Energiewende an der Strombörse

Bei der Einfahrt in das kleine Städtchen Scharmede im äußersten Nordrhein-Westfalen muss man nicht lange nach der Energiewende suchen - sie ist überall. Solarpanels auf den Hausdächern und Windräder vor der Stadt zeugen vom Energiebewusstsein der Einwohner. Einer von ihnen, Marius Pötting, ist ganz besonders von den Vorzügen des Systemwechsels hin zu Erneuerbaren Energien überzeugt. "Durch die Energiewende werden Bürger zu Stromproduzenten und übernehmen damit eine wichtige gesellschaftliche Veranwortung, von der sie dann auch finanziell profitieren können." Also stieg auch Marius Pötting in die Produktion von Strom aus Erneurbaren Energien ein. Nachdem er sein Hofdach mit einer Solaranlage ausgestattet hatte, beteiligte er sich an einem Enercon-Windrad mit 800 kWp und bedeckte schließlich das Dach seines Rinderstalls auf einer Weide vor der Stadt mit weiteren Solarpanels. Doch damit nicht genug. Der produzierte Grünstrom wurde nun zwar in das Stromnetz eingespeist, aber von dem lokalen Verteilnetzbetreiber vermarktet.

Windrad Marius Pötting Scharmede NRW Windrad Marius Pötting Scharmede NRW Erst mit dem Marktprämienmodell des EEG 2012 erhielt Marius Pötting die Chance, auch in der Stromvermarktung unabhängiger zu werden. Seitdem veräußert Next Kraftwerke die Strommengen des Energiewirts über das Marktprämienmodell an der Strombörse EPEX. "Die Ummeldung beim Netzbetreiber hat Next Kraftwerke übernommen, ebenso wie das Bilanzkreismanagement, die Wetterprognosen und die Ausgleichsenergierisiken. Bei uns liegt die Verantwortung, Wartungen und Störungen zu melden, damit immer die aktuellen Einspeisemengen vermarktet werden", sagt Marius Pötting. An der Fahrweise der Anlage habe sich durch die Direktvermarktung nichts geändert.

Auch die Abrechnung des direktvermarkteten Stroms sei bisher problemlos abgelaufen. "Ich erhalte nun monatlich zwei Abrechnungen - eine von meinem Netzbetreiber mit der Markt- und Managementprämie und eine von Next Kraftwerke mit den Börsenerlösen. Finanziell hat sich die Umstellung gelohnt, da die Erlöse in der Direktvermarktung über den Erlösen der fixen EEG-Vergütung liegen. Außerdem ist die Direktvermarktung für mich ein weiterer Schritt hin zu einer unabhängigen Stromversorgung, die nicht mehr nur von vier Großkonzernen bestimmt wird."

Der nächste Schritt der Marktintegration ist bereits angedacht: Über eine Next-Box zur ferngesteuerten Anlagenschaltung möchte Marius Pötting die Windkraftanlage vollständig mit dem virtuellen Kraftwerk Next Pool vernetzen und auch Anspruch auf den Fernsteuerbonus erhalten. So kann die Anlage durch den Vermarkter Next Kraftwerke bei entsprechenden Börsensignalen abgeregelt werden - etwa zur Vermeidung von negativen Börsenpreisen. Damit die Energiewende auch an der Strombörse gelingt…