Rahmen der diesjährigen E-world sprachen wir mit zwei Experten für Batteriegroßspeichersysteme, Till Sonnen von Next Kraftwerke und Lars Kartaun von ju:niz Energy, einem der führenden Unternehmen im Bereich Batteriespeicher in Deutschland. Kürzlich haben die beiden eines der ersten in Deutschland operativ wirksamen Tolling-Agreements für den Batteriegroßspeicher SMAREG 12 umgesetzt.
Tolling-Verträge, auch Flexibility Purchase Agreements (FPA) genannt, sind Vergütungsmodelle, bei denen der Batteriebetreiber eine feste Vergütung erhält. Der Vermarkter sichert sich im Gegenzug die volle operative Kontrolle, den Batteriespeicher flexibel einzusetzen und zu optimieren.

Till: Grundsätzlich benötigt die Energiewende Batteriespeicher und damit flexible Lösungen. Unser Tolling-Modell ermöglicht genau das. Mit unserem Modell verbinden wir zwei Welten: Die Projektierer, die Investoren, die planbare Erlöse und Sicherheit benötigen, risikoarme Projekte und den Energiemarkt, der volatil, dynamisch und komplex ist. Das Tolling-Modell schafft eine stabile Basis und ermöglicht über Fixpreise investitionssichere und planbare Projekte mit sicheren Erlösströmen.
Lars: Das kann ich nur unterstreichen. Für uns als Entwickler mit immer größer werdenden Projekten, steigt auch die Investitionssumme. Dabei ist es wichtig, unsere Projekte zu de-risken. Tolling ist ein wirksames Instrument, um das Marktrisiko aus den Projekten zu nehmen. Das hat für uns viele Vorteile, schon frühzeitig in der Projektfinanzierung bis hin zu monatlichen Abrechnungen sowie das Erreichen des Budgets für die Laufzeit.
Till: Wir benötigen viele Daten, die wir zusammenführen, auswerten und optimal nutzen. Dies sind Parameter unserer Partner oder der Hersteller, Strommarktdaten, Preise, Volatilitäten und Wetterdaten: Am Ende läuft alles zusammen und wird von uns ausgewertet, um den Speicher optimal einzusetzen. Er wird an allen verschiedenen Märkten eingesetzt: vom Spotmarkt, den Intraday-Märkte, bis hin zu den Regelenergiemärkten, um das bestmögliche Ergebnis herauszuholen für unsere Projektpartner.
Lars: Die Fixpreisvergütung erhöht die Planbarkeit des Projekts erheblich. Bei solchen großen Investitionssummen haben wir monatliche Budgeterwartungen und mit Hilfe von Tolling-Verträgen können wir mit planbaren Erlösen rechnen. Das gibt uns den nötigen Freiraum, uns wirklich auf die Umsetzung von Projekten und die hohe Verfügbarkeit der Speicher zu konzentrieren.
Till: Der Fixpreis ist entscheidend, weil wir ihn für mehrere Jahre bestimmen und uns dazu verpflichten, das Risiko vom Projektierer zu nehmen. Den Fixpreis bestimmen wir, indem wir in unseren Modellen zahlreiche Variablen einbeziehen. Das sind Variablen wie beispielweise der Startzeitpunkt des Batteriespeichers, Limitationen vom Hersteller oder unserem Partner, aber auch die Lokation. Grundsätzlich haben wir verschiedene Modelle, die im Hintergrund laufen, die versuchen, einen präzisen Preis für uns im Vertrieb zu ermitteln.
Lars: Ich kann hier für beide Seiten sprechen, dass wir gerne zusammenarbeiten. Einen der ersten operativen Tolling-Verträge in Deutschland zu haben, benötigt umfassende Vorlaufzeit. Wir haben den Tolling-Vertrag lange vorbereitet, haben gemeinsam verhandelt und dabei sind wir immer wieder auf Challenges gestoßen, die wir sehr pragmatisch und lösungsorientiert behoben haben. Dementsprechend sind wir froh, den ersten Abschluss und mit Next Kraftwerke und Shell einen guten Partner für unsere große Projektpipeline zu haben.
Till: Das Tolling-Modell minimiert Risiken für Investoren, Projektierer und Entwickler wie ju:niz. Shell unterstützt uns erheblich, dieses Risiko zu stemmen. Wir sind zuständig für die Vermarktung des Speichers, die kurzfristige Optimierung. Wir verfügen über die Marktzugänge und bringen dabei unsere eigens entwickelte Next Box zum Einsatz. Shell agiert im Hintergrund und ermöglicht uns, Fixpreise über mehrere Jahre hinweg anzubieten.
Lars: 80 / 20 beschreibt denSplit zwischen Tolling und Merchant der Batterieleistung und der Kapazität. Das heißt, 80 Prozent sind Fixpreiserlöse und unabhängig von den Marktpreisen, die wir ausgezahlt bekommen. Die weiteren 20 Prozent der Leistung und Kapazität werden indexbasiert vergütet, auf Basis der realen Marktpreise. Das gibt uns als Entwickler die Möglichkeit, von attraktiven Märkten zu profitieren und generell den Kontakt zum Markt zu behalten.
Till: Spannende Frage! Das Schöne an Speichern ist, dass sie so flexibel sind, so schnell reagieren können. Deswegen sind sie jetzt schon so wertvoll und werden immer wertvoller in Zukunft. Was wir uns jetzt aktiv anschauen, auch in unserer Partnerschaft, ist zum Beispiel die Momentanreserve. Dazukommen wird der Kapazitätsmarkt, den es in vielen Ländern schon gibt. In Deutschland wird er auch kommen. Dementsprechend sprechen wir vom Value-Stacking, wenn es um die Erlöse bei Batteriespeichern geht.
Lars: Momentanreserve ist ja schon sehr spruchreif zurzeit. Das heißt, wir sind da in einer gemeinsamen Bewertung und auch das hilft uns, den Wert unserer Assets genau zu bestimmen mit der Hilfe von Next Kraftwerke und auch im Blick auf neue Märkte.
Lars: Ja wie du sagst, das Projekt läuft jetzt schon mehrere Monate im Tolling-Modell und es ist letztendlich schön zu sehen, wie sich das theoretische, vertragliche Framework in der Praxis etabliert. In den ersten Abrechnungen, im beidseitigen Monitoring der Erlöse. Das Learning, welches wir beide mitnehmen können, ist, dass eine gute Vorbereitung und das Aufbauen einer guten Partnerschaft für so ein innovatives Projekt sehr wichtig ist.
Jennifer: Dankeschön, Lars und Till, für die wertvollen Einblicke in die Kooperation von ju:niz Energy und Next Kraftwerke.
Hinweis: Next Kraftwerke übernimmt keine Gewähr für die Vollständigkeit, Richtigkeit und Aktualität der Angaben. Der vorliegende Beitrag dient lediglich der Information und ersetzt keine individuelle Rechtsberatung.
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