Next Kraftwerke erschließt Flexibilität von Elektrofahrzeugen für das niederländische Stromnetz


Veröffentlicht am 9. September 2020

elektrisches Auto

Next Kraftwerke und Jedlix, Anbieter einer V2G (kurz für Vehicle-to-grid) Integrationsplattform, bieten seit Anfang August Sekundärreserve (aFRR) für das niederländische Stromnetz an. Dazu nutzen sie einen Pool von Elektrofahrzeugen (EVs). Die Fahrer der EVs geben ihre Ladepräferenzen auf der von Jedlix entwickelten App an. Mit Hilfe von Flottenintelligenz werden die Fahrzeuge dann in das Virtuelle Kraftwerk (VPP) von Next Kraftwerke integriert und ihre Flexibilität wird als aFRR-Leistung dem niederländischen Übertragungsnetzbetreiber (ÜNB) TenneT angeboten. Anbieter von aFRR müssen in der Lage sein, die Leistung ihrer Anlagen schnell zu aktivieren und kontinuierlich anzupassen, da sich die Netzfrequenz schnell ändern kann. Sobald größere Netzschwankungen auftreten, stoppt oder startet Next Kraftwerke den Ladevorgang der EVs, um einem Stromdefizit oder einem Stromüberschuss entgegenzuwirken.

Diese Leistung ist das Ergebnis einer mehrmonatigen Entwicklungsarbeit von Jedlix, Next Kraftwerke und TenneT im Rahmen eines aFRR-Pilotprojekts, das der niederländische Netzbetreiber 2018 gestartet hatte. Mehrere technische Barrieren mussten zunächst beseitigt werden, um neuen Anlagetypen die Bereitstellung von aFRR zu ermöglichen – zuvor waren hierfür nur wenige Großkraftwerke zuständig. So konnten Jedlix und Next Kraftwerke etwa in der Vergangenheit nur die Flexibilität von Fahrzeugen nutzen, die an denselben Energieversorger angeschlossen waren. Im Laufe des Pilotprojekts rüstete TenneT seine IT-Infrastruktur sowie sein System zur Netzstabilisierung auf, um die Bereitstellung von Reserveleistung durch unterschiedliche Energielieferanten zu ermöglichen.

Elias De Keyser, Energie- und Flexibilitätsexperte bei Next Kraftwerke Benelux: „Das aFRR-Pilotprojekt hat es uns ermöglicht, neue Flexibilität für die Bereitstellung von Sekundärreserve zu erschließen, die eines der wichtigsten Instrumente des Netzbetreibers zur Netzstabilisierung ist. Das ist eine tolle Nachricht für Besitzer von Elektroautos, aber auch für viele andere Teilnehmer unseres Pools wie Betreiber von Kraft-Wärme-Kopplungsanlagen, flexiblen industriellen Prozessen und Batterien. Sie alle können nun zusätzliche Einnahmen erzielen und gleichzeitig für ein stabiles Stromnetz sorgen. Auch das niederländische Energiesystem profitiert von erhöhter Zuverlässigkeit und mehr Wettbewerb auf dem aFRR-Markt.“

Next Kraftwerke ist auch einer der ersten Aggregatoren in den Niederlanden, der eine neu eingesetzte Technologie zur Bereitstellung von aFRR einsetzt. Während des Pilotprojekts führte TenneT die Möglichkeit ein, sich über ein dediziertes Mobilfunknetz – also eine Netzwerkverbindung, die lediglich von einem einzigen Nutzer verwendet wird – mit ihrem Kontrollzentrum zu verbinden. Dies reduziert die Verbindungszeit sowie die Verbindungskosten für neue aFRR-Anbieter. Früher mussten die Anbieter eine Leitung mieten, um eine Verbindung zwischen dem ÜNB und dem aFRR-Anbieter herzustellen.

„Dieses Projekt ist ein Beispiel dafür, wie ein Pool von Elektrofahrzeugen Systemdienstleistungen für die bereits bestehenden Regelenergiemärkte erbringen kann. Die VPP-Technologie von Next Kraftwerke und Jedlix ergänzen sich gegenseitig, und wir erwarten in der Zukunft zusätzliche Synergien durch die Kombination der Elektrofahrzeuge mit anderen dezentralen Anlagen", sagt Nick Hubbers CPO von Jedlix.

„Die Ergebnisse sind wirklich vielversprechend", sagt Benjamin Blank, VPP-Systemingenieur bei Next Kraftwerke: „Auch, wenn es sich um ein Pilotprojekt handelt, finden die Aktivierungen in der operativen aFRR-Umgebung von TenneT statt, die Bereitstellung von Reserveleistung muss zuverlässig sein. Der Pool von EVs hat sich als zuverlässige Ergänzung des Next-Pools erwiesen und kann schnell und präzise auf Aktivierungen des Netzbetreibers reagieren.“ Dies zeigt die Grafik, in der die Reaktion des EV-Pools auf Aktivierungen durch TenneT während einer gewöhnlichen Nacht dargestellt ist. Die plötzlichen Rückgänge der Ladeaktivität zeigen, wann der Ladevorgang durch das Leitsystem von Next Kraftwerke unterbrochen wurde.

Ende dieses Jahres wird das Pilotprojekt abgeschlossen. Ab diesem Zeitpunkt planen Next Kraftwerke und Jedlix, am regulären aFRR-Markt teilzunehmen.


Next Kraftwerke
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Next Kraftwerke betreibt als digitaler Versorger eines der größten Virtuellen Kraftwerke in Europa. Im Next Pool sind tausende dezentrale Stromerzeuger und -verbraucher über eine Plattform vernetzt und somit über das eigens entwickelte Leitsystem steuerbar. Mit der vernetzten Erzeugungsleistung trägt Next Kraftwerke zum Ausgleich von Frequenzschwankungen im Netz bei. Zusätzlich optimiert das Kölner Unternehmen Stromproduktion und -verbrauch der vernetzten Kunden anhand von Preissignalen und handelt über den eigenen 24/7-Stromhandel deren Strom an verschiedenen europäischen Börsen (z.B. EPEX und EEX).