Was ist die regionale Direktvermarktung?

Definition

Neben der Möglichkeit den Strom aus KWK-Anlagen per Direktvermarktung über das KWKG zu vergüten, können Anlagenbetreiber ihre produzierten Strommengen auch über die sogenannte regionale Direktvermarktung absetzen. Dabei wird der eingespeiste Strom aus KWK-Anlagen nicht an der Strombörse gehandelt, sondern an (industrielle) Großabnehmer oder auch Haushaltskunden veräußert, die sich in räumlicher Nähe der Anlage befinden.

Regionale Direktvermarktung setzt Nähe voraus

Der Anlagenbetreiber erhält weiterhin den KWK-Zuschlag vom Verteilnetzbetreiber und vom Endkunden ein Entgelt für die Stromlieferung. Letzteres besteht neben dem eigentlichen Energiepreis zu ungefähr 75 Prozent aus Steuern und Abgaben, die gewöhnlich in voller Höhe abgeführt werden müssten. Durch die regionale Direktvermarktung ergeben bzw. ergaben sich allerdings unter bestimmten Voraussetzungen stromsteuerrechtliche Vorteile, durch die sich die Abgaben für den Anlagenbetreiber im Vergleich zur „herkömmlichen" Direktvermarktung reduzieren. Die Stromsteuer von bis zu 20,5 €/MWh kann unter folgenden Voraussetzungen, die unter anderem in § 9 Abs. 1 Nr. 3 b) StromStG aufgeführt sind, eingespart werden:

  • regionaler Zusammenhang zwischen Erzeuger und Verbraucher (maximal in einem Radius von 4,5 Kilometern)
  • maximale Anlagengröße von 2 MW
  • Leitung des produzierten Stroms durch das öffentliche Netz an den Verbraucher
  • Nachweis, dass der an den Endkunden verkaufte Strom zeitgleich zur Erzeugung verbraucht wurde

Für Anlagen der Erneuerbaren Energien, die nach EEG gefördert werden, wurde mit dem neuen EEG 2017 die Möglichkeit der Stromsteuerbefreiung bei regionaler Direktvermarktung abgeschafft. KWK-Anlagen oder andere dezentrale Anlagen, die keine staatliche Förderung erhalten, können aber weiterhin die regionale Direktvermarktung nutzen, wenn sie die aufgelisteten Voraussetzungen erfüllen.

Bei der regionalen Direktvermarktung werden Endkunden also mit Strom von Anlagen aus der Region beziehungsweise der nahen Umgebung versorgt. Die Rechtsprechung des Begriffs des regionalen Zusammenhangs ist inzwischen rechtlich geklärt. Laut der Verordnung zur Durchführung des Stromsteuergesetzes (§12b, Absatz 5) umfasst der räumliche Zusammenhang "Entnahmestellen in einem Radius von bis zu 4,5 Kilometern um die jeweilige Stromerzeugungseinheit".

Vorteile der regionalen Direktvermarktung

Die Vorteile der regionalen Stromversorgung sind vielseitig. Zum einen kann die Akzeptanz gegenüber dezentralen Energieerzeugern „vor der Haustür“ gesteigert werden. Der Verbraucher erhält seinen Strom aus einer Anlage, zu der er einen Bezug hat. Zum anderen kann der für die Versorgung durch zentrale Energieerzeugung erforderliche Netzausbau, zum Beispiel von Windkraftanlagen in der Nordsee, durch die regionale Erzeugung bei zeitgleichem regionalen Verbrauch wesentlich geringer ausfallen. Die steuerliche Begünstigung von kleinen, dezentralen Erzeugungsanlagen lenkt die Stromerzeugung also dahingehend, dass Erzeugung und Verbrauch nicht lediglich zeitgleich erfolgen, sondern auch räumlich gekoppelt sind – eine bedeutende Entlastung der Stromnetze.

Mit dem EEG 2014 endete das sogenannte Grünstromprivileg, innerhalb dessen durch eine zeitliche Kopplung von Verbrauch und Erzeugung die EEG-Umlage verringert wurde. Dort konnte der Strom sowohl zentral als auch dezentral erzeugt und verbraucht werden. Wurde jedoch zusätzlich zum zeitlichen Zusammenhang der räumliche Zusammenhang hergestellt, so konnte neben der Verringerung der EEG-Umlage auch im Grünstromprivileg die Stromsteuer eingespart werden.

Bei der regionalen Direktvermarktung gilt es zu beachten, dass der Anlagenbetreiber zum Stromlieferanten wird. Dadurch entstehen viele neue Pflichten, denen er nachkommen muss. Diese umfassen Aufgaben wie das Bilanzkreismanagement, Rechnungsstellung inklusive Stromkennzeichnung, Verkauf von Produktionsüberkapazitäten sowie den Zukauf von Fehlmengen bei Anlagenausfällen oder Unterproduktion der Anlage. Zusätzlich muss ein umfangreiches Vertragswesen abgedeckt werden. Schließlich möchte der Endverbraucher auch weiterhin jederzeit gesichert Strom beziehen können. Um dies zu gewährleisten, kann der Anlagenbetreiber Unterstützung durch einen Stromhändler und Dienstleister erhalten.