Was ist der SAIDI?

Definition

Der System Average Interruption Duration Index gibt die jährliche Stromunterbrechung an. Ein jährlicher Bericht deutscher Übertragungsnetzbetreiber enthält Zeitpunkt, Dauer, Ausmaß und Ursache der Versorgungsunterbrechung. Der daraus ermittelte SAIDI-Wert gibt die durchschnittliche Versorgungsunterbrechung je angeschlossenem Letztverbraucher in Minuten an.
Stromunterbrechung 2006-2015 Deutschland

Wer erstellt den SAIDI?

Der SAIDI wird von der Bundesnetzagentur erstellt und erscheint in ihrem jährlichen Monitoringbericht.

Welche Ursachen für Versorgungsunterbrechung fließen mit ein?

Einem Stromausfall können grundsätzlich unterschiedliche Ursachen zugrunde liegen. Zum einen sind es Naturkatastrophen und Wettereinflüsse allgemein, die eine Unterbrechung der Versorgung herbeiführen können. Diese Ursachen von Stromausfällen sind, so das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe, tendenziell zunehmend, fließen allerdings nicht in die Berechnung des SAIDI mit ein.  Des Weiteren sind technisches und menschliches Versagen als Ursachen möglich. Dazu zählen beispielsweise Unterbrechungen, die auf die Zuständigkeiten der Netzbetreiber, Einwirken Dritter, oder auf aus anderen Netzen rückwirkende Störungen zurückzuführen sind. Unterbrechungen dieser Art werden bei der Berechnung berücksichtigt. Die Unterbrechung muss zudem länger als drei Minuten dauern.

Ist der Wert des SAIDI in den letzten Jahren gestiegen?

Der Anteil der Erneuerbaren Energien am Strommix wächst und damit der Anteil volatiler Einspeiser wie Solar- und Windkraftanlagen. Daher stellt sich die Frage, ob auch der Wert des SAIDI in den letzten Jahren gestiegen ist. Doch entgegen der Vorurteile, die Erneuerbaren machten das Stromnetz instabil, war während der vergangenen Jahren ein gegensätzlicher Trend zu beobachten: Die Dauer der Versorgungsunterbrechung ist rückläufig, der SAIDI ist heute deutlich niedriger als noch im Jahre 2006. "Ein maßgeblicher Einfluss der Energiewende und der damit einhergehenden steigenden dezentralen Erzeugungsleistung auf die Versorgungsqualität kann somit für das Berichtsjahr [2013] ausgeschlossen werden", so Jochen Homann, Präsident der Bundesnetzagentur.

Kein Zusammenhang zwischen hohem EE-Anteil und schlechtem SAIDI

Zwischen einem schlechten SAIDI-Wert und einem hohen Anteil Erneuerbarer Energien am Stromsystem eines Landes besteht kein Zusammenhang, wie die folgende Grafik und die Tabelle verdeutlichen. So sind eher Faktoren wie die wirtschaftliche oder politische Entwicklung und der Ausbau der Energieinfrastruktur entscheidend. Insbesondere ehemals dem Ostblock zugehörige Länder wie Lettland und Estland im Baltikum oder Polen und Rumänien wiesen zum Zeitpunkt der Erhebung hohe SAIDI-Werte auf – Estland und Polen beziehen jedoch nur ca. 13 bzw. 11 Prozent ihres Stroms aus Erneuerbaren Energien. Malta, das europäische Land mit dem geringsten Anteil an Erneuerbaren Energien, kommt auf den viertschlechtesten SAIDI-Wert im europäischen Vergleich. Österreich und Schweden hingegen, europaweit führend im Einsatz Erneuerbarer Energien, führen auch die SAIDI-Liste guten Werten weit über dem Durchschnitt an.

Tabelle: SAIDI-Werte im europäischen Vergleich (2013)

Länder Einwohner (in Mio.) SAIDI (in Min.) EE-Anteile am Bruttoendstromverbrauch
Luxemburg 0,5 10 5,8
Dänemark 5,6 11,25 43,1
Schweiz 8,1 15 19
Deutschland 80,6 15,32 25,3
Niederlande 16,8 23 10
Österreich 8,5 33,96 68
Belgien 11,2 34,75 (inklusiv) 12,4
Italien 59,8 42,27 31,3
Großbritannien 64,1 54,71 13,8
Spanien 46,6 58,2 (2011) 36,7
Slowenien* 2,1 60 33,1
Frankreich 63,9 68,1 16,8
Ungarn 9,9 67,21 6,6
Schweden 9,6 70,77 61,8
Litauen 3 72,67 13,1
Irland 4,6 82 (2010) 20,8
Portugal 10,5 88,7 49,1
Griechenland 11,1 96 21,2
Tschechien 10,5 98,01 12,8
Slowakei 5,4 110,9 20,8
Finnland** 5,4 138 (inklusiv) 30,9
Norwegen* 5,1 144 (inklusiv) 37,4
Zypern 1,1 148 (2012) 6,6
Kroatien 4,3 176,1 42,2
Polen 38,5 254,9 10,7
Malta* 0,4 360 1,6
Estland 1,3 378,5 (inklusiv) 13
Lettland 2 621 48,8
Rumänien 21,3 635 (2009) 37,5
*, ** = Alternative SAIDI-Indikatoren (z. B. T-SAIDI)

Quellen:

Population Reference Bureau.

Erneuerbare Energien in Zahlen (BMWI).

CEER-Benchmarking Report 5.2 on the Continuity of Electricity Supply (2015).