Stabil im Wandel

Schon bei der Bahnfahrt entlang des idyllischen Murgtals sieht der Reisende alle paar Kilometer ein Wasserkraftwerk am Ufer. Es ist noch nicht lange her, dass Kohlestrom aus dem Rheinland für die Grundlast und Wasserkraft aus Süddeutschland für die Spitzenlast verantwortlich waren. Seit dem frühen 20. Jahrhundert hat sich aus diesem Grund die dezentrale Stromproduktion aus Erneuerbaren Energien entlang der Murg etabliert - auch wenn man sie früher wohl anderes genannt hat.

Die Wasserkraftwerke Murg Breitwies Schlechtau GmbH & Co. KG betreibt zwei der insgesamt über 30 Wasserkraftwerke, die das Gefälle des Schwarzwalds nutzen, um Strom aus Wasserkraft zu produzieren. Die Vorteile seit eh und je: Strom aus Wasserkraft ist gut prognostizierbar, gut steuerbar und vergleichsweise günstig. „Daher können wir auch in der Umbruchphase der Energiewende unseren Beitrag leisten, um Stabilität ins Gesamtsystem zu bringen“, erklärt Martin Weißmann, Geschäftsführer der Wasserkraftwerke Murg Breitwies Schlechtau GmbH & Co. KG.

Wasserkraftanlage Wasserkraftwerk Next Pool Wasserkraftanlage Wasserkraftwerk Next Pool Als Vermarktungsform für den eigenen Strom hatte das Kraftwerk bereits vor der Zusammenarbeit mit Next Kraftwerke die Direktvermarktung im Marktprämienmodell gewählt. Der Wechsel zu Next Kraftwerke war daher nicht zuletzt dem Wunsch geschuldet, über die reine Stromvermarktung an der Strombörse hinaus einem virtuellen Kraftwerk beizutreten. „Ich war schon lange von der Idee der virtuellen Kraftwerke begeistert - vernetzte dezentrale Erzeuger übernehmen nach und nach die Rolle von zentralen Großkraftwerken, das macht Sinn“, erinnert sich Martin Weißmann, der an der Karlsruher Hochschule für Technik und Wirtschaft selbst energiewirtschaftliche Vorlesungen hält. „Zwischenzeitlich hatte ich selbst mit dem Aufbau eines virtuellen Kraftwerks geliebäugelt, aber jetzt, wo ich sehe, wie aufwändig und zeitintensiv das alles ist, bin ich froh, doch nicht in diese Richtung gegangen zu sein“, schiebt er mit einem Lächeln hinterher. Heute ist das Wasserkraftwerk über eine GPRS-Verbindung mit der Zentrale des virtuellen Kraftwerks Next Pool in Köln verbunden. Dank dieser Vernetzung kann das Kraftwerk auf aktuelle Netzsituationen reagieren und so negative Sekundärreserve bereitstellen. Die notwendige Fernsteuereinheit, eine Next Box, hat Martin Weißmann sogar selbst eingebaut.

Die alltägliche Zusammenarbeit erstreckt sich auf zwei Gebiete. Zum einen übernimmt Next Kraftwerke in enger Zusammenarbeit mit dem Betreiber die Prognose der Stromerzeugung und handelt den Strom anschließend in der Direktvermarktung an der EPEX, dem Spotmarkt der Strombörse. Zum anderen bietet das virtuelle Kraftwerk die Flexibilität des regelbaren Wasserkraftwerks in der südwestdeutschen Regelzone dem dortigen Übertragungsnetzbetreiber als Regelenergie - genauer als negative Sekundärreserve - an. „Die Kommunikation mit Next Kraftwerke ist unkompliziert und hilfreich, sei es mit der technischen Abteilung in der Zentrale oder zu meinem Kundenbetreuer hier vor Ort“, erklärt Martin Weißmann.

Doch bleiben trotz des Erreichten noch viele Ideen nicht umgesetzt. „Wasserkraft hat so viele Vorteile, ist dabei günstiger als andere Erneuerbare Energien. Dies muss sich auch im Markt durchsetzen, wir brauchen neue Produkte, um diese Vorteile komplett auszuspielen“, fordert Martin Weißmann. Es bleibt also an einigen Stellen viel zu tun, um der Wasserkraft ihren angestammten Platz auch in der neuen Energiewelt so zu sichern, wie sie es sich seit jeher verdient.